Kurzbeschreibung

Seit Ereignisse wie die Ölkrise im Jahr 1973 und Publikationen wie „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis Meadows die Endlichkeit unserer Welt und ihrer Ressourcen aufgezeigt haben, gewinnt die Beschäftigung mit Energie von der Verbrauchsseite her und die Steuerung mittels „Demand-Side-Management“, also Management der Energienachfrage, steigende Bedeutung. Energiesparen ist ein Begriff geworden. Weil Sparen mitunter einen negativen Beigeschmack haben kann und offensichtlich eine Scheu besteht, Dinge zu thematisieren, die irgendwie nach Einschränkung klingen, hat sich das „wording“ verändert. Stattdessen wurde im energiepolitischen Diskurs (der 1980er-Jahre) auf Steigerung der Effizienz (also weniger Input für denselben Output) als „Königsweg“ gesetzt, um den Verbrauch zu senken (diese Einstellung hat sich im Laufe der Folgejahre zu einer Tabuisierung verfestigt). Bei aller Wichtigkeit, die technische Effizienzsteigerung auch heute hat und in der Zukunft behalten wird: Angesichts der Entwicklung immer effizienterer Geräte und Anlagen bei gleichzeitig trotzdem steigendem Verbrauch kann der Ansatz, allein auf Effizienzsteigerungen zu setzen, nicht mehr aufrechterhalten werden.

Wer trotz dieser Evidenz nach wie vor wie das Kaninchen auf die Schlange starrt, landet unweigerlich in der „Energieeffizienzfalle“ (ein von der Umweltorganisation VIRUS erstmals für dieses Phänomen geprägter Begriff).

Verbrauchsreduktion und Energieeffizienz müssen getrennt betrachtet werden (und nicht als Synonyme – wo Energieeffizienz gesagt wird und Verbrauchsreduktion irgendwie mitgemeint ist, so aber gar nicht mehr auffällt, dass gar keine Reduktion passiert).

Im Sinne der Erreichung energiepolitischer Ziele ist Verbrauchsreduktion ein Primärziel – Energieeffizienzsteigerung kann ein wichtiges Mittel zum Zweck sein, ist aber kein Ziel per se (besser geringer Verbrauch bei niederer Effizienz). Genauso wie die Steigerung von Energieeffizienz als (offensichtlich nicht einziges) Mittel zur Verbrauchsreduktion eingesetzt werden kann, ist sie auch als Bestandteil einer Wachstumsstrategie denkbar. Hier mit dem Ansatz „Rebound-Effekte“ zumindest insgeheim als erwünscht anzusehen – gut für das Geschäft von Energieunternehmen, oder das erwünschte Verbrauchswachstum (Stagnation beim Verbrauch gilt nach wie vor als Gefährdung für das Wachstum der Maßzahl Bruttoinlandsprodukt – gemeinhin als „Wirtschaftswachstum“ sinnentleert verwendet).

Der Grund, warum die „Effizienzfalle“ zuschnappen kann, ist die Vernachlässigung gegenläufiger Trends, die die Wirkung der Effizienzsteigerung überkompensieren. Wenn etwa die Zahl der Menschen steigt, steigt auch die Zahl der Energieverbraucher (Haushaltsgeräte, Maschinen, Fahrzeuge, …). Der Trend zu Single-Haushalten erhöht deren Zahl, und damit die Energienachfrage, weil im allgemeinen jede davon eine Grundausstattung an „energieverbrauchenden“ Geräten und Anlagen aufweist (1 Herd, 1 Kühlschrank, 1 Waschmaschine, … pro Person und nicht pro Familie, Wohn- oder Hausgemeinschaft). Lebensstiltrends führen zu einer Steigerung der Nachfrage nach Energiedienstleistungen. (elektrische Wäschetrockner statt Wäscheleine, EDV, Mobiltelefonie, durchgängig beschneite Pisten …).

Der Rebound-Effekt ist ein Phänomen, das dazu führt, dass durch Verbrauchsreduktionen „freiwerdende“ Kapazitäten wieder neuen Verbrauch generieren (s.u.) .

Das Bewusstmachen dieser Gefahren der Nichterreichung von Zielen ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. Ist dies einmal realisiert, dann spricht selbstverständlich nichts dagegen, sich des Hilfsmittels großer Effizienssteigerungspotenziale zu bedienen, wenn es darum geht, Verbrauchsreduktionspotenziale aller Art zu erschließen und die konkreten individuellen Handlungsoptionen abzuwägen. Modelle wie das sogenannte „Contracting“ (s.u.) können Einsparinvestitionen deutlich erleichtern.

Ausführlichere Beschreibungen und Erläuterungen

Verbrauchsreduktionspotenziale:

Möglichkeiten, Energie zu sparen bzw. den Verbrauch zu reduzieren, gibt es viele. Bei ihrer Erschließung kann nach verschiedenen Kriterien vorgegangen werden. Vor allem scheinen zunächst die folgenden drei Gründe sinnvoll zu sein:

  1. Weil die Potenziale besonders groß sind (Beispiel Wärmedämmung zur Reduktion von Heizenergieverlusten).

  2. Weil sie besonders wirtschaftlich sind

  3. Weil sie unnötigen Verbrauch beseitigen – auch dann, wenn insgesamt nicht soviel dabei herausschaut (klassisches Beispiel Standby–Verbrauch, wo unnötig und ohne Nutzen Energie „verbraten“ wird

Bei den Handlungsoptionen sind alle Verbrauchssektoren (also Industrie, Verkehr, Haushalte, Landwirtschaft etc.) zu berücksichtigen, jeder sollte seinen Beitrag leisten. Um insgesamt ein positives Ergebnis herauszubekommen, ist es allerdings auch erforderlich, die Größenordnungen zu beachten. So kann etwa nicht der Haushaltssektor allein (der meistens allen voran bemüht wird) ausgleichen, was in der Industrie oder beim Verkehr nicht passiert.

Wie in der Sendung „dynamische Systeme“ näher behandelt wird, ist auch zu beachten, dass die Verbrauchsentwicklung auch eine Zeitkomponente hat, und sich unterschiedliche Sektoren auch unterschiedlich entwickeln.

Wegen der hohen Bedeutung der Industrie für den Energieverbrauch (v.a Stromverbrauchszuwächse sind besonders in industrieaffinen Nutzenergiekategorien vorzufinden), wurde den Potenzialen in der Industrie eine eigene Sendung im Rahmen von „Dynamo-Effekt“ gewidmet, ebenso wie Einsparungsmöglichkeiten im Haushalt (bei Raumwärme, Beleuchtung) bereits angesprochen wurden. Auch dem Verkehr wird in mehreren Sendungen breiter Raum gegeben. Hier soll daher nochmals Platz für eine überblickshafte Gesamtschau und andernorts nicht erwähnte Themenfelder und Maßnahmen gewidmet werden:

Um von vornherein dem Eindruck entegenzuwirken, dass diese „großen Brocken“ nicht beeinflussbar wären, kann nicht oft genug betont werden, dass es grundsätzlich sehr wohl auch einen zumindest indirekten Einfluss des Verbraucher_innenverhaltens auf Energieverbrauch in Industrie und Verkehr gibt.

Einsparpotenziale im Haushalt

Weißware Dazu zählen u.a. Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Letztere sollten auch einen günstigen Wasserverbrauch aufweisen. Im Gegensatz zur Unterhaltungselektronik gibt es ein aussagekräftiges Energieeffizienzklassensystem von G bis A (sehr energieeffizient). A-Geräte sind bereits energieeffizient, um den dennoch noch erzielten technischen Fortschritt widerzuspiegeln, wurden bei Kühl- und Gefriergeräten die zusätzlichen Kategorien A+ und A++ eingeführt, die besonders effizient sind. Eine Potenzialstudie im Auftrag des BMWA (Sattler et. al., 2008) listet erwartungsgemäß auch diese „Dauerbrenner“ auf. Die Autor_innen betonen explizit den exemplarischen Charakter ihrer Zusammenstellung. Dennoch erscheint es interessant und irgendwie symptomatisch, dass die ebenfalls zur Weißware zu zählenden elektrischen Wäschetrockner fehlen. Hier ist eine neue Nachfrage nach Energiedienstleistungen entstanden, die für Verbrauchszuwächse sorgt und die – auch wenn Effizienzsteigerungspotenziale bestehen (Die E-Control gibt 2008 hier 300kWh/a bei einem A-Gerät im Vergleich zu einem C-Gerät an), nicht einzig durch Effizenzsteigerungen wieder ausgeglichen werden kann.

Hier ist neben der Konstruktion effizienteren elektrischen Wäschetrocknern die Frage zu stellen, ob nicht doch Lufttrocknen verstärkt propagiert werden soll. Dies schließt die Bereitstellung von Trockenräumen im Wohnbau ein und inkludiert ein gesellschaftliches Klima, das Wäschetrocknen am Balkon als ortsüblich akzeptiert. (Der klassische energiesparende Zugang zum Wäschetrocknen wird mehr und mehr zurückgedrängt und von Vermieter_innen mitunter nicht gern gesehen, weil er in den Geruch von wenig vorteilhaft bis rufschädigend gekommen ist.)

Gerätetauschaktionen bei Weißware sind nur dann sinnvoll, wenn gewährleistet ist, dass die ausgetauschten Geräte „aus dem Verkehr gezogen“ und nicht mehr weiterbenutzt werden. Wird das verabsäumt, verbleibt bei unveränderten Kosten ein marginaler Einspareffekt und es entstehen „astronomische“ Kosten pro eingesparter Kilowattstunde.

An dieser Stelle ist der Hinweis unabdingbar, dass auch die sogenannte „Graue Energie“ zu berücksichtigen ist, die in einem Gerät durch den Produktionsaufwand steckt und nicht nur die zum Betrieb benötigte Energie. Dementsprechend sind allzu kurze Austauschintervalle nicht sinnvoll. Es ist auch energetisch kontraproduktiv, durchaus noch neue Geräte wegzuwerfen, um ein im Betrieb etwas effizienteres aufzustellen. Durch die technische Entwicklung gibt es schon durch „natürlichen“ Gerätetausch einen automatischen Trend zu mehr Energieeffizienz. Durch den Kauf des jeweils marktbesten Geräts bei Ersatzinvestitionen kann dieser Trend verstärkt werden. Inwieweit die Vorverlegung des Austausches sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen werden, hier sollte der Bogen jedenfalls nicht überspannt werden. Erschwerend wirkt, dass sich die Gerätehersteller an die neuen Trends angepasst haben. Mittlerweile ist eine höhere Energieeffizienz ein Verkaufsargument, und ein Kriterium für die Preisgestaltung. In den späten 1980er-Jahren waren andere Kriterien für den Preis ausschlaggebend und ein energieeffizienteres und sehr billiges Gerät leichter zu finden.

Mit zunehmender Ausstattung tritt eine Sättigung ein, die dämpfend auf die Energienachfrage wirkt

Für den Ausstattungsgrad bei Weißware gibt die E-Control (2008) bei Waschmaschinen eine Steigerung seit 1990 von 83% auf 98% , und bei Geschirrspülern von 28 auf 64% an.

Unterhaltungselektronik

Auch hier ist einerseits ausstattungsmäßig ein gewisser Sättigungseffekt (Drittfernseher, Videorecorder) erreicht, die Orientierung ist schwieriger, da es hier nicht die Kennzeichnung in Energieeffizienzklassen wie bei der Weißware gibt. Dies darf dennoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch in diesem Bereich Effizienzsteigerungspotenziale zu heben sind. Die E-Control (2008) gibt hier eine Abschätzung über eine Einsparung von 200 kWh/a bei modernen TV-Geräten im Vergleich zu einem Altgerät gleicher Größe an.

Gerade bei Bildschirmen (Fernseher, Computer) ist ein Technologiewechsel (von Röhrenmonitoren auf Flachbildschirme) zu beobachten, der sich effizienzsteigernd auswirkt (gilt allerdings nur bei TFT-Technologie, nicht bei Plasmabildschirmen). Beispiel für einen Rebound-Effekt, ist hier allerdings wieder der Trend zur Anschaffung von Monitoren mit größerer Bildschirmdiagonale.

Der Boom bei Satellitenempfängern und Decodern in den letzten Jahrzehnten sowie die kürzliche Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf digitale Technik sind Beispiele für neue Entwicklungen, die die Energienachfrage und den Standby-Verbrauch erhöhen.

Smart-Home

Das „Smart-Home“, in dem alle Haushaltsgeräte miteinander vernetzt sind und kommunizieren (der vielzitierte Kühlschrank, der automatisch Milch nachbestellt), existiert derzeit in der Wohnvisionen für die Zukunft. Eine solche Entwicklung hat das Potenzial, mit zusätzlicher Intelligenz, Energieverbrauch der Zukunft zu reduzieren, aber auch neue Nachfrage (v.a. Standby) zu schaffen. Die gesellschaftliche Diskussion, ob dies erwünscht ist, und die Planung der Firmen, die unabhängig davon bereits an der Realisierung arbeiten, sich damit den Markt der Zukunft zu erschließen, bedarf dringend einer Einbeziehung energetischer Kriterien. Dies erscheint derzeit nicht gegeben.

Standmotoren

In dieser Nutzenergiekategorie ist vor allem die Industrie dominierend. Im Haushaltsbereich betrifft dies Weißware, zum andern aber auch Features wie elektrisch betriebene automatische Garagentore. Die Frage hier: muss diese Form von Bequemlichkeit wirklich sein. Im Falle des Ziels der Barrierefreiheit und eines behindertengerechten Alltags ist dies in manchen Fällen sicher gerechtfertigt, aber angesichts hoher Gesundheitskosten, die durch Bewegungsarmut mitverursacht werden, ist eine manuelle Betätigung in den meisten Fällen im Privatbereich angeratener.

Individualverkehr

Sektorale Abgrenzungen sind immer in gewisser Weise willkürlich. Würde der private motorisierte Verkehr zu den Haushalten zählen, wäre dessen Anteil am gesamten Endenergieverbrauch wesentlich höher (38% statt 25% lt. E-Control 2008) In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass bei der Entwicklung der Kraftfahrzeuge erzielte Fortschritte etwa bei der Effizienz der Motorentechnologie überkompensiert werden. So ist in den letzten Jahrzehnten ein Trend zur stärkeren Motorisierung von Fahrzeugen zu konstatieren.

Landwirtschaft

Der Agrarsektor wird als einziger Sektor angegeben, wo es (vor der Wirtschaftskrise) zu einem Rückgang des Verbrauchs gekommen ist. Mit einem Anteil von 2,2% am Endenergieverbrauch kommt ihm kein prioritärer Stellenwert zu. Wegen zu geringer Bedeutung werden in den untersuchten Quellen auch keine spezifischen Effizienzsteigerungspotenziale angegeben. Aus der zeitlichen Entwicklung ergibt sich ein aufklärungsbedürftiger Einbruch des Verbrauchs etwa um 1988. Die Entwicklungen, die schlüssige Erklärungen dafür liefern könnten: Flächenstilllegungsverpflichtungen (geringerer energetischer Bewirtschaftungsaufwand) bzw. der Strukturwandel mit Betriebsschließungen und dem dadurch ausgelösten Konzentrationsprozess begannen erst nach dem EU-Beitritt 1995 wirksam zu werden.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Dienstleistungen

Wie weiter unten ausgeführt verlaufen die Einsparprofile hier vielfach analog zu den Haushalten. Ein Potenzial, den Energieverbrauch im Verkehrsbereich zu senken liegt im Bereich des (auch teilzeitmäßigen) Teleworkings und im Einsatz von Videokonferenzsystemen zur Vermeidung von Dienstfahrten.

Neben allgemeiner energetischer Kriterien bei Anschaffung von Desktop-Computern gibt es bei allen Betrieben, die Server einsetzen (inkludiert auch Industriebetriebe), die meistens rund um die Uhr laufen, effizientere Servertechnologie. Dabei geht es um bessere Ausnützung vorhandener Kapazitäten durch Virtualisierung, sprich eine sogenannte Virtuelle Maschine stellt in Software eine Hardware-Umgebung bereit, auf der dann die Server laufen. Vorhandene Kapazität kann so bedarfsgesteuert und effizient auf die einzelnen Services aufgeteilt werden. Hinzu kommt noch eine entsprechende Auswahl der Hardware-Komponenten, und die Implementierung von Power-Management (für CPU- und Festplattenbetrieb). Der Energiebedarf für Serverbetrieb beträgt 1,13 PJ (Sattler et al 2008) und würde ohne Maßnahmen auf 2,3 PJ bis 2015 steigen. Auch wenn der Gesamtimpakt klein ist, gilt es hier durch Effizienzmaßnahmen den starken Wachstumstrend abzupuffern.

Energiewirtschaft

Auf die Rolle der Energiewirtschaft bei der Steuerung des energetischen Endverbrauches wurde bereits eingegangen. In der Verantwortung dieser Unternehmen liegt allerdings auch die Steigerung der Umwandlungseffzienz von Primärenergie zu Sekundärenergie, sprich die Verluste in den Kraftwerken. Eine Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades in thermischen Kraftwerken ist zu konstatieren, die Erhöhung des Gesamtnutzungsgrades des eingesetzten Brennstoffes durch Kraft-Wärme-Kopplung und Nutzung der Fernwärme ist das Gebot der Stunde. Um die Relationen im Auge zu behalten, sei darauf hingewiesen, dass die Verlustenergie bei der Umwandlung von Endenergie zu Nutzenergie bei den Endverbraucher_innen ca viermal so hoch ist wie die Verluste bei der Umwandlung von Primär- in Sekundärenergie. Auch wenn letzterer Prozess dadurch nicht prioritäres Handlungsfeld ist, sind Maßnahmen grundsätzlich auch hier sinnvoll

Energieeffizienzstudien

Potenzialstudien über Energiesparen und Effizienzsteigerung gab es über die Jahre viele. Hier werden exemplarisch zwei herausgegriffen und die vorgeschlagenen Maßnahmen kurz angeführt. Beiden gemeinsam ist der „Dauerbrenner thermische Sanierung“ an prominenter Stelle. Es zeigt sich auch die steigende Bedeutung, die dem Verkehr eingeräumt wird.

Sattler et. al. (2008):

Die Studienautor_innen schlagen folgende Maßnahmen vor:
thermische Sanierung
Wohnbauförderung gekoppelt an Passivstandard
Ein Energiemanagement
Bundesdienststellen und Bundescontracting 500
Altkesseltauschaktion bei Heizsystem (offengelassen wird dabei, wogegen getauscht werden soll, der Einbau neuer Ölkessel wird auch kritisiert)

Im wichtigen Verkehrsbereich umfassen die Maßnahmen:
Road Pricing
Möst (Mineralölsteuer)
Radverkehrsförderung (Infrastruktur, Bewusstseinsbildung)
Tempolimits

weiters :
Kombinierter Verkehr (Güterterminals)
Betriebliches Mobilitätsmanagement
LKW-Roadpricing sowie
Bahnausbau (Infrastruktur, Rollendes Material, Optimierter Taktfahrplan)

Weitere herausgestrichene Maßnahmen:
Industrielle KWK (Kraft-Wärme Kopplung)
Enegieeffiziente Weißware (wie erwähnt ohne Wäschetrockner)
Reduktion des Verbrauchs bei öffentlichen und privaten Dienstleistungen (maßnahmenmäßig nicht spezifiziert)
Energieeffiziente Servertechnologien

Die Studie ermittelt ein Gesamtpotenzial von 93,5 PJ (umgerechnet in Kilowattstunden entspricht das 25,9 Mrd KWh bzw. 25,9 TWh) bis zum Jahr 2020, das sich wie folgt aufteilt:
40,9 Maßnahmen im Bereich der Raumwärme,
40,5 Verkehr,
5,5 Industrielle KWK
und 6,65 bei ausgewählten Maßnahmen im Bereich der Elektrizität.

E-Control (2008):

Unterscheidet zwischen

  • national wenig beinflussbarem energetischem Endverbrauch (Güter/Luftverkehr+ Industrie+ Teile der KMU) und

  • national stark beeinflussbaren Bereichen (Haushalte, Dienstleistung, privater Verkehr, Landwirtschaft und andere Teile der KMU)

(Anm.: diese Unterscheidung hat bereits eine gewisse resignative Komponente, weil dadurch wichtige Handlungsfelder wegen auf EU-Ebene bestehender Durchsetzungshürden bereits ausgeklammert werden.)

Es wird unterschieden zwischen technischen Maßnahmen, Bereitstellung von Daten- und Informationsgrundlage zur Schaffung von Entscheidungsgrundlagen und ordnungspolitischer Maßnahmen.

Die Einsparvorschläge der E-Control:

Im Haushaltsbereich „Smart-Meter“ für Strom und Gas (Verbesserung des Mess-, Zähl- und Steuerwesens),

zu den Auswirkungen zählen Lastmanagement mit temporärer Wegschaltung bestimmter Verbraucher (Geräte) bei Lastspitzen (Anm.: trägt nicht nur zur Leistungsbegrenzung bei, sondern über die Betriebsoptimierung beim Kraftwerkspark auch zur Energieeinsparung. Es geht also sowohl um die Schaffung eines zusätzlichen Sensoriums und zusätzlicher Regelmöglichkeiten)

Dazu gehören auch bestimmte Kennziffern auf der Energierechnung,
auch auf Energieberatung wird hingewiesen.
Die Festlegung von Baustandards für Wohngebäude, und zwar nicht nur für den geförderten Teil des Neubaus, sondern für den gesamten Neubau!
Anreiz- und Sanktionsmechanismen,
Ziele für die Länder,
Einsparziele für die Wohnbaufördeung,
Klärung des Verhältnisses Investor_innen - Nutzer_innen (Mietrechtsgesetz, Wohnungseigentumsgesetz) auch als Voraussetzung für Einspar-Contracting (Anm.: die Investor_innen-Nutzer_innen-Problematik beschreibt die Diskrepanz zwischen dem Verfügungsberechtigten (z.B. Vermieter_innen) und der Person, die von einer niedrigen Energierechnung profitiert (z.B.) Mieter_in. Die Mieter_in benötigen zur Durchführung baulicher Veränderungen die Zustimmung der Vermieter_innen, die aber mangels unmittelbarem eigenem Nutzen daran u.U. kein Interesse hat).
Gebäudepass,
Erhöhung der Marktdurchdringung von hocheffizienten Geräten (Besteuerung ineffizienter Geräte, zusätzliche Ausweisung spezifischer Energiekosten, Gerätetauschprogramme, bei der Beleuchtung ein Energiesparlampenprogramm mit der Gratis-Verteilung von 1 Million Lampen). Der Verbrauch für Beleuchtung der Haushalte wird auf 1 bis 1,5 TWh geschätzt. Wegen der geringen Effizienz klassischer Beleuchtungskörper besteht ein hohes Effizienzsteigerungspotenzial, das aber hinsichtlich der mengenmäßigen Einsparung im Vergleich mit anderen Nutzenergiekategorien beschränkt ist.

Neben Haushaltsgeräten und Beleuchtung werden auch Warmwasserpumpen als zur energetischen Optimierung geeignet angeführt. Bei Ersteren werden auch einschneidendere Maßnahmen wie ein Verbot ineffizienter Haushaltsgeräte erwogen.

Bei KMU und privaten Dienstleistungen:
Hocheffizente Geräte und Motoren, Strenge Neubaustandards für Nicht-Wohngebäude (Problematik, dass der Gebäudebestand hier von den Typen her deutlich inhomogener ist)
Dieser Bereich wird als in vieler Hinsicht mit den Haushalten vergleichbar dargestellt, z.B. Waschmaschinen und Wäschetrockner in Großwäschereien, Unterhaltungselektronik in Hotels
Exemplarisch seien Wärmerückgewinnung und Beleuchtungssteuerung über Bewegungsmelder erwähnt.
Im öffentlichen Bereich: Ausschreibungen und Vergaben (Gebäude, Geräte, Fahrzeuge) mit energetischen Kriterien

Privater Verkehr:

Betriebsansiedlungen und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln, Belebung von Ortskernen und dichtere Siedlungsstrukturen (Anm.: Es besteht keine unmittelbare Planbarkeit. Betriebe lassen sich auch nicht auf Befehl ansiedeln. Im Rahmen von anderen Dynamo-Effekt-Sendungen wurde darauf hingewiesen, wovon abhängt, ob Raumordnung funktioniert).

Für das meiste Aufsehen sorgte 2008 auch die Forderung nach „Gratis-Öffis“ .

Energieunternehmen: Effizienzsteigerung beim, therm. Krafwerkspark, Kraft-Wärme Kopplung ( KWK)

Eine Übersicht über die Potenziale findet sich in der folgenden Tabelle:

Abgeschätzte Potenziale

PJ

TWh (Mrd. kWH)

Haushalte

41

11,4

KMU

56

15,5

Private Dienstleistung

50

13,9

Öffentliche Dienstleistung

16

4,4

Privater Verkehr

88

24,4

Energieunternehmen

31

8,6

Gesamt

282

78,1

Bemerkenswert klar wird in dieser Publikation auch die Forderung betont, weg von den üblichen Pilotprojekten (hier stagniert es seit Jahren) hin zu massentauglichen Konzepten und Lösungen zu kommen.

Energieeffizienzrichtlinie

Die Europäische Union hat sich als ein Teilziel der sogenannten 20-20-20-Ziele auch das Ziel gesetzt, bis 2020 20% mehr Energieeffizienz zu erreichen.

Bereits konkret in Richtlinienform gegossen ist die RL 2006/32/EG, die eine Energieffizienzsteigerung in Europa um 9 % bis zum Jahr 2016 zu beinhaltet.

Eine kritische Anmerkung dazu kommt von der E-Control (2008):

Dabei handelt es sich allerdings um kein absolutes Ziel, sondern um eine indikative Vorgabe gegenüber einen zu berechnenden Ausgangswert“ (S.97)

und weiter:

Die Zielsetzung und die Abwicklung der RL 2006/32/EG bringen es mit sich, dass die Implementierung von Energieeffizienzmaßnahmen und der zu erreichende Zielwert unabhängig von der realen Energieverbrauchsentwicklung zu sehen sind. Entsprechend der RL 2006/32/EG wurde für Österreich ein Basiswert für den Zeitpunkt der Umsetzung berechnet. Davon ausgehend wurde für das Jahr 2010 ein Zwischenziel von 17.900 TJ und für das Jahr 2016 ein Endziel von 80.400 TJ abgeleitet. Diese Mengen entsprechen jedoch keiner realen Verringerung des Energieverbrauchs, sondern müssen unabhängig vom tatsächlichen Energieverbrauch mittels der bereits oben erwähnten Evaluierungssystematik quantifiziert werden. Das Ziel gilt somit erreicht, wenn ausreichend Energieeffizienzmaßnahmen implementiert wurden, deren (theoretische) Wirkung sich anhand des Evaluierungsmechanismus auf 80.400 TJ addieren. Die Entwicklung des tatsächlichen Energieverbrauchs spielt somit keine Rolle“. (ebd.)

Nur die tatsächliche, nachweisbare Energieverbrauchsreduktionen zählt: die Energiepolitik muss sich als Ziel setzen, echte Energieverbrauchsreduktionen zu generieren und diese auch nachzuweisen. Ohne einen solchen Nachweis, sollte es keine Förderungen geben. Das bisher vielfach übliche Aufzählen von Maßnahmen und die Addition deren theoretischen Beitrages zum Energiesparen führen zu Fehleinschätzungen und in die Sackgasse der Selbsttäuschung“. (ebd., S.105)

Derart deutliche Ausführungen sind in Publikationen öffentlicher Institutionen eher selten, deshalb werden sie auch ausführlicher wiedergeben. An dieser Stelle zeigt sich wieder die oben erwähnte „Energieeffizienzfalle“ auch am speziellen Fall des Auseinanderklaffens von theoretisch-hypothetischen Einsparungen und der realen Entwicklung, die bereits anhand anderer Beispiele (Treibhausgasemissionen, Wasserkraft und Anteil erneuerbarer Energie) in „Dynamo-Effekt“ thematisiert wurde.

Contracting:

„Contracting“ heißt nichts anderes als „Vertrag abschließen“, und kam aus den USA nach Europa (z.B. die Maßnahmen der „Tennesee Valley Authority“ unter der Präsidentschaft Carter die in den späten 1980er-Jahren Bestandteil der Diskussion in Österreich waren), und ist eines der bedeutendsten Instrumente des Demand-Side-Managements (DSM), das auf der Nachfrageseite ansetzt. Es ist ein Finanzierungsinstrument, das sowohl für Anlagen („Anlagencontracting“) als auch zur Finanzierung von Verbrauchsreduktionsmaßnahmen („Einsparcontracting“) dienen kann, von dem hier ausschließlich die Rede sein soll. Das Prinzip des verbrauchsseitigen Einsatzes von „Contracting“ ist einfach: Ein Energieunternehmen finanziert (auch anstelle des Ausbaus von Erzeugungskapazitäten) eine Energiesparinvestition vor. Anstatt nun den Bonus der reduzierten Energierechnung an die Kund_innen weiterzugeben, ist dies vorerst nicht oder nur teilweise der Fall. Mit der trotz reduzierten Verbrauchs für einen gewissen Zeitraum noch unverändert hohen Energierechung wird die Investition zurückbezahlt.

Vorteil: Kund_innen brauchen keinen Kredit aufnehmen, und erhalten auch organisatorische Unterstützung, weil sie sich um die Abwicklung nicht kümmern müssen, weil die im Allgemeinen professionell betreut wird, und so neben der Finanzierung auch die Hemmschwelle des Umsetzungsaufwandes teilweise abgebaut werden kann.

Statt des Energieunternehmens kann auch ein dritter Partner als Contracter auftreten, der mit Energielieferungen nichts zu tun hat, sondern als ausschließlichen Geschäftszweck Contracting-Maßnahmen finanziert (deshalb heißt das manchmal auch Drittfinanzierung). Vorteil: die Abwicklung erfolgt unter Umständen professioneller, weil die den Job „besser verstehen“ als traditionelle Energieversorger, für die dies Neuland ist. Nachteil der Drittfinanzierung: der Anreiz beim Energieversorger fällt weg, was den Effekt konterkarieren kann. Wenn der Energieversorger selbst „Contracting“ anbietet (anbieten muss – z.B. er im öffentlichen Eigentum steht und entsprechende Vorgaben vom Mehrheitseigentümer erhalten hat), dann erfolgt dadurch auch automatische eine (förderliche) Verschiebung der Geschäftsbasis des Unternehmens.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Einsparcontracting:

  • Wirtschaftlichkeit der Einsparinvestition bei überschaubaren Amortisationszeiten („Daumenwert“: max. 7-10 Jahre)

  • Konstante oder steigende Preisentwicklung, weil ansonsten die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist. Insofern wirkten sich die spontanen und teilweise politisch motivierten Preissenkungen bei den Landeselektrizitätversorgern nach der EU-weiten Liberalisierung des Elektrizitätsbinnenmarktes rund um den Jahrtausendwechsel äußerst negativ auf die damals gerade startenden Contracting-Unternehmen aus.

  • (vertraglich vereinbarte) Konstanz im Nutzer_innenverhalten (wenn die Nachfrage nach Energiedienstleistungen steigt, dann gibt es keine Einsparung, und die Investition ist nicht mehr refinanzierbar)

Rebound-Effekt“

Der „Rebound-Effekt“ (von engl. rebound=abprallen) beschreibt ein Phänomen, das dazu führt, dass geplante bzw. berechnete Energieeinsparungen nicht oder nicht zur Gänze eintreten, die Maßnahmen nicht so wirksam sind wie erwartet (die Bemühungen also eine Rückschlag erleiden). Dies hat zwei Ursachen, die als direkter und indirekter Rebound-Effekt bezeichnet werden. In einem Beispiel wird im Zuge eines Wohnhausumbaus eine veraltete Heizanlage durch eine modernere energieeffizientere ersetzt. Die neue Anlage wird aber auf eine höhere Heizleistung ausgelegt, bzw. werden mehr Räume beheizbar gemacht. Die durch die gesteigerte Energieeffizenz reduzierten Heizkosten führen zu einer Veränderung des Verbrauchsverhaltens, indem gegenüber dem Ausgangszustand eine höhere Raumtemperatur eingestellt wird.

Alle diese Nebeneffekte führen zur Kompensation eines Teil des Effizienzgewinns durch zusätzliche Energiedienstleistungsnachfrage.

Im Falle des indirekten Rebound-Effekts wird das Geld aus den gesparten Energiekosten für andere Zwecke verwendet (etwa eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug). Dies muss nicht, wird aber in den meisten Fälle wieder mit zusätzlichem Energieeinsatz einhergehen. Je nach Energieintensität der zusätzlich konsumierten Energiedienstleistung fällt der Rebound Effekt unterschiedlich hoch aus.

Ist Strom die Energie zum Energiesparen?

Energieverbrauchsreduktion kann mit gesteigertem Elektrizitätsverbrauch verbunden sein (Wird etwa eine neue effiziente Heizung mit elektronischer Regelung installiert, so muss dafür zusätzlich Elektrizität eingesetzt werden. Anderes Beispiel: Wärmepumpe, die für den Kompressor Strom braucht, auch wenn sie das Drei- bis Vierfache an Umgebungswärme nutzbar macht.)

Auf die Problematik, dass Heizsysteme, auch wenn sie auf andere Energieträger setzen, von Elektrizität abhängig sind (falls keine Redundanzsysteme eingeplant werden, was derzeit nur in Ausnahmefällen der Fall), sei hier hingewiesen. Daraus ergibt sich eine hohe Verwundbarkeit des Systems. Heizsysteme können so ausfallen, auch wenn Brennstoff verfügbar ist (Annahme: Anhaltende Gaskrise führt zu Stromnetzzusammenbrüchen, dann funktionieren z.B. moderne Biomasseheizungen ebenfalls nicht).

Auch wenn im Einzelfall der Stromverbrauch steigt und die Maßnahme trotzdem aufgrund der Gesamtbilanz sinnvoll ist, ist der Schluss keinesfalls zulässig, dass man nur Strom einzusetzen brauche um unabhängig von den sonstigen Rahmenbedingungen den Energieverbrauch automatisch zu senken (Das suggeriert gern die E-Wirtschaft in ihren Werbebotschaften. Für die E-Wirtschaft ist Stromeinsatz zur Senkung des Energieverbrauchs eine Form der Absatzförderung und kommt ihr im Bestreben nach höheren Marktanteilen entgegen).

Gerade wegen der besonderen Problematik bei der Elektrizitätsversorgung (Strom als solcher ist nicht speicherbar, Exergieproblematik) sollte mit Vorsicht vorgegangen werden. Auf diesem Wege generierte Stromverbrauchszuwächse sollten unbedingt durch anderweitige Stromverbrauchsreduktionen kompensiert werden.

Literatur

BMWA 2007, „1. Energieffizienzaktionsplan der Republik Österreich gemäß EU-Richtlinie 2006/32/EG“, Wien, Juni 2007

E–Control, 2008 „Grünbuch Energieeffizienz – Maßnahmenvorschläge zur Steigerung der Energieffizienz“, Wien, Oktober 2008

Sattler et al. 2008 „EE-Pot-Abschätzung der Energieeffizienz-Potenziale in Österreich bis zum Jahr 2020“ Austrian Energy Agency im Auftrag des BMWA

Schriefl E.2008 „Steigender Energieverbrauch trotz verbesserter Energieeffizienz? Der „Rebound-Effekt“ und andere verbrauchstreibende Faktoren“ in „Energiezukunft Forum Wissenschaft & Umwelt (Hrsg.) 11/2008 Wien