Dynamo http://dynamo.o94.at Die Radiosendung zur Energiewende Mon, 20 Apr 2015 16:01:07 +0000 http://wordpress.org/?v=2.7.1 en hourly 1 test http://dynamo.o94.at/?p=1249 http://dynamo.o94.at/?p=1249#comments Fri, 17 Apr 2015 13:17:24 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1249

Warm ums Herz, Kühlen Kopf bewahren“

Heizen und Kühlen

Grundsätzliches

Der Titel „Warm ums Herz, Kühlen Kopf bewahren“ steht in blumiger Ausdrucksweise für den Themenkreis Heizen und Kühlen. Dahinter steht das Bedürfnis, sich allgemein wohlzufühlen, in diesem Fall geht es um angenehm temperierte Räume und damit einen wesentlichen Teil von Wohn- und Lebensqualität. Das hat unter anderem eine physiologische Komponente: was empfinden wir als angenehm? Kann andererseits aber auch zu einem Teil als Ausdruck von Gewohnheit, Zeitgeist und gesellschaftlichen Konventionen bzw. Akzeptanz aufgefasst werden (ist das Tragen warmer Kleidung chic bzw. en vogue, werden Erleichterungen bei der „Bürouniform“ toleriert oder wird strengem Dresscode der Vorzug gegeben und stattdessen stärker gekühlt). In diesem Zusammenhang kann nicht oft genug betont werden (siehe auch Sendung Grundlagen), dass Energiedienstleistung das nachgefragte eigentliche Bedürfnis beschreibt, und es verschiedene Möglichkeiten gibt, Bedürfnisse und deren Deckung in Einklang zu bringen. Wenn es dann letztendlich auch um technischen Energieeinsatz geht, um per Heizung oder Kühlung die nachgefragte Energiedienstleistung zu erbringen/zur Verfügung zu stellen, dann lässt sich dies – je nachdem wie intelligent diese technischen Lösungen geplant bzw ausgeführt sind – mit unterschiedlichem Einsatz von Endenergie bzw. Nutzenergie erreichen.

In beiden Fällen ist es das Gebäude, das mitbestimmt, in welchem Ausmaß es gelingt, die Energiedienstleistung überhaupt zu erfüllen (oder im ungünstigen Fall auch beträchtlicher Energieeinsatz nicht ausreicht, als angenehm empfundene Bedingungen herzustellen). Eine gute Wärmedämmung bzw. entsprechende Orientierung samt Nutzung der Sonneneinstrahlung im Winter bzw Abschirmung im Sommer ist maßgeblich mitbeteiligt, ob und in welchem Ausmaß Heiz- und Kühlsysteme erforderlich sind. Den Gebäuden ist eine eigene Sendung gewidmet, hier liegt der Schwerpunkt auf dem zusätzlichen Aspekt der Heiz- bzw. Kühltechnik.

Heizen

Grundsätzlich gilt das Prinzip „Zuerst dämmen – statt heizen“, was bedeutet, dass intelligente Erhaltung/Herstellung von Raumwärme immer mit der Wärmedämmung des betreffenden Gebäudes beginnen sollte, da – egal mit welchem Heizsystem – ansonsten Energie vergeudet wird. Erst dann ist es sinnvoll, sich über die Art des Energieeinsatzes zu Heizzwecken Gedanken zu machen.

Im Zusammenhang mit intelligentem Energieeinsatz zu Heizzwecken bzw. besonders angenehmer Raumatmosphäre zählen z.B. folgende Technologien zu den „Highlights“:

  • Warmwasserbereitung und (teil-)solare Raumheizung,

  • Biomassefeuerungen, vor allem Pelletsheizungen (wo die Herstellung des Brennstoffes zwar mit zusätzlichem Energieinput verbunden ist, der erhöhte mit Gasheizungen vergleichbare Bedienungskomfort aber zu zusätzlicher Attraktivität führt; Brennwertkessel gewinnen durch Kondensation des Abgases zusätzlich Energie zurück und erreichen damit einen höheren Nutzungsgrad der eingesetzen Energie).

  • Kachelofen (hoher Strahlungsanteil – besonders angenehme Wärme).

Nicht immer ist eine Einzelanlage optimal, Fern- bzw. Nahwärme ist hier zu erwähnen. Insbesondere in Ballungsräumen sorgt verdichtete Bauweise im Vergleich zum alleinstehenden Einfamilienhaus für Vorteile beim Heizaufwand. Auch die Wahl des Brennstoffes spielt bei Feuerungen (falls es sich beim Heizsystem um solche handelt) natürliche eine Rolle.

Biomasse hat unter bestimmten Voraussetzungen den Vorteil der Nachhaltigkeit (nachwachsender Rohstoff – klimaneutral), aber im Bereich Staubemissionen gibt es immer noch Verbesserungsbedarf. Erdgasbetriebene Feuerungen haben den Vorteil, dass der Wasserstoff-Anteil im Erdgas zu Wasser verbrennt (für diesen Anteil daher kein Kohlendioxid), weniger Staubemissionen, dafür durch höhere Verbrennungstemperaturen mehr Stickoxide.

Trotz gewisser Vorteile handelt es sich aber immer noch um einen fossilen Brennstoff mit allen damit verbundenen Nachteilen. Gas ist auch exergetisch (vom Standpunkt der Energiequalität – siehe Grundlagen) als Heizmaterial nicht optimal, auch wenn es de facto trotzdem hauptsächlich dafür eingesetzt wird. Überlegungen dieser Art gelten in besonderer Form für Elektroheizungen, die exergetisch besonders nachteilig sind.

Auf die Möglichkeit zusätzlicher Wärmeenergienutzung durch kontrollierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung über Wärmetauscher wird hingewiesen. Dafür gibt es verschiedene Bauformen. Am einfachsten stellt man sich das am Beispiel des Gegenstrom-Wärmetauschers so vor, dass ein ein kalter Zuluftstrom und ein gegenläufiger warmer Abluftstrom mit gutem Wärmekontakt (z.B Kupferrohr) über eine längere Strecke aneinander vorbeigeleitet werden, sodass immer eine leichte Temperaturdifferenz besteht. Am Ende ist die Abluft abgekühlt und hat die zugeführte Frischluft erwärmt. Wärmeverluste wie beim Öffnen von Fenstern werden so vermieden und trotzdem der Raum permanent mit frischer Luft versorgt.

Kühlen

Auch hier ist die Frage nach dem grundsätzlichen Bedarf zu stellen: wo ist Kühlen unter Energieeinsatz überhaupt notwendig, sind Gebäude ausreichend abgeschattet bzw. mit entsprechenden Fassadenelementen versehen (bzw. ist dies nachträglich möglich). Ebenso wichtig ist auch hier (wie beim Heizen) die Frage nach der ausreichenden Wärmedämmung vorrangig – zuerst ist der Kühlbedarf zu reduzieren bzw. die aktive Kühlung möglichst zu vermeiden. Klimawandel mit prognostizierten Veränderungen des Klimas in Richtung Erwärmung sorgt für höheren Handlungsbedarf, der ebenfalls zu berücksichtigen ist und den Trend zur Klimatisierung von Gebäuden noch verstärkt. Laut einer Studie, in der der Nutz- und Endenergiebedarf sowohl auf regionaler Ebene als auch für ganz Österreich berechnet wurden, hat der Klimawandel für Österreich deutliche Änderungen im Bereich des Energiebedarfs zur Herstellung angenehmer Raumtemperaturen in Gebäuden zur Folge, die auch deutliche Auswirkungen auf eine klimaschonende Bereitstellung dieser Energiedienstleistungen hat. Dem Rückgang des Brennstoffbedarfes im Winter steht ein gesteigerter Strombedarf zur Raumkühlung im Sommer gegenüber (F. Prettenthaler, A. Gobiet, 2008 – siehe Literaturliste)

Sollte sich Klimatisierung von Gebäuden zukünftig in einzelnen Fällen nicht vermeiden lassen, dann ist gut geplanter gebäudeintegrierter Klimatisierung der Vorzug zu geben gegenüber improvisiert aufgestellten elektrischen Klimageräten.

Solarthermische Kühlung bzw. Fernkälte (Solarwärme bzw. Fernwärme wird über Absorptionskältemaschinen oder alternativ Adsorptionskältemaschinen (siehe Glossar) zur Kühlung verwendet – mit diesen lässt sich Wärme zur Kühlung verwenden) sind interessante Optionen. Sonnenenergie (thermisch bzw. photovoltaisch) zum Betrieb von Kühlanlagen bietet Vorzüge, weil erhöhtes Energiedargebot bei stärkerer Sonneneinstrahlung exakt mit erhöhtem Kühlbedarf korrespondiert.

Weitere Anmerkungen

Baubiologie ist mit ein bestimmender Faktor, wenn es darum geht, Heizen und Kühlen zu bewerten. Wikipedia beschreibt Baubiologie als die umfassende Lehre der Beziehung zwischen den Menschen und ihrer gebauten Umwelt und weist auf das Ziel eines „gesunden Bauens und Wohnens“ hin, das durch die ganzheitliche Betrachtung physiologischer, psychologischer, architektonischer und physikalisch-technischer Zusammenhänge und der Wechselwirkung zwischen Bauwerk, Nutzer_in (Bewohner_in) und dessen Umwelt erreicht werden soll, hin. Im konkreten Fall ist das gefühlte Temperaturempfinden nicht nur von der Heiz- bzw Kühlenergie sondern eben auch von den Eigenschaften des zu temperierenden Gebäudes abhängig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Baubiologie (Stand 25.5.2010)

Hoher Strahlungswärmeanteil wird beim Einsatz von Heizwärme als angenehmer empfunden. Das ist etwa beim Kachelofen der Fall (siehe oben). Auch Wandheizung bzw. Fußbodenheizung liegen hier sehr gut. Konventionelle Heizkörper haben zur Wärmestrahlung bereits einen höheren Anteil von Wärmeströmung (Konvektion). Beim Heizlüftergebläse wie sie als Zusatzheizung erhältlich ist geschieht die Wärmeabgabe dann vorwiegend über Konvektion.

Heiztemperatur ist natürlich ein Indikator, nicht immer aber das Maß aller Dinge. So kann eine niedrigere Raumtemperatur bei geeigneten Randbedingungen als angenehmer und wärmer empfunden werden. Der Dämmstandard eines Hauses ist dafür bestimmend, ob sich etwa die Wände wärmer oder kälter anfühlen.

Heizgradtage: Der Energieverbrauch ist von meteorologischen Gegebenheiten gekennzeichnet und schwankt von Jahr zu Jahr. Um Vergleichbarkeit zu gewährleisten werden die sogenannten Heizgradtage definiert.

Die sogenannte Heizgrenztemperatur (12 bzw. 15 Grad) definiert den Eintritt des Heizfalls bei Unterschreitung. Die Zahl der Tage an denen die HGT unterschritten wird, multipliziert mit der jeweiligen Temperaturdifferenz zwischen Außentemperatur und HGT gemessen in Grad ergeben die Heizgradtage. Damit wird ein standardisiertes Maß für die unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen (strenge bzw. milde Winter) etabliert, mit dem dann die Schwankungen im Heizenergiebedarf verglichen werden können. So ist es möglich festzustellen, inwieweit Veränderungen im Heizenergiebedarf Folge natürlicher Schwankungen sind, oder darüber hinaus ein Trend in Richtung Zu- bzw. Abnahme erkennbar ist.

Kühlgradtage werden analog als Maß verwendet.

Effiziente Heizungspumpen sind ein in letzter Zeit wichtigeres Randthema geworden. Sie sind meistens überdimensioniert und ineffizient. Deshalb bieten sie ein wichtiges Optimierungspotenzial zur Reduktion des Energieaufwandes.

Glossar

Endenergie: Energie, die bei den Endverbraucher_innen eingesetzt wird.

Exergetisch (von Exergie): Maß für die Umwandelbarkeit von Energie und damit für Energiequalität. Energie setzt sich aus einem umwandelbaren, also nutzbaren Anteil (Exergie) und dem nicht nutzbaren Anteil (Anergie) zusammen. Elektrizität ist ein sehr hochwertiger/hochexergetischer Energieträger. Bei Elektroheizungen wird der exergetisch hochwertige Strom für ein niederexergetisches Nachfrageprofil verwendert (mehr siehe Sendung Grundlagen/Thermodynamo).

Nutzenergie: Die Endenergie wird zur Erreichung des Nutzungszweckes bei den Verbraucher_innen energetisch umgewandelt, dabei entstehen Verluste. Die tatsächlich für den gewünschten Zweck zur Verfügung stehende Energie ist die Nutzenergie (Endenergie minus Verluste).

Energiedienstleistung: beschreibt das eigentliche Bedürfnis, das nachgefragt wird, und zu dessen Befriedigung Energie eingesetzt wird.

Heizgradtage: Maß für den Heizenergiebedarf in meteorologisch unterschiedlichen Jahren (siehe oben).

Absorptions- bzw Adsorptionskältemaschine: zum Unterschied von Kompressionskältemaschinen, die mechanische Energie dazu verwenden ein Kühlmittel zu komprimieren, wird hier Wärmeenergie dazu eingesetzt, um ein Kühlmittel zu verdampfen, das die benötigte Verdampfungswärme der Umgebung enzieht und diese damit kühlt.

Siehe auch

http://de.wikipedia.org/wiki/Absorptionskältemaschine (Stand: 25.05.2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/Adsorptionskältemaschine (Stand: 25.05.2010)

Literatur und Weblinks

Broschüren / Infomaterialien der Energieberatung Niederösterreich:

Als Einstieg z.B. zum Thema „Welches Heizsystem passt zu mir?“

http://www.energieberatung-noe.at/start.asp?b=6206 (Stand: 25.05.2010)

http://www.energieberatung-noe.at/start.asp?ID=13095 (Stand: 25.05.2010):

  • Ratgeber 27: Die optimale Heizung [PDF 300kB]

  • Ratgeber 34: Moderne Holzheizungen [PDF 300kB]

  • Ratgeber 12: Thermische Solaranlagen [PDF 300kB]

  • Thermische Solaranlagen für WW, aber auch zur Heizungsunterstützung

  • Ratgeber 18: Wärmepumpen [PDF 300kB]

  • Ratgeber 20: Nahwärme aus Biomasse [PDF 400kB]

  • Ratgeber 28: Optimierung der Heizanlage

  • Ratgeber 29: Effiziente Heizungspumpen

Zum Thema Reduktion des Kühlbedarfs ein Ratgeber zur Sommertauglichkeit:

  • Ratgeber 10: Sommerliche Überwärmung

Zu Auswirkungen des Klimawandels auf Heizen und Kühlen gibt es eine relativ aktuelle Studie: von F. Prettenthaler, A. Gobiet;

Studien zum Klimawandel in Österreich, Band 2. Heizen und Kühlen im Klimawandel – Teil 1. 2008

http://epub.oeaw.ac.at/4001-6 (Stand: 25.05.2010)

Die relativ umfangreiche „Modern Heizen“-Broschüre der Umweltberatung ist zu finden unter

http://images.umweltberatung.at/htm/modern_heizen_broschuere_energieberatung.pdf (Stand: 25.05.2010)

Auch von Wien Energie gibt es einige Tipps, um Raumkühlung vermeiden zu helfen:

http://www.wienenergie.at/we/ep/contentView.do/contentTypeId/1001/channelId/-27898/programId/19339/pageTypeId/11892/contentId/20581 (Stand: 25.05.2010)

Es gibt dort auch Hinweise zu Kühlen mit Erdgas und Fernkälte:

http://www.wienenergie.at/we/ep/channelView.do/channelId/-22449/pageTypeId/11893 (Stand: 25.05.2010)

Einige Links zu „Haus der Zukunft“ Projekten:

  • Benutzer_innenfreundliche Heizungssysteme für Niedrigenergie- und Passivhäuser

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id1733?active= (Stand: 25.05.2010)

  • Passive Kühlungskonzepte für Büro- und Verwaltungsgebäude mittels luft- bzw. wasserdurchströmten Erdreichwärmetauschern

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id3127?active= (Stand: 25.05.2010)

  • Solare Adsorptionskühlung von Wohn- und Bürogebäuden (SunSorber)

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id3135?active= (Stand: 25.05.2010)

  • SolarCooling Monitor – Evaluierung Energieeffizienz und Betriebsverhalten von solar-thermischen Kühlanlagen zur Gebäudekühlung in Österreich

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id5973?active= (Stand: 25.05.2010)

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http://dynamo.o94.at/?p=1330 http://dynamo.o94.at/?p=1330#comments Fri, 17 Apr 2015 13:16:15 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1330 Kurzbeschreibung

Seit Ereignisse wie die Ölkrise im Jahr 1973 und Publikationen wie „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis Meadows die Endlichkeit unserer Welt und ihrer Ressourcen aufgezeigt haben, gewinnt die Beschäftigung mit Energie von der Verbrauchsseite her und die Steuerung mittels „Demand-Side-Management“, also Management der Energienachfrage, steigende Bedeutung. Energiesparen ist ein Begriff geworden. Weil Sparen mitunter einen negativen Beigeschmack haben kann und offensichtlich eine Scheu besteht, Dinge zu thematisieren, die irgendwie nach Einschränkung klingen, hat sich das „wording“ verändert. Stattdessen wurde im energiepolitischen Diskurs (der 1980er-Jahre) auf Steigerung der Effizienz (also weniger Input für denselben Output) als „Königsweg“ gesetzt, um den Verbrauch zu senken (diese Einstellung hat sich im Laufe der Folgejahre zu einer Tabuisierung verfestigt). Bei aller Wichtigkeit, die technische Effizienzsteigerung auch heute hat und in der Zukunft behalten wird: Angesichts der Entwicklung immer effizienterer Geräte und Anlagen bei gleichzeitig trotzdem steigendem Verbrauch kann der Ansatz, allein auf Effizienzsteigerungen zu setzen, nicht mehr aufrechterhalten werden.

Wer trotz dieser Evidenz nach wie vor wie das Kaninchen auf die Schlange starrt, landet unweigerlich in der „Energieeffizienzfalle“ (ein von der Umweltorganisation VIRUS erstmals für dieses Phänomen geprägter Begriff).

Verbrauchsreduktion und Energieeffizienz müssen getrennt betrachtet werden (und nicht als Synonyme – wo Energieeffizienz gesagt wird und Verbrauchsreduktion irgendwie mitgemeint ist, so aber gar nicht mehr auffällt, dass gar keine Reduktion passiert).

Im Sinne der Erreichung energiepolitischer Ziele ist Verbrauchsreduktion ein Primärziel – Energieeffizienzsteigerung kann ein wichtiges Mittel zum Zweck sein, ist aber kein Ziel per se (besser geringer Verbrauch bei niederer Effizienz). Genauso wie die Steigerung von Energieeffizienz als (offensichtlich nicht einziges) Mittel zur Verbrauchsreduktion eingesetzt werden kann, ist sie auch als Bestandteil einer Wachstumsstrategie denkbar. Hier mit dem Ansatz „Rebound-Effekte“ zumindest insgeheim als erwünscht anzusehen – gut für das Geschäft von Energieunternehmen, oder das erwünschte Verbrauchswachstum (Stagnation beim Verbrauch gilt nach wie vor als Gefährdung für das Wachstum der Maßzahl Bruttoinlandsprodukt – gemeinhin als „Wirtschaftswachstum“ sinnentleert verwendet).

Der Grund, warum die „Effizienzfalle“ zuschnappen kann, ist die Vernachlässigung gegenläufiger Trends, die die Wirkung der Effizienzsteigerung überkompensieren. Wenn etwa die Zahl der Menschen steigt, steigt auch die Zahl der Energieverbraucher (Haushaltsgeräte, Maschinen, Fahrzeuge, …). Der Trend zu Single-Haushalten erhöht deren Zahl, und damit die Energienachfrage, weil im allgemeinen jede davon eine Grundausstattung an „energieverbrauchenden“ Geräten und Anlagen aufweist (1 Herd, 1 Kühlschrank, 1 Waschmaschine, … pro Person und nicht pro Familie, Wohn- oder Hausgemeinschaft). Lebensstiltrends führen zu einer Steigerung der Nachfrage nach Energiedienstleistungen. (elektrische Wäschetrockner statt Wäscheleine, EDV, Mobiltelefonie, durchgängig beschneite Pisten …).

Der Rebound-Effekt ist ein Phänomen, das dazu führt, dass durch Verbrauchsreduktionen „freiwerdende“ Kapazitäten wieder neuen Verbrauch generieren (s.u.) .

Das Bewusstmachen dieser Gefahren der Nichterreichung von Zielen ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. Ist dies einmal realisiert, dann spricht selbstverständlich nichts dagegen, sich des Hilfsmittels großer Effizienssteigerungspotenziale zu bedienen, wenn es darum geht, Verbrauchsreduktionspotenziale aller Art zu erschließen und die konkreten individuellen Handlungsoptionen abzuwägen. Modelle wie das sogenannte „Contracting“ (s.u.) können Einsparinvestitionen deutlich erleichtern.

Ausführlichere Beschreibungen und Erläuterungen

Verbrauchsreduktionspotenziale:

Möglichkeiten, Energie zu sparen bzw. den Verbrauch zu reduzieren, gibt es viele. Bei ihrer Erschließung kann nach verschiedenen Kriterien vorgegangen werden. Vor allem scheinen zunächst die folgenden drei Gründe sinnvoll zu sein:

  1. Weil die Potenziale besonders groß sind (Beispiel Wärmedämmung zur Reduktion von Heizenergieverlusten).

  2. Weil sie besonders wirtschaftlich sind

  3. Weil sie unnötigen Verbrauch beseitigen – auch dann, wenn insgesamt nicht soviel dabei herausschaut (klassisches Beispiel Standby–Verbrauch, wo unnötig und ohne Nutzen Energie „verbraten“ wird

Bei den Handlungsoptionen sind alle Verbrauchssektoren (also Industrie, Verkehr, Haushalte, Landwirtschaft etc.) zu berücksichtigen, jeder sollte seinen Beitrag leisten. Um insgesamt ein positives Ergebnis herauszubekommen, ist es allerdings auch erforderlich, die Größenordnungen zu beachten. So kann etwa nicht der Haushaltssektor allein (der meistens allen voran bemüht wird) ausgleichen, was in der Industrie oder beim Verkehr nicht passiert.

Wie in der Sendung „dynamische Systeme“ näher behandelt wird, ist auch zu beachten, dass die Verbrauchsentwicklung auch eine Zeitkomponente hat, und sich unterschiedliche Sektoren auch unterschiedlich entwickeln.

Wegen der hohen Bedeutung der Industrie für den Energieverbrauch (v.a Stromverbrauchszuwächse sind besonders in industrieaffinen Nutzenergiekategorien vorzufinden), wurde den Potenzialen in der Industrie eine eigene Sendung im Rahmen von „Dynamo-Effekt“ gewidmet, ebenso wie Einsparungsmöglichkeiten im Haushalt (bei Raumwärme, Beleuchtung) bereits angesprochen wurden. Auch dem Verkehr wird in mehreren Sendungen breiter Raum gegeben. Hier soll daher nochmals Platz für eine überblickshafte Gesamtschau und andernorts nicht erwähnte Themenfelder und Maßnahmen gewidmet werden:

Um von vornherein dem Eindruck entegenzuwirken, dass diese „großen Brocken“ nicht beeinflussbar wären, kann nicht oft genug betont werden, dass es grundsätzlich sehr wohl auch einen zumindest indirekten Einfluss des Verbraucher_innenverhaltens auf Energieverbrauch in Industrie und Verkehr gibt.

Einsparpotenziale im Haushalt

Weißware Dazu zählen u.a. Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Letztere sollten auch einen günstigen Wasserverbrauch aufweisen. Im Gegensatz zur Unterhaltungselektronik gibt es ein aussagekräftiges Energieeffizienzklassensystem von G bis A (sehr energieeffizient). A-Geräte sind bereits energieeffizient, um den dennoch noch erzielten technischen Fortschritt widerzuspiegeln, wurden bei Kühl- und Gefriergeräten die zusätzlichen Kategorien A+ und A++ eingeführt, die besonders effizient sind. Eine Potenzialstudie im Auftrag des BMWA (Sattler et. al., 2008) listet erwartungsgemäß auch diese „Dauerbrenner“ auf. Die Autor_innen betonen explizit den exemplarischen Charakter ihrer Zusammenstellung. Dennoch erscheint es interessant und irgendwie symptomatisch, dass die ebenfalls zur Weißware zu zählenden elektrischen Wäschetrockner fehlen. Hier ist eine neue Nachfrage nach Energiedienstleistungen entstanden, die für Verbrauchszuwächse sorgt und die – auch wenn Effizienzsteigerungspotenziale bestehen (Die E-Control gibt 2008 hier 300kWh/a bei einem A-Gerät im Vergleich zu einem C-Gerät an), nicht einzig durch Effizenzsteigerungen wieder ausgeglichen werden kann.

Hier ist neben der Konstruktion effizienteren elektrischen Wäschetrocknern die Frage zu stellen, ob nicht doch Lufttrocknen verstärkt propagiert werden soll. Dies schließt die Bereitstellung von Trockenräumen im Wohnbau ein und inkludiert ein gesellschaftliches Klima, das Wäschetrocknen am Balkon als ortsüblich akzeptiert. (Der klassische energiesparende Zugang zum Wäschetrocknen wird mehr und mehr zurückgedrängt und von Vermieter_innen mitunter nicht gern gesehen, weil er in den Geruch von wenig vorteilhaft bis rufschädigend gekommen ist.)

Gerätetauschaktionen bei Weißware sind nur dann sinnvoll, wenn gewährleistet ist, dass die ausgetauschten Geräte „aus dem Verkehr gezogen“ und nicht mehr weiterbenutzt werden. Wird das verabsäumt, verbleibt bei unveränderten Kosten ein marginaler Einspareffekt und es entstehen „astronomische“ Kosten pro eingesparter Kilowattstunde.

An dieser Stelle ist der Hinweis unabdingbar, dass auch die sogenannte „Graue Energie“ zu berücksichtigen ist, die in einem Gerät durch den Produktionsaufwand steckt und nicht nur die zum Betrieb benötigte Energie. Dementsprechend sind allzu kurze Austauschintervalle nicht sinnvoll. Es ist auch energetisch kontraproduktiv, durchaus noch neue Geräte wegzuwerfen, um ein im Betrieb etwas effizienteres aufzustellen. Durch die technische Entwicklung gibt es schon durch „natürlichen“ Gerätetausch einen automatischen Trend zu mehr Energieeffizienz. Durch den Kauf des jeweils marktbesten Geräts bei Ersatzinvestitionen kann dieser Trend verstärkt werden. Inwieweit die Vorverlegung des Austausches sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen werden, hier sollte der Bogen jedenfalls nicht überspannt werden. Erschwerend wirkt, dass sich die Gerätehersteller an die neuen Trends angepasst haben. Mittlerweile ist eine höhere Energieeffizienz ein Verkaufsargument, und ein Kriterium für die Preisgestaltung. In den späten 1980er-Jahren waren andere Kriterien für den Preis ausschlaggebend und ein energieeffizienteres und sehr billiges Gerät leichter zu finden.

Mit zunehmender Ausstattung tritt eine Sättigung ein, die dämpfend auf die Energienachfrage wirkt

Für den Ausstattungsgrad bei Weißware gibt die E-Control (2008) bei Waschmaschinen eine Steigerung seit 1990 von 83% auf 98% , und bei Geschirrspülern von 28 auf 64% an.

Unterhaltungselektronik

Auch hier ist einerseits ausstattungsmäßig ein gewisser Sättigungseffekt (Drittfernseher, Videorecorder) erreicht, die Orientierung ist schwieriger, da es hier nicht die Kennzeichnung in Energieeffizienzklassen wie bei der Weißware gibt. Dies darf dennoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch in diesem Bereich Effizienzsteigerungspotenziale zu heben sind. Die E-Control (2008) gibt hier eine Abschätzung über eine Einsparung von 200 kWh/a bei modernen TV-Geräten im Vergleich zu einem Altgerät gleicher Größe an.

Gerade bei Bildschirmen (Fernseher, Computer) ist ein Technologiewechsel (von Röhrenmonitoren auf Flachbildschirme) zu beobachten, der sich effizienzsteigernd auswirkt (gilt allerdings nur bei TFT-Technologie, nicht bei Plasmabildschirmen). Beispiel für einen Rebound-Effekt, ist hier allerdings wieder der Trend zur Anschaffung von Monitoren mit größerer Bildschirmdiagonale.

Der Boom bei Satellitenempfängern und Decodern in den letzten Jahrzehnten sowie die kürzliche Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf digitale Technik sind Beispiele für neue Entwicklungen, die die Energienachfrage und den Standby-Verbrauch erhöhen.

Smart-Home

Das „Smart-Home“, in dem alle Haushaltsgeräte miteinander vernetzt sind und kommunizieren (der vielzitierte Kühlschrank, der automatisch Milch nachbestellt), existiert derzeit in der Wohnvisionen für die Zukunft. Eine solche Entwicklung hat das Potenzial, mit zusätzlicher Intelligenz, Energieverbrauch der Zukunft zu reduzieren, aber auch neue Nachfrage (v.a. Standby) zu schaffen. Die gesellschaftliche Diskussion, ob dies erwünscht ist, und die Planung der Firmen, die unabhängig davon bereits an der Realisierung arbeiten, sich damit den Markt der Zukunft zu erschließen, bedarf dringend einer Einbeziehung energetischer Kriterien. Dies erscheint derzeit nicht gegeben.

Standmotoren

In dieser Nutzenergiekategorie ist vor allem die Industrie dominierend. Im Haushaltsbereich betrifft dies Weißware, zum andern aber auch Features wie elektrisch betriebene automatische Garagentore. Die Frage hier: muss diese Form von Bequemlichkeit wirklich sein. Im Falle des Ziels der Barrierefreiheit und eines behindertengerechten Alltags ist dies in manchen Fällen sicher gerechtfertigt, aber angesichts hoher Gesundheitskosten, die durch Bewegungsarmut mitverursacht werden, ist eine manuelle Betätigung in den meisten Fällen im Privatbereich angeratener.

Individualverkehr

Sektorale Abgrenzungen sind immer in gewisser Weise willkürlich. Würde der private motorisierte Verkehr zu den Haushalten zählen, wäre dessen Anteil am gesamten Endenergieverbrauch wesentlich höher (38% statt 25% lt. E-Control 2008) In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass bei der Entwicklung der Kraftfahrzeuge erzielte Fortschritte etwa bei der Effizienz der Motorentechnologie überkompensiert werden. So ist in den letzten Jahrzehnten ein Trend zur stärkeren Motorisierung von Fahrzeugen zu konstatieren.

Landwirtschaft

Der Agrarsektor wird als einziger Sektor angegeben, wo es (vor der Wirtschaftskrise) zu einem Rückgang des Verbrauchs gekommen ist. Mit einem Anteil von 2,2% am Endenergieverbrauch kommt ihm kein prioritärer Stellenwert zu. Wegen zu geringer Bedeutung werden in den untersuchten Quellen auch keine spezifischen Effizienzsteigerungspotenziale angegeben. Aus der zeitlichen Entwicklung ergibt sich ein aufklärungsbedürftiger Einbruch des Verbrauchs etwa um 1988. Die Entwicklungen, die schlüssige Erklärungen dafür liefern könnten: Flächenstilllegungsverpflichtungen (geringerer energetischer Bewirtschaftungsaufwand) bzw. der Strukturwandel mit Betriebsschließungen und dem dadurch ausgelösten Konzentrationsprozess begannen erst nach dem EU-Beitritt 1995 wirksam zu werden.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Dienstleistungen

Wie weiter unten ausgeführt verlaufen die Einsparprofile hier vielfach analog zu den Haushalten. Ein Potenzial, den Energieverbrauch im Verkehrsbereich zu senken liegt im Bereich des (auch teilzeitmäßigen) Teleworkings und im Einsatz von Videokonferenzsystemen zur Vermeidung von Dienstfahrten.

Neben allgemeiner energetischer Kriterien bei Anschaffung von Desktop-Computern gibt es bei allen Betrieben, die Server einsetzen (inkludiert auch Industriebetriebe), die meistens rund um die Uhr laufen, effizientere Servertechnologie. Dabei geht es um bessere Ausnützung vorhandener Kapazitäten durch Virtualisierung, sprich eine sogenannte Virtuelle Maschine stellt in Software eine Hardware-Umgebung bereit, auf der dann die Server laufen. Vorhandene Kapazität kann so bedarfsgesteuert und effizient auf die einzelnen Services aufgeteilt werden. Hinzu kommt noch eine entsprechende Auswahl der Hardware-Komponenten, und die Implementierung von Power-Management (für CPU- und Festplattenbetrieb). Der Energiebedarf für Serverbetrieb beträgt 1,13 PJ (Sattler et al 2008) und würde ohne Maßnahmen auf 2,3 PJ bis 2015 steigen. Auch wenn der Gesamtimpakt klein ist, gilt es hier durch Effizienzmaßnahmen den starken Wachstumstrend abzupuffern.

Energiewirtschaft

Auf die Rolle der Energiewirtschaft bei der Steuerung des energetischen Endverbrauches wurde bereits eingegangen. In der Verantwortung dieser Unternehmen liegt allerdings auch die Steigerung der Umwandlungseffzienz von Primärenergie zu Sekundärenergie, sprich die Verluste in den Kraftwerken. Eine Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades in thermischen Kraftwerken ist zu konstatieren, die Erhöhung des Gesamtnutzungsgrades des eingesetzten Brennstoffes durch Kraft-Wärme-Kopplung und Nutzung der Fernwärme ist das Gebot der Stunde. Um die Relationen im Auge zu behalten, sei darauf hingewiesen, dass die Verlustenergie bei der Umwandlung von Endenergie zu Nutzenergie bei den Endverbraucher_innen ca viermal so hoch ist wie die Verluste bei der Umwandlung von Primär- in Sekundärenergie. Auch wenn letzterer Prozess dadurch nicht prioritäres Handlungsfeld ist, sind Maßnahmen grundsätzlich auch hier sinnvoll

Energieeffizienzstudien

Potenzialstudien über Energiesparen und Effizienzsteigerung gab es über die Jahre viele. Hier werden exemplarisch zwei herausgegriffen und die vorgeschlagenen Maßnahmen kurz angeführt. Beiden gemeinsam ist der „Dauerbrenner thermische Sanierung“ an prominenter Stelle. Es zeigt sich auch die steigende Bedeutung, die dem Verkehr eingeräumt wird.

Sattler et. al. (2008):

Die Studienautor_innen schlagen folgende Maßnahmen vor:
thermische Sanierung
Wohnbauförderung gekoppelt an Passivstandard
Ein Energiemanagement
Bundesdienststellen und Bundescontracting 500
Altkesseltauschaktion bei Heizsystem (offengelassen wird dabei, wogegen getauscht werden soll, der Einbau neuer Ölkessel wird auch kritisiert)

Im wichtigen Verkehrsbereich umfassen die Maßnahmen:
Road Pricing
Möst (Mineralölsteuer)
Radverkehrsförderung (Infrastruktur, Bewusstseinsbildung)
Tempolimits

weiters :
Kombinierter Verkehr (Güterterminals)
Betriebliches Mobilitätsmanagement
LKW-Roadpricing sowie
Bahnausbau (Infrastruktur, Rollendes Material, Optimierter Taktfahrplan)

Weitere herausgestrichene Maßnahmen:
Industrielle KWK (Kraft-Wärme Kopplung)
Enegieeffiziente Weißware (wie erwähnt ohne Wäschetrockner)
Reduktion des Verbrauchs bei öffentlichen und privaten Dienstleistungen (maßnahmenmäßig nicht spezifiziert)
Energieeffiziente Servertechnologien

Die Studie ermittelt ein Gesamtpotenzial von 93,5 PJ (umgerechnet in Kilowattstunden entspricht das 25,9 Mrd KWh bzw. 25,9 TWh) bis zum Jahr 2020, das sich wie folgt aufteilt:
40,9 Maßnahmen im Bereich der Raumwärme,
40,5 Verkehr,
5,5 Industrielle KWK
und 6,65 bei ausgewählten Maßnahmen im Bereich der Elektrizität.

E-Control (2008):

Unterscheidet zwischen

  • national wenig beinflussbarem energetischem Endverbrauch (Güter/Luftverkehr+ Industrie+ Teile der KMU) und

  • national stark beeinflussbaren Bereichen (Haushalte, Dienstleistung, privater Verkehr, Landwirtschaft und andere Teile der KMU)

(Anm.: diese Unterscheidung hat bereits eine gewisse resignative Komponente, weil dadurch wichtige Handlungsfelder wegen auf EU-Ebene bestehender Durchsetzungshürden bereits ausgeklammert werden.)

Es wird unterschieden zwischen technischen Maßnahmen, Bereitstellung von Daten- und Informationsgrundlage zur Schaffung von Entscheidungsgrundlagen und ordnungspolitischer Maßnahmen.

Die Einsparvorschläge der E-Control:

Im Haushaltsbereich „Smart-Meter“ für Strom und Gas (Verbesserung des Mess-, Zähl- und Steuerwesens),

zu den Auswirkungen zählen Lastmanagement mit temporärer Wegschaltung bestimmter Verbraucher (Geräte) bei Lastspitzen (Anm.: trägt nicht nur zur Leistungsbegrenzung bei, sondern über die Betriebsoptimierung beim Kraftwerkspark auch zur Energieeinsparung. Es geht also sowohl um die Schaffung eines zusätzlichen Sensoriums und zusätzlicher Regelmöglichkeiten)

Dazu gehören auch bestimmte Kennziffern auf der Energierechnung,
auch auf Energieberatung wird hingewiesen.
Die Festlegung von Baustandards für Wohngebäude, und zwar nicht nur für den geförderten Teil des Neubaus, sondern für den gesamten Neubau!
Anreiz- und Sanktionsmechanismen,
Ziele für die Länder,
Einsparziele für die Wohnbaufördeung,
Klärung des Verhältnisses Investor_innen - Nutzer_innen (Mietrechtsgesetz, Wohnungseigentumsgesetz) auch als Voraussetzung für Einspar-Contracting (Anm.: die Investor_innen-Nutzer_innen-Problematik beschreibt die Diskrepanz zwischen dem Verfügungsberechtigten (z.B. Vermieter_innen) und der Person, die von einer niedrigen Energierechnung profitiert (z.B.) Mieter_in. Die Mieter_in benötigen zur Durchführung baulicher Veränderungen die Zustimmung der Vermieter_innen, die aber mangels unmittelbarem eigenem Nutzen daran u.U. kein Interesse hat).
Gebäudepass,
Erhöhung der Marktdurchdringung von hocheffizienten Geräten (Besteuerung ineffizienter Geräte, zusätzliche Ausweisung spezifischer Energiekosten, Gerätetauschprogramme, bei der Beleuchtung ein Energiesparlampenprogramm mit der Gratis-Verteilung von 1 Million Lampen). Der Verbrauch für Beleuchtung der Haushalte wird auf 1 bis 1,5 TWh geschätzt. Wegen der geringen Effizienz klassischer Beleuchtungskörper besteht ein hohes Effizienzsteigerungspotenzial, das aber hinsichtlich der mengenmäßigen Einsparung im Vergleich mit anderen Nutzenergiekategorien beschränkt ist.

Neben Haushaltsgeräten und Beleuchtung werden auch Warmwasserpumpen als zur energetischen Optimierung geeignet angeführt. Bei Ersteren werden auch einschneidendere Maßnahmen wie ein Verbot ineffizienter Haushaltsgeräte erwogen.

Bei KMU und privaten Dienstleistungen:
Hocheffizente Geräte und Motoren, Strenge Neubaustandards für Nicht-Wohngebäude (Problematik, dass der Gebäudebestand hier von den Typen her deutlich inhomogener ist)
Dieser Bereich wird als in vieler Hinsicht mit den Haushalten vergleichbar dargestellt, z.B. Waschmaschinen und Wäschetrockner in Großwäschereien, Unterhaltungselektronik in Hotels
Exemplarisch seien Wärmerückgewinnung und Beleuchtungssteuerung über Bewegungsmelder erwähnt.
Im öffentlichen Bereich: Ausschreibungen und Vergaben (Gebäude, Geräte, Fahrzeuge) mit energetischen Kriterien

Privater Verkehr:

Betriebsansiedlungen und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln, Belebung von Ortskernen und dichtere Siedlungsstrukturen (Anm.: Es besteht keine unmittelbare Planbarkeit. Betriebe lassen sich auch nicht auf Befehl ansiedeln. Im Rahmen von anderen Dynamo-Effekt-Sendungen wurde darauf hingewiesen, wovon abhängt, ob Raumordnung funktioniert).

Für das meiste Aufsehen sorgte 2008 auch die Forderung nach „Gratis-Öffis“ .

Energieunternehmen: Effizienzsteigerung beim, therm. Krafwerkspark, Kraft-Wärme Kopplung ( KWK)

Eine Übersicht über die Potenziale findet sich in der folgenden Tabelle:

Abgeschätzte Potenziale

PJ

TWh (Mrd. kWH)

Haushalte

41

11,4

KMU

56

15,5

Private Dienstleistung

50

13,9

Öffentliche Dienstleistung

16

4,4

Privater Verkehr

88

24,4

Energieunternehmen

31

8,6

Gesamt

282

78,1

Bemerkenswert klar wird in dieser Publikation auch die Forderung betont, weg von den üblichen Pilotprojekten (hier stagniert es seit Jahren) hin zu massentauglichen Konzepten und Lösungen zu kommen.

Energieeffizienzrichtlinie

Die Europäische Union hat sich als ein Teilziel der sogenannten 20-20-20-Ziele auch das Ziel gesetzt, bis 2020 20% mehr Energieeffizienz zu erreichen.

Bereits konkret in Richtlinienform gegossen ist die RL 2006/32/EG, die eine Energieffizienzsteigerung in Europa um 9 % bis zum Jahr 2016 zu beinhaltet.

Eine kritische Anmerkung dazu kommt von der E-Control (2008):

Dabei handelt es sich allerdings um kein absolutes Ziel, sondern um eine indikative Vorgabe gegenüber einen zu berechnenden Ausgangswert“ (S.97)

und weiter:

Die Zielsetzung und die Abwicklung der RL 2006/32/EG bringen es mit sich, dass die Implementierung von Energieeffizienzmaßnahmen und der zu erreichende Zielwert unabhängig von der realen Energieverbrauchsentwicklung zu sehen sind. Entsprechend der RL 2006/32/EG wurde für Österreich ein Basiswert für den Zeitpunkt der Umsetzung berechnet. Davon ausgehend wurde für das Jahr 2010 ein Zwischenziel von 17.900 TJ und für das Jahr 2016 ein Endziel von 80.400 TJ abgeleitet. Diese Mengen entsprechen jedoch keiner realen Verringerung des Energieverbrauchs, sondern müssen unabhängig vom tatsächlichen Energieverbrauch mittels der bereits oben erwähnten Evaluierungssystematik quantifiziert werden. Das Ziel gilt somit erreicht, wenn ausreichend Energieeffizienzmaßnahmen implementiert wurden, deren (theoretische) Wirkung sich anhand des Evaluierungsmechanismus auf 80.400 TJ addieren. Die Entwicklung des tatsächlichen Energieverbrauchs spielt somit keine Rolle“. (ebd.)

Nur die tatsächliche, nachweisbare Energieverbrauchsreduktionen zählt: die Energiepolitik muss sich als Ziel setzen, echte Energieverbrauchsreduktionen zu generieren und diese auch nachzuweisen. Ohne einen solchen Nachweis, sollte es keine Förderungen geben. Das bisher vielfach übliche Aufzählen von Maßnahmen und die Addition deren theoretischen Beitrages zum Energiesparen führen zu Fehleinschätzungen und in die Sackgasse der Selbsttäuschung“. (ebd., S.105)

Derart deutliche Ausführungen sind in Publikationen öffentlicher Institutionen eher selten, deshalb werden sie auch ausführlicher wiedergeben. An dieser Stelle zeigt sich wieder die oben erwähnte „Energieeffizienzfalle“ auch am speziellen Fall des Auseinanderklaffens von theoretisch-hypothetischen Einsparungen und der realen Entwicklung, die bereits anhand anderer Beispiele (Treibhausgasemissionen, Wasserkraft und Anteil erneuerbarer Energie) in „Dynamo-Effekt“ thematisiert wurde.

Contracting:

„Contracting“ heißt nichts anderes als „Vertrag abschließen“, und kam aus den USA nach Europa (z.B. die Maßnahmen der „Tennesee Valley Authority“ unter der Präsidentschaft Carter die in den späten 1980er-Jahren Bestandteil der Diskussion in Österreich waren), und ist eines der bedeutendsten Instrumente des Demand-Side-Managements (DSM), das auf der Nachfrageseite ansetzt. Es ist ein Finanzierungsinstrument, das sowohl für Anlagen („Anlagencontracting“) als auch zur Finanzierung von Verbrauchsreduktionsmaßnahmen („Einsparcontracting“) dienen kann, von dem hier ausschließlich die Rede sein soll. Das Prinzip des verbrauchsseitigen Einsatzes von „Contracting“ ist einfach: Ein Energieunternehmen finanziert (auch anstelle des Ausbaus von Erzeugungskapazitäten) eine Energiesparinvestition vor. Anstatt nun den Bonus der reduzierten Energierechnung an die Kund_innen weiterzugeben, ist dies vorerst nicht oder nur teilweise der Fall. Mit der trotz reduzierten Verbrauchs für einen gewissen Zeitraum noch unverändert hohen Energierechung wird die Investition zurückbezahlt.

Vorteil: Kund_innen brauchen keinen Kredit aufnehmen, und erhalten auch organisatorische Unterstützung, weil sie sich um die Abwicklung nicht kümmern müssen, weil die im Allgemeinen professionell betreut wird, und so neben der Finanzierung auch die Hemmschwelle des Umsetzungsaufwandes teilweise abgebaut werden kann.

Statt des Energieunternehmens kann auch ein dritter Partner als Contracter auftreten, der mit Energielieferungen nichts zu tun hat, sondern als ausschließlichen Geschäftszweck Contracting-Maßnahmen finanziert (deshalb heißt das manchmal auch Drittfinanzierung). Vorteil: die Abwicklung erfolgt unter Umständen professioneller, weil die den Job „besser verstehen“ als traditionelle Energieversorger, für die dies Neuland ist. Nachteil der Drittfinanzierung: der Anreiz beim Energieversorger fällt weg, was den Effekt konterkarieren kann. Wenn der Energieversorger selbst „Contracting“ anbietet (anbieten muss – z.B. er im öffentlichen Eigentum steht und entsprechende Vorgaben vom Mehrheitseigentümer erhalten hat), dann erfolgt dadurch auch automatische eine (förderliche) Verschiebung der Geschäftsbasis des Unternehmens.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Einsparcontracting:

  • Wirtschaftlichkeit der Einsparinvestition bei überschaubaren Amortisationszeiten („Daumenwert“: max. 7-10 Jahre)

  • Konstante oder steigende Preisentwicklung, weil ansonsten die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist. Insofern wirkten sich die spontanen und teilweise politisch motivierten Preissenkungen bei den Landeselektrizitätversorgern nach der EU-weiten Liberalisierung des Elektrizitätsbinnenmarktes rund um den Jahrtausendwechsel äußerst negativ auf die damals gerade startenden Contracting-Unternehmen aus.

  • (vertraglich vereinbarte) Konstanz im Nutzer_innenverhalten (wenn die Nachfrage nach Energiedienstleistungen steigt, dann gibt es keine Einsparung, und die Investition ist nicht mehr refinanzierbar)

Rebound-Effekt“

Der „Rebound-Effekt“ (von engl. rebound=abprallen) beschreibt ein Phänomen, das dazu führt, dass geplante bzw. berechnete Energieeinsparungen nicht oder nicht zur Gänze eintreten, die Maßnahmen nicht so wirksam sind wie erwartet (die Bemühungen also eine Rückschlag erleiden). Dies hat zwei Ursachen, die als direkter und indirekter Rebound-Effekt bezeichnet werden. In einem Beispiel wird im Zuge eines Wohnhausumbaus eine veraltete Heizanlage durch eine modernere energieeffizientere ersetzt. Die neue Anlage wird aber auf eine höhere Heizleistung ausgelegt, bzw. werden mehr Räume beheizbar gemacht. Die durch die gesteigerte Energieeffizenz reduzierten Heizkosten führen zu einer Veränderung des Verbrauchsverhaltens, indem gegenüber dem Ausgangszustand eine höhere Raumtemperatur eingestellt wird.

Alle diese Nebeneffekte führen zur Kompensation eines Teil des Effizienzgewinns durch zusätzliche Energiedienstleistungsnachfrage.

Im Falle des indirekten Rebound-Effekts wird das Geld aus den gesparten Energiekosten für andere Zwecke verwendet (etwa eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug). Dies muss nicht, wird aber in den meisten Fälle wieder mit zusätzlichem Energieeinsatz einhergehen. Je nach Energieintensität der zusätzlich konsumierten Energiedienstleistung fällt der Rebound Effekt unterschiedlich hoch aus.

Ist Strom die Energie zum Energiesparen?

Energieverbrauchsreduktion kann mit gesteigertem Elektrizitätsverbrauch verbunden sein (Wird etwa eine neue effiziente Heizung mit elektronischer Regelung installiert, so muss dafür zusätzlich Elektrizität eingesetzt werden. Anderes Beispiel: Wärmepumpe, die für den Kompressor Strom braucht, auch wenn sie das Drei- bis Vierfache an Umgebungswärme nutzbar macht.)

Auf die Problematik, dass Heizsysteme, auch wenn sie auf andere Energieträger setzen, von Elektrizität abhängig sind (falls keine Redundanzsysteme eingeplant werden, was derzeit nur in Ausnahmefällen der Fall), sei hier hingewiesen. Daraus ergibt sich eine hohe Verwundbarkeit des Systems. Heizsysteme können so ausfallen, auch wenn Brennstoff verfügbar ist (Annahme: Anhaltende Gaskrise führt zu Stromnetzzusammenbrüchen, dann funktionieren z.B. moderne Biomasseheizungen ebenfalls nicht).

Auch wenn im Einzelfall der Stromverbrauch steigt und die Maßnahme trotzdem aufgrund der Gesamtbilanz sinnvoll ist, ist der Schluss keinesfalls zulässig, dass man nur Strom einzusetzen brauche um unabhängig von den sonstigen Rahmenbedingungen den Energieverbrauch automatisch zu senken (Das suggeriert gern die E-Wirtschaft in ihren Werbebotschaften. Für die E-Wirtschaft ist Stromeinsatz zur Senkung des Energieverbrauchs eine Form der Absatzförderung und kommt ihr im Bestreben nach höheren Marktanteilen entgegen).

Gerade wegen der besonderen Problematik bei der Elektrizitätsversorgung (Strom als solcher ist nicht speicherbar, Exergieproblematik) sollte mit Vorsicht vorgegangen werden. Auf diesem Wege generierte Stromverbrauchszuwächse sollten unbedingt durch anderweitige Stromverbrauchsreduktionen kompensiert werden.

Literatur

BMWA 2007, „1. Energieffizienzaktionsplan der Republik Österreich gemäß EU-Richtlinie 2006/32/EG“, Wien, Juni 2007

E–Control, 2008 „Grünbuch Energieeffizienz – Maßnahmenvorschläge zur Steigerung der Energieffizienz“, Wien, Oktober 2008

Sattler et al. 2008 „EE-Pot-Abschätzung der Energieeffizienz-Potenziale in Österreich bis zum Jahr 2020“ Austrian Energy Agency im Auftrag des BMWA

Schriefl E.2008 „Steigender Energieverbrauch trotz verbesserter Energieeffizienz? Der „Rebound-Effekt“ und andere verbrauchstreibende Faktoren“ in „Energiezukunft Forum Wissenschaft & Umwelt (Hrsg.) 11/2008 Wien

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http://dynamo.o94.at/?feed=rss2&p=1330
30 Energieeffizienzfalle http://dynamo.o94.at/?p=1351 http://dynamo.o94.at/?p=1351#comments Sat, 28 Aug 2010 16:01:44 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1351 Technische Innovationen ermöglichen heute eine effizientere Nutzung vorhandener Energie. Aber wird damit auch Energie gespart, oder lediglich größerer Output bei gleichem Energie-Input ermöglicht? Tappen wir in eine Energieeffizienzfalle? Darum und um Energiesparpotenziale geht es in der heutigen Ausgabe von Dynamo-Effekt.

Die Radiosendung

Eine Sendung von Gerhard Kettler, Jutta Matysek und Ines Strasser.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74588

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Energiesparpotenzialen und Energieeffizienzfalle

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Kurzbeschreibung

Seit Ereignisse wie die Ölkrise im Jahr 1973 und Publikationen wie „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis Meadows die Endlichkeit unserer Welt und ihrer Ressourcen aufgezeigt haben, gewinnt die Beschäftigung mit Energie von der Verbrauchsseite her und die Steuerung mittels „Demand-Side-Management“, also Management der Energienachfrage, steigende Bedeutung. Energiesparen ist ein Begriff geworden. Weil Sparen mitunter einen negativen Beigeschmack haben kann und offensichtlich eine Scheu besteht, Dinge zu thematisieren, die irgendwie nach Einschränkung klingen, hat sich das „wording“ verändert. Stattdessen wurde im energiepolitischen Diskurs (der 1980er-Jahre) auf Steigerung der Effizienz (also weniger Input für denselben Output) als „Königsweg“ gesetzt, um den Verbrauch zu senken (diese Einstellung hat sich im Laufe der Folgejahre zu einer Tabuisierung verfestigt). Bei aller Wichtigkeit, die technische Effizienzsteigerung auch heute hat und in der Zukunft behalten wird: Angesichts der Entwicklung immer effizienterer Geräte und Anlagen bei gleichzeitig trotzdem steigendem Verbrauch kann der Ansatz, allein auf Effizienzsteigerungen zu setzen, nicht mehr aufrechterhalten werden.

Wer trotz dieser Evidenz nach wie vor wie das Kaninchen auf die Schlange starrt, landet unweigerlich in der „Energieeffizienzfalle“ (ein von der Umweltorganisation VIRUS erstmals für dieses Phänomen geprägter Begriff).

Verbrauchsreduktion und Energieeffizienz müssen getrennt betrachtet werden (und nicht als Synonyme – wo Energieeffizienz gesagt wird und Verbrauchsreduktion irgendwie mitgemeint ist, so aber gar nicht mehr auffällt, dass gar keine Reduktion passiert).

Im Sinne der Erreichung energiepolitischer Ziele ist Verbrauchsreduktion ein Primärziel – Energieeffizienzsteigerung kann ein wichtiges Mittel zum Zweck sein, ist aber kein Ziel per se (besser geringer Verbrauch bei niederer Effizienz). Genauso wie die Steigerung von Energieeffizienz als (offensichtlich nicht einziges) Mittel zur Verbrauchsreduktion eingesetzt werden kann, ist sie auch als Bestandteil einer Wachstumsstrategie denkbar. Hier mit dem Ansatz „Rebound-Effekte“ zumindest insgeheim als erwünscht anzusehen – gut für das Geschäft von Energieunternehmen, oder das erwünschte Verbrauchswachstum (Stagnation beim Verbrauch gilt nach wie vor als Gefährdung für das Wachstum der Maßzahl Bruttoinlandsprodukt – gemeinhin als „Wirtschaftswachstum“ sinnentleert verwendet).

Der Grund, warum die „Effizienzfalle“ zuschnappen kann, ist die Vernachlässigung gegenläufiger Trends, die die Wirkung der Effizienzsteigerung überkompensieren. Wenn etwa die Zahl der Menschen steigt, steigt auch die Zahl der Energieverbraucher (Haushaltsgeräte, Maschinen, Fahrzeuge, …). Der Trend zu Single-Haushalten erhöht deren Zahl, und damit die Energienachfrage, weil im allgemeinen jede davon eine Grundausstattung an „energieverbrauchenden“ Geräten und Anlagen aufweist (1 Herd, 1 Kühlschrank, 1 Waschmaschine, … pro Person und nicht pro Familie, Wohn- oder Hausgemeinschaft). Lebensstiltrends führen zu einer Steigerung der Nachfrage nach Energiedienstleistungen. (elektrische Wäschetrockner statt Wäscheleine, EDV, Mobiltelefonie, durchgängig beschneite Pisten …).

Der Rebound-Effekt ist ein Phänomen, das dazu führt, dass durch Verbrauchsreduktionen „freiwerdende“ Kapazitäten wieder neuen Verbrauch generieren (s.u.) .

Das Bewusstmachen dieser Gefahren der Nichterreichung von Zielen ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. Ist dies einmal realisiert, dann spricht selbstverständlich nichts dagegen, sich des Hilfsmittels großer Effizienssteigerungspotenziale zu bedienen, wenn es darum geht, Verbrauchsreduktionspotenziale aller Art zu erschließen und die konkreten individuellen Handlungsoptionen abzuwägen. Modelle wie das sogenannte „Contracting“ (s.u.) können Einsparinvestitionen deutlich erleichtern.

Ausführlichere Beschreibungen und Erläuterungen

Verbrauchsreduktionspotenziale:

Möglichkeiten, Energie zu sparen bzw. den Verbrauch zu reduzieren, gibt es viele. Bei ihrer Erschließung kann nach verschiedenen Kriterien vorgegangen werden. Vor allem scheinen zunächst die folgenden drei Gründe sinnvoll zu sein:

  1. Weil die Potenziale besonders groß sind (Beispiel Wärmedämmung zur Reduktion von Heizenergieverlusten).

  2. Weil sie besonders wirtschaftlich sind

  3. Weil sie unnötigen Verbrauch beseitigen – auch dann, wenn insgesamt nicht soviel dabei herausschaut (klassisches Beispiel Standby–Verbrauch, wo unnötig und ohne Nutzen Energie „verbraten“ wird

Bei den Handlungsoptionen sind alle Verbrauchssektoren (also Industrie, Verkehr, Haushalte, Landwirtschaft etc.) zu berücksichtigen, jeder sollte seinen Beitrag leisten. Um insgesamt ein positives Ergebnis herauszubekommen, ist es allerdings auch erforderlich, die Größenordnungen zu beachten. So kann etwa nicht der Haushaltssektor allein (der meistens allen voran bemüht wird) ausgleichen, was in der Industrie oder beim Verkehr nicht passiert.

Wie in der Sendung „dynamische Systeme“ näher behandelt wird, ist auch zu beachten, dass die Verbrauchsentwicklung auch eine Zeitkomponente hat, und sich unterschiedliche Sektoren auch unterschiedlich entwickeln.

Wegen der hohen Bedeutung der Industrie für den Energieverbrauch (v.a Stromverbrauchszuwächse sind besonders in industrieaffinen Nutzenergiekategorien vorzufinden), wurde den Potenzialen in der Industrie eine eigene Sendung im Rahmen von „Dynamo-Effekt“ gewidmet, ebenso wie Einsparungsmöglichkeiten im Haushalt (bei Raumwärme, Beleuchtung) bereits angesprochen wurden. Auch dem Verkehr wird in mehreren Sendungen breiter Raum gegeben. Hier soll daher nochmals Platz für eine überblickshafte Gesamtschau und andernorts nicht erwähnte Themenfelder und Maßnahmen gewidmet werden:

Um von vornherein dem Eindruck entegenzuwirken, dass diese „großen Brocken“ nicht beeinflussbar wären, kann nicht oft genug betont werden, dass es grundsätzlich sehr wohl auch einen zumindest indirekten Einfluss des Verbraucher_innenverhaltens auf Energieverbrauch in Industrie und Verkehr gibt.

Einsparpotenziale im Haushalt

Weißware Dazu zählen u.a. Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Letztere sollten auch einen günstigen Wasserverbrauch aufweisen. Im Gegensatz zur Unterhaltungselektronik gibt es ein aussagekräftiges Energieeffizienzklassensystem von G bis A (sehr energieeffizient). A-Geräte sind bereits energieeffizient, um den dennoch noch erzielten technischen Fortschritt widerzuspiegeln, wurden bei Kühl- und Gefriergeräten die zusätzlichen Kategorien A+ und A++ eingeführt, die besonders effizient sind. Eine Potenzialstudie im Auftrag des BMWA (Sattler et. al., 2008) listet erwartungsgemäß auch diese „Dauerbrenner“ auf. Die Autor_innen betonen explizit den exemplarischen Charakter ihrer Zusammenstellung. Dennoch erscheint es interessant und irgendwie symptomatisch, dass die ebenfalls zur Weißware zu zählenden elektrischen Wäschetrockner fehlen. Hier ist eine neue Nachfrage nach Energiedienstleistungen entstanden, die für Verbrauchszuwächse sorgt und die – auch wenn Effizienzsteigerungspotenziale bestehen (Die E-Control gibt 2008 hier 300kWh/a bei einem A-Gerät im Vergleich zu einem C-Gerät an), nicht einzig durch Effizenzsteigerungen wieder ausgeglichen werden kann.

Hier ist neben der Konstruktion effizienteren elektrischen Wäschetrocknern die Frage zu stellen, ob nicht doch Lufttrocknen verstärkt propagiert werden soll. Dies schließt die Bereitstellung von Trockenräumen im Wohnbau ein und inkludiert ein gesellschaftliches Klima, das Wäschetrocknen am Balkon als ortsüblich akzeptiert. (Der klassische energiesparende Zugang zum Wäschetrocknen wird mehr und mehr zurückgedrängt und von Vermieter_innen mitunter nicht gern gesehen, weil er in den Geruch von wenig vorteilhaft bis rufschädigend gekommen ist.)

Gerätetauschaktionen bei Weißware sind nur dann sinnvoll, wenn gewährleistet ist, dass die ausgetauschten Geräte „aus dem Verkehr gezogen“ und nicht mehr weiterbenutzt werden. Wird das verabsäumt, verbleibt bei unveränderten Kosten ein marginaler Einspareffekt und es entstehen „astronomische“ Kosten pro eingesparter Kilowattstunde.

An dieser Stelle ist der Hinweis unabdingbar, dass auch die sogenannte „Graue Energie“ zu berücksichtigen ist, die in einem Gerät durch den Produktionsaufwand steckt und nicht nur die zum Betrieb benötigte Energie. Dementsprechend sind allzu kurze Austauschintervalle nicht sinnvoll. Es ist auch energetisch kontraproduktiv, durchaus noch neue Geräte wegzuwerfen, um ein im Betrieb etwas effizienteres aufzustellen. Durch die technische Entwicklung gibt es schon durch „natürlichen“ Gerätetausch einen automatischen Trend zu mehr Energieeffizienz. Durch den Kauf des jeweils marktbesten Geräts bei Ersatzinvestitionen kann dieser Trend verstärkt werden. Inwieweit die Vorverlegung des Austausches sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen werden, hier sollte der Bogen jedenfalls nicht überspannt werden. Erschwerend wirkt, dass sich die Gerätehersteller an die neuen Trends angepasst haben. Mittlerweile ist eine höhere Energieeffizienz ein Verkaufsargument, und ein Kriterium für die Preisgestaltung. In den späten 1980er-Jahren waren andere Kriterien für den Preis ausschlaggebend und ein energieeffizienteres und sehr billiges Gerät leichter zu finden.

Mit zunehmender Ausstattung tritt eine Sättigung ein, die dämpfend auf die Energienachfrage wirkt

Für den Ausstattungsgrad bei Weißware gibt die E-Control (2008) bei Waschmaschinen eine Steigerung seit 1990 von 83% auf 98% , und bei Geschirrspülern von 28 auf 64% an.

Unterhaltungselektronik

Auch hier ist einerseits ausstattungsmäßig ein gewisser Sättigungseffekt (Drittfernseher, Videorecorder) erreicht, die Orientierung ist schwieriger, da es hier nicht die Kennzeichnung in Energieeffizienzklassen wie bei der Weißware gibt. Dies darf dennoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch in diesem Bereich Effizienzsteigerungspotenziale zu heben sind. Die E-Control (2008) gibt hier eine Abschätzung über eine Einsparung von 200 kWh/a bei modernen TV-Geräten im Vergleich zu einem Altgerät gleicher Größe an.

Gerade bei Bildschirmen (Fernseher, Computer) ist ein Technologiewechsel (von Röhrenmonitoren auf Flachbildschirme) zu beobachten, der sich effizienzsteigernd auswirkt (gilt allerdings nur bei TFT-Technologie, nicht bei Plasmabildschirmen). Beispiel für einen Rebound-Effekt, ist hier allerdings wieder der Trend zur Anschaffung von Monitoren mit größerer Bildschirmdiagonale.

Der Boom bei Satellitenempfängern und Decodern in den letzten Jahrzehnten sowie die kürzliche Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf digitale Technik sind Beispiele für neue Entwicklungen, die die Energienachfrage und den Standby-Verbrauch erhöhen.

Smart-Home

Das „Smart-Home“, in dem alle Haushaltsgeräte miteinander vernetzt sind und kommunizieren (der vielzitierte Kühlschrank, der automatisch Milch nachbestellt), existiert derzeit in der Wohnvisionen für die Zukunft. Eine solche Entwicklung hat das Potenzial, mit zusätzlicher Intelligenz, Energieverbrauch der Zukunft zu reduzieren, aber auch neue Nachfrage (v.a. Standby) zu schaffen. Die gesellschaftliche Diskussion, ob dies erwünscht ist, und die Planung der Firmen, die unabhängig davon bereits an der Realisierung arbeiten, sich damit den Markt der Zukunft zu erschließen, bedarf dringend einer Einbeziehung energetischer Kriterien. Dies erscheint derzeit nicht gegeben.

Standmotoren

In dieser Nutzenergiekategorie ist vor allem die Industrie dominierend. Im Haushaltsbereich betrifft dies Weißware, zum andern aber auch Features wie elektrisch betriebene automatische Garagentore. Die Frage hier: muss diese Form von Bequemlichkeit wirklich sein. Im Falle des Ziels der Barrierefreiheit und eines behindertengerechten Alltags ist dies in manchen Fällen sicher gerechtfertigt, aber angesichts hoher Gesundheitskosten, die durch Bewegungsarmut mitverursacht werden, ist eine manuelle Betätigung in den meisten Fällen im Privatbereich angeratener.

Individualverkehr

Sektorale Abgrenzungen sind immer in gewisser Weise willkürlich. Würde der private motorisierte Verkehr zu den Haushalten zählen, wäre dessen Anteil am gesamten Endenergieverbrauch wesentlich höher (38% statt 25% lt. E-Control 2008) In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass bei der Entwicklung der Kraftfahrzeuge erzielte Fortschritte etwa bei der Effizienz der Motorentechnologie überkompensiert werden. So ist in den letzten Jahrzehnten ein Trend zur stärkeren Motorisierung von Fahrzeugen zu konstatieren.

Landwirtschaft

Der Agrarsektor wird als einziger Sektor angegeben, wo es (vor der Wirtschaftskrise) zu einem Rückgang des Verbrauchs gekommen ist. Mit einem Anteil von 2,2% am Endenergieverbrauch kommt ihm kein prioritärer Stellenwert zu. Wegen zu geringer Bedeutung werden in den untersuchten Quellen auch keine spezifischen Effizienzsteigerungspotenziale angegeben. Aus der zeitlichen Entwicklung ergibt sich ein aufklärungsbedürftiger Einbruch des Verbrauchs etwa um 1988. Die Entwicklungen, die schlüssige Erklärungen dafür liefern könnten: Flächenstilllegungsverpflichtungen (geringerer energetischer Bewirtschaftungsaufwand) bzw. der Strukturwandel mit Betriebsschließungen und dem dadurch ausgelösten Konzentrationsprozess begannen erst nach dem EU-Beitritt 1995 wirksam zu werden.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Dienstleistungen

Wie weiter unten ausgeführt verlaufen die Einsparprofile hier vielfach analog zu den Haushalten. Ein Potenzial, den Energieverbrauch im Verkehrsbereich zu senken liegt im Bereich des (auch teilzeitmäßigen) Teleworkings und im Einsatz von Videokonferenzsystemen zur Vermeidung von Dienstfahrten.

Neben allgemeiner energetischer Kriterien bei Anschaffung von Desktop-Computern gibt es bei allen Betrieben, die Server einsetzen (inkludiert auch Industriebetriebe), die meistens rund um die Uhr laufen, effizientere Servertechnologie. Dabei geht es um bessere Ausnützung vorhandener Kapazitäten durch Virtualisierung, sprich eine sogenannte Virtuelle Maschine stellt in Software eine Hardware-Umgebung bereit, auf der dann die Server laufen. Vorhandene Kapazität kann so bedarfsgesteuert und effizient auf die einzelnen Services aufgeteilt werden. Hinzu kommt noch eine entsprechende Auswahl der Hardware-Komponenten, und die Implementierung von Power-Management (für CPU- und Festplattenbetrieb). Der Energiebedarf für Serverbetrieb beträgt 1,13 PJ (Sattler et al 2008) und würde ohne Maßnahmen auf 2,3 PJ bis 2015 steigen. Auch wenn der Gesamtimpakt klein ist, gilt es hier durch Effizienzmaßnahmen den starken Wachstumstrend abzupuffern.

Energiewirtschaft

Auf die Rolle der Energiewirtschaft bei der Steuerung des energetischen Endverbrauches wurde bereits eingegangen. In der Verantwortung dieser Unternehmen liegt allerdings auch die Steigerung der Umwandlungseffzienz von Primärenergie zu Sekundärenergie, sprich die Verluste in den Kraftwerken. Eine Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades in thermischen Kraftwerken ist zu konstatieren, die Erhöhung des Gesamtnutzungsgrades des eingesetzten Brennstoffes durch Kraft-Wärme-Kopplung und Nutzung der Fernwärme ist das Gebot der Stunde. Um die Relationen im Auge zu behalten, sei darauf hingewiesen, dass die Verlustenergie bei der Umwandlung von Endenergie zu Nutzenergie bei den Endverbraucher_innen ca viermal so hoch ist wie die Verluste bei der Umwandlung von Primär- in Sekundärenergie. Auch wenn letzterer Prozess dadurch nicht prioritäres Handlungsfeld ist, sind Maßnahmen grundsätzlich auch hier sinnvoll

Energieeffizienzstudien

Potenzialstudien über Energiesparen und Effizienzsteigerung gab es über die Jahre viele. Hier werden exemplarisch zwei herausgegriffen und die vorgeschlagenen Maßnahmen kurz angeführt. Beiden gemeinsam ist der „Dauerbrenner thermische Sanierung“ an prominenter Stelle. Es zeigt sich auch die steigende Bedeutung, die dem Verkehr eingeräumt wird.

Sattler et. al. (2008):

Die Studienautor_innen schlagen folgende Maßnahmen vor:
thermische Sanierung
Wohnbauförderung gekoppelt an Passivstandard
Ein Energiemanagement
Bundesdienststellen und Bundescontracting 500
Altkesseltauschaktion bei Heizsystem (offengelassen wird dabei, wogegen getauscht werden soll, der Einbau neuer Ölkessel wird auch kritisiert)

Im wichtigen Verkehrsbereich umfassen die Maßnahmen:
Road Pricing
Möst (Mineralölsteuer)
Radverkehrsförderung (Infrastruktur, Bewusstseinsbildung)
Tempolimits

weiters :
Kombinierter Verkehr (Güterterminals)
Betriebliches Mobilitätsmanagement
LKW-Roadpricing sowie
Bahnausbau (Infrastruktur, Rollendes Material, Optimierter Taktfahrplan)

Weitere herausgestrichene Maßnahmen:
Industrielle KWK (Kraft-Wärme Kopplung)
Enegieeffiziente Weißware (wie erwähnt ohne Wäschetrockner)
Reduktion des Verbrauchs bei öffentlichen und privaten Dienstleistungen (maßnahmenmäßig nicht spezifiziert)
Energieeffiziente Servertechnologien

Die Studie ermittelt ein Gesamtpotenzial von 93,5 PJ (umgerechnet in Kilowattstunden entspricht das 25,9 Mrd KWh bzw. 25,9 TWh) bis zum Jahr 2020, das sich wie folgt aufteilt:
40,9 Maßnahmen im Bereich der Raumwärme,
40,5 Verkehr,
5,5 Industrielle KWK
und 6,65 bei ausgewählten Maßnahmen im Bereich der Elektrizität.

E-Control (2008):

Unterscheidet zwischen

  • national wenig beinflussbarem energetischem Endverbrauch (Güter/Luftverkehr+ Industrie+ Teile der KMU) und

  • national stark beeinflussbaren Bereichen (Haushalte, Dienstleistung, privater Verkehr, Landwirtschaft und andere Teile der KMU)

(Anm.: diese Unterscheidung hat bereits eine gewisse resignative Komponente, weil dadurch wichtige Handlungsfelder wegen auf EU-Ebene bestehender Durchsetzungshürden bereits ausgeklammert werden.)

Es wird unterschieden zwischen technischen Maßnahmen, Bereitstellung von Daten- und Informationsgrundlage zur Schaffung von Entscheidungsgrundlagen und ordnungspolitischer Maßnahmen.

Die Einsparvorschläge der E-Control:

Im Haushaltsbereich „Smart-Meter“ für Strom und Gas (Verbesserung des Mess-, Zähl- und Steuerwesens),

zu den Auswirkungen zählen Lastmanagement mit temporärer Wegschaltung bestimmter Verbraucher (Geräte) bei Lastspitzen (Anm.: trägt nicht nur zur Leistungsbegrenzung bei, sondern über die Betriebsoptimierung beim Kraftwerkspark auch zur Energieeinsparung. Es geht also sowohl um die Schaffung eines zusätzlichen Sensoriums und zusätzlicher Regelmöglichkeiten)

Dazu gehören auch bestimmte Kennziffern auf der Energierechnung,
auch auf Energieberatung wird hingewiesen.
Die Festlegung von Baustandards für Wohngebäude, und zwar nicht nur für den geförderten Teil des Neubaus, sondern für den gesamten Neubau!
Anreiz- und Sanktionsmechanismen,
Ziele für die Länder,
Einsparziele für die Wohnbaufördeung,
Klärung des Verhältnisses Investor_innen - Nutzer_innen (Mietrechtsgesetz, Wohnungseigentumsgesetz) auch als Voraussetzung für Einspar-Contracting (Anm.: die Investor_innen-Nutzer_innen-Problematik beschreibt die Diskrepanz zwischen dem Verfügungsberechtigten (z.B. Vermieter_innen) und der Person, die von einer niedrigen Energierechnung profitiert (z.B.) Mieter_in. Die Mieter_in benötigen zur Durchführung baulicher Veränderungen die Zustimmung der Vermieter_innen, die aber mangels unmittelbarem eigenem Nutzen daran u.U. kein Interesse hat).
Gebäudepass,
Erhöhung der Marktdurchdringung von hocheffizienten Geräten (Besteuerung ineffizienter Geräte, zusätzliche Ausweisung spezifischer Energiekosten, Gerätetauschprogramme, bei der Beleuchtung ein Energiesparlampenprogramm mit der Gratis-Verteilung von 1 Million Lampen). Der Verbrauch für Beleuchtung der Haushalte wird auf 1 bis 1,5 TWh geschätzt. Wegen der geringen Effizienz klassischer Beleuchtungskörper besteht ein hohes Effizienzsteigerungspotenzial, das aber hinsichtlich der mengenmäßigen Einsparung im Vergleich mit anderen Nutzenergiekategorien beschränkt ist.

Neben Haushaltsgeräten und Beleuchtung werden auch Warmwasserpumpen als zur energetischen Optimierung geeignet angeführt. Bei Ersteren werden auch einschneidendere Maßnahmen wie ein Verbot ineffizienter Haushaltsgeräte erwogen.

Bei KMU und privaten Dienstleistungen:
Hocheffizente Geräte und Motoren, Strenge Neubaustandards für Nicht-Wohngebäude (Problematik, dass der Gebäudebestand hier von den Typen her deutlich inhomogener ist)
Dieser Bereich wird als in vieler Hinsicht mit den Haushalten vergleichbar dargestellt, z.B. Waschmaschinen und Wäschetrockner in Großwäschereien, Unterhaltungselektronik in Hotels
Exemplarisch seien Wärmerückgewinnung und Beleuchtungssteuerung über Bewegungsmelder erwähnt.
Im öffentlichen Bereich: Ausschreibungen und Vergaben (Gebäude, Geräte, Fahrzeuge) mit energetischen Kriterien

Privater Verkehr:

Betriebsansiedlungen und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln, Belebung von Ortskernen und dichtere Siedlungsstrukturen (Anm.: Es besteht keine unmittelbare Planbarkeit. Betriebe lassen sich auch nicht auf Befehl ansiedeln. Im Rahmen von anderen Dynamo-Effekt-Sendungen wurde darauf hingewiesen, wovon abhängt, ob Raumordnung funktioniert).

Für das meiste Aufsehen sorgte 2008 auch die Forderung nach „Gratis-Öffis“ .

Energieunternehmen: Effizienzsteigerung beim, therm. Krafwerkspark, Kraft-Wärme Kopplung ( KWK)

Eine Übersicht über die Potenziale findet sich in der folgenden Tabelle:

Abgeschätzte Potenziale

PJ

TWh (Mrd. kWH)

Haushalte

41

11,4

KMU

56

15,5

Private Dienstleistung

50

13,9

Öffentliche Dienstleistung

16

4,4

Privater Verkehr

88

24,4

Energieunternehmen

31

8,6

Gesamt

282

78,1

Bemerkenswert klar wird in dieser Publikation auch die Forderung betont, weg von den üblichen Pilotprojekten (hier stagniert es seit Jahren) hin zu massentauglichen Konzepten und Lösungen zu kommen.

Energieeffizienzrichtlinie

Die Europäische Union hat sich als ein Teilziel der sogenannten 20-20-20-Ziele auch das Ziel gesetzt, bis 2020 20% mehr Energieeffizienz zu erreichen.

Bereits konkret in Richtlinienform gegossen ist die RL 2006/32/EG, die eine Energieffizienzsteigerung in Europa um 9 % bis zum Jahr 2016 zu beinhaltet.

Eine kritische Anmerkung dazu kommt von der E-Control (2008):

Dabei handelt es sich allerdings um kein absolutes Ziel, sondern um eine indikative Vorgabe gegenüber einen zu berechnenden Ausgangswert“ (S.97)

und weiter:

Die Zielsetzung und die Abwicklung der RL 2006/32/EG bringen es mit sich, dass die Implementierung von Energieeffizienzmaßnahmen und der zu erreichende Zielwert unabhängig von der realen Energieverbrauchsentwicklung zu sehen sind. Entsprechend der RL 2006/32/EG wurde für Österreich ein Basiswert für den Zeitpunkt der Umsetzung berechnet. Davon ausgehend wurde für das Jahr 2010 ein Zwischenziel von 17.900 TJ und für das Jahr 2016 ein Endziel von 80.400 TJ abgeleitet. Diese Mengen entsprechen jedoch keiner realen Verringerung des Energieverbrauchs, sondern müssen unabhängig vom tatsächlichen Energieverbrauch mittels der bereits oben erwähnten Evaluierungssystematik quantifiziert werden. Das Ziel gilt somit erreicht, wenn ausreichend Energieeffizienzmaßnahmen implementiert wurden, deren (theoretische) Wirkung sich anhand des Evaluierungsmechanismus auf 80.400 TJ addieren. Die Entwicklung des tatsächlichen Energieverbrauchs spielt somit keine Rolle“. (ebd.)

Nur die tatsächliche, nachweisbare Energieverbrauchsreduktionen zählt: die Energiepolitik muss sich als Ziel setzen, echte Energieverbrauchsreduktionen zu generieren und diese auch nachzuweisen. Ohne einen solchen Nachweis, sollte es keine Förderungen geben. Das bisher vielfach übliche Aufzählen von Maßnahmen und die Addition deren theoretischen Beitrages zum Energiesparen führen zu Fehleinschätzungen und in die Sackgasse der Selbsttäuschung“. (ebd., S.105)

Derart deutliche Ausführungen sind in Publikationen öffentlicher Institutionen eher selten, deshalb werden sie auch ausführlicher wiedergeben. An dieser Stelle zeigt sich wieder die oben erwähnte „Energieeffizienzfalle“ auch am speziellen Fall des Auseinanderklaffens von theoretisch-hypothetischen Einsparungen und der realen Entwicklung, die bereits anhand anderer Beispiele (Treibhausgasemissionen, Wasserkraft und Anteil erneuerbarer Energie) in „Dynamo-Effekt“ thematisiert wurde.

Contracting:

„Contracting“ heißt nichts anderes als „Vertrag abschließen“, und kam aus den USA nach Europa (z.B. die Maßnahmen der „Tennesee Valley Authority“ unter der Präsidentschaft Carter die in den späten 1980er-Jahren Bestandteil der Diskussion in Österreich waren), und ist eines der bedeutendsten Instrumente des Demand-Side-Managements (DSM), das auf der Nachfrageseite ansetzt. Es ist ein Finanzierungsinstrument, das sowohl für Anlagen („Anlagencontracting“) als auch zur Finanzierung von Verbrauchsreduktionsmaßnahmen („Einsparcontracting“) dienen kann, von dem hier ausschließlich die Rede sein soll. Das Prinzip des verbrauchsseitigen Einsatzes von „Contracting“ ist einfach: Ein Energieunternehmen finanziert (auch anstelle des Ausbaus von Erzeugungskapazitäten) eine Energiesparinvestition vor. Anstatt nun den Bonus der reduzierten Energierechnung an die Kund_innen weiterzugeben, ist dies vorerst nicht oder nur teilweise der Fall. Mit der trotz reduzierten Verbrauchs für einen gewissen Zeitraum noch unverändert hohen Energierechung wird die Investition zurückbezahlt.

Vorteil: Kund_innen brauchen keinen Kredit aufnehmen, und erhalten auch organisatorische Unterstützung, weil sie sich um die Abwicklung nicht kümmern müssen, weil die im Allgemeinen professionell betreut wird, und so neben der Finanzierung auch die Hemmschwelle des Umsetzungsaufwandes teilweise abgebaut werden kann.

Statt des Energieunternehmens kann auch ein dritter Partner als Contracter auftreten, der mit Energielieferungen nichts zu tun hat, sondern als ausschließlichen Geschäftszweck Contracting-Maßnahmen finanziert (deshalb heißt das manchmal auch Drittfinanzierung). Vorteil: die Abwicklung erfolgt unter Umständen professioneller, weil die den Job „besser verstehen“ als traditionelle Energieversorger, für die dies Neuland ist. Nachteil der Drittfinanzierung: der Anreiz beim Energieversorger fällt weg, was den Effekt konterkarieren kann. Wenn der Energieversorger selbst „Contracting“ anbietet (anbieten muss – z.B. er im öffentlichen Eigentum steht und entsprechende Vorgaben vom Mehrheitseigentümer erhalten hat), dann erfolgt dadurch auch automatische eine (förderliche) Verschiebung der Geschäftsbasis des Unternehmens.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Einsparcontracting:

  • Wirtschaftlichkeit der Einsparinvestition bei überschaubaren Amortisationszeiten („Daumenwert“: max. 7-10 Jahre)

  • Konstante oder steigende Preisentwicklung, weil ansonsten die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist. Insofern wirkten sich die spontanen und teilweise politisch motivierten Preissenkungen bei den Landeselektrizitätversorgern nach der EU-weiten Liberalisierung des Elektrizitätsbinnenmarktes rund um den Jahrtausendwechsel äußerst negativ auf die damals gerade startenden Contracting-Unternehmen aus.

  • (vertraglich vereinbarte) Konstanz im Nutzer_innenverhalten (wenn die Nachfrage nach Energiedienstleistungen steigt, dann gibt es keine Einsparung, und die Investition ist nicht mehr refinanzierbar)

Rebound-Effekt“

Der „Rebound-Effekt“ (von engl. rebound=abprallen) beschreibt ein Phänomen, das dazu führt, dass geplante bzw. berechnete Energieeinsparungen nicht oder nicht zur Gänze eintreten, die Maßnahmen nicht so wirksam sind wie erwartet (die Bemühungen also eine Rückschlag erleiden). Dies hat zwei Ursachen, die als direkter und indirekter Rebound-Effekt bezeichnet werden. In einem Beispiel wird im Zuge eines Wohnhausumbaus eine veraltete Heizanlage durch eine modernere energieeffizientere ersetzt. Die neue Anlage wird aber auf eine höhere Heizleistung ausgelegt, bzw. werden mehr Räume beheizbar gemacht. Die durch die gesteigerte Energieeffizenz reduzierten Heizkosten führen zu einer Veränderung des Verbrauchsverhaltens, indem gegenüber dem Ausgangszustand eine höhere Raumtemperatur eingestellt wird.

Alle diese Nebeneffekte führen zur Kompensation eines Teil des Effizienzgewinns durch zusätzliche Energiedienstleistungsnachfrage.

Im Falle des indirekten Rebound-Effekts wird das Geld aus den gesparten Energiekosten für andere Zwecke verwendet (etwa eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug). Dies muss nicht, wird aber in den meisten Fälle wieder mit zusätzlichem Energieeinsatz einhergehen. Je nach Energieintensität der zusätzlich konsumierten Energiedienstleistung fällt der Rebound Effekt unterschiedlich hoch aus.

Ist Strom die Energie zum Energiesparen?

Energieverbrauchsreduktion kann mit gesteigertem Elektrizitätsverbrauch verbunden sein (Wird etwa eine neue effiziente Heizung mit elektronischer Regelung installiert, so muss dafür zusätzlich Elektrizität eingesetzt werden. Anderes Beispiel: Wärmepumpe, die für den Kompressor Strom braucht, auch wenn sie das Drei- bis Vierfache an Umgebungswärme nutzbar macht.)

Auf die Problematik, dass Heizsysteme, auch wenn sie auf andere Energieträger setzen, von Elektrizität abhängig sind (falls keine Redundanzsysteme eingeplant werden, was derzeit nur in Ausnahmefällen der Fall), sei hier hingewiesen. Daraus ergibt sich eine hohe Verwundbarkeit des Systems. Heizsysteme können so ausfallen, auch wenn Brennstoff verfügbar ist (Annahme: Anhaltende Gaskrise führt zu Stromnetzzusammenbrüchen, dann funktionieren z.B. moderne Biomasseheizungen ebenfalls nicht).

Auch wenn im Einzelfall der Stromverbrauch steigt und die Maßnahme trotzdem aufgrund der Gesamtbilanz sinnvoll ist, ist der Schluss keinesfalls zulässig, dass man nur Strom einzusetzen brauche um unabhängig von den sonstigen Rahmenbedingungen den Energieverbrauch automatisch zu senken (Das suggeriert gern die E-Wirtschaft in ihren Werbebotschaften. Für die E-Wirtschaft ist Stromeinsatz zur Senkung des Energieverbrauchs eine Form der Absatzförderung und kommt ihr im Bestreben nach höheren Marktanteilen entgegen).

Gerade wegen der besonderen Problematik bei der Elektrizitätsversorgung (Strom als solcher ist nicht speicherbar, Exergieproblematik) sollte mit Vorsicht vorgegangen werden. Auf diesem Wege generierte Stromverbrauchszuwächse sollten unbedingt durch anderweitige Stromverbrauchsreduktionen kompensiert werden.

Literatur

BMWA 2007, „1. Energieffizienzaktionsplan der Republik Österreich gemäß EU-Richtlinie 2006/32/EG“, Wien, Juni 2007

E–Control, 2008 „Grünbuch Energieeffizienz – Maßnahmenvorschläge zur Steigerung der Energieffizienz“, Wien, Oktober 2008

Sattler et al. 2008 „EE-Pot-Abschätzung der Energieeffizienz-Potenziale in Österreich bis zum Jahr 2020“ Austrian Energy Agency im Auftrag des BMWA

Schriefl E.2008 „Steigender Energieverbrauch trotz verbesserter Energieeffizienz? Der „Rebound-Effekt“ und andere verbrauchstreibende Faktoren“ in „Energiezukunft Forum Wissenschaft & Umwelt (Hrsg.) 11/2008 Wien

Interviewpartner_innen

in der Sendung

und weitere Informationen

der Redakteur_innen


Interviewpartner_innen:

Wolfgang Rehm
Umweltorganisation VIRUS
http://virus.wuk.at/

Mag.a Mariella Müller
DSA
Projektkoordinatorin, Caritas Österreich

Mag.a Judit Marte-Huainigg
Leitung Grundlagen und Sozialpolitik bei der Caritas Österreich

http://www.caritas.at/hilfe-einrichtungen/menschen-in-not/

Dr. DI Ernst Schriefl
Studierte Technischer Umweltschutz (1994 – 2000) und Informatik (1987 – 1994). Von 1999 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (Energy Economics Group) und am Wiener Zentrum für Energie, Umwelt und Klima. Arbeitsschwerpunkte: Energieeffizienz in Gebäuden, Nutzer_innenverhalte, Rebound-Effekte, Simulationsmodelle. Abschluss der Diplomarbeit im Jahr 2000 zum Thema „Lebensstil und Energieverbrauchsverhalten“. Abschluss der Dissertation im Jahr 2007 (Titel: „Modellierung der Entwicklung von Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser im österreichischen Wohngebäudebestand unter der Annahme verschiedener Optimierungsziele“).
Seit 2007 Mitarbeiter bei „energieautark consulting gmbh“. Arbeitsschwerpunkte: Projektleitungen (Powerdown, TRAENER, SOS - Save Our Surface, Feasible Futures), Schulungen im Bereich Energieausweiserstellung (im Auftrag des AMS).
>>Mehr über Ernst Schriefl
E-Mail: ernst.schriefl[at]energieautark.at

Weitere Links:

energieautark consulting gmbh
http://www.energieautark.at

Reparaturnetzwerk

http://www.reparaturnetzwerk.at

Die Umweltberatung
http://www.umweltberatung.at

Marktcheck.at
http://marktcheck.greenpeace.at/

Verbund-Stromhilfefonds der Caritas
http://www.verbund.at/cps/rde/xchg/internet/hs.xsl/10260_10267.htm

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http://dynamo.o94.at/?feed=rss2&p=1351
29 Beraten und Steuern http://dynamo.o94.at/?p=1325 http://dynamo.o94.at/?p=1325#comments Sun, 22 Aug 2010 13:51:08 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1325 Beratung zielt auf Bewusstseinsbildung, Informations- und Markttransparenz. Steuern können Lenkungseffekte erzeugen, also helfen, den Energieeinsatz in Richtung erhöhter Effizienz zu steuern. Diese Instrumentarien müssen allerdings sinnvoll eingesetzt werden, damit sich wünschenswerte Erfolge einstellen.

Die Radiosendung

Eine Sendung von Mira Kapfinger und Christina Röll.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74581

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Beraten und Steuern

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Kurzbeschreibung

Neben technischen Regelwerken (Normen) und sonstigen Gesetzen und Regelungen (Gebote und Verbote), stellen die Prinzipien Beraten und Steuern wichtige energiepolitische Gestaltungsmöglichkeiten dar, die nicht ungenützt bleiben sollen. Beratung zielt auf Bewusstseinsbildung, Informations- und Markttransparenz (Möglichkeiten werden nicht genutzt wenn die Energieanwender_innen nichts davon wissen). Gerade die Bewusstseinsbildung wird unter den insgesamt verfügbaren Mitteln häufig als besonders bedeutsam angesehen. Während ein technischer Wissenstransfer noch vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen scheint, ist die Frage, wie Verhaltensänderungen im Umgang mit Energie (am effektivsten oder überhaupt) herbeigeführt werden können, eine, für die es kein einfaches Kochrezept gibt. Um sie wird nach wie vor intensiv gerungen. Rund um Energieberatung verbleibt natürlich die grundlegende Frage, wie man die Leute am besten in die Energieberatungsstellen bringt. Dazu braucht es hinreichende Bekanntmachung, wo Ansprechpartner_innen zu finden sind und PR die allfällige Hemmschwellen abbaut und darauf einwirkt, dass sich die Zielgruppe betroffen fühlt, einen persönlichen Bezug zu Energieberatung als etwas, wovon sie profitieren kann bekommt.

Zum Steuern bieten sich zwei Möglichkeiten an:

1.) Einerseits die Schaffung von Anreizen durch Förderungen. Nicht alle davon sind immer treffsicher bzw. aus energetischer Sicht zielführend, wie die Beispiele Wohnbauförderung (Spekulation mit Wohnbaugeldern, mangelnde Koppelung der Förderung an z.B. Energieeffizienzkriterien) und Pendler_innenpauschale (Hauptprofiteur_innen sind nicht die sozial Schwachen, energiepolitisch kontraproduktiver Effekt der Förderung langer Wege mit dem Auto) zeigen.

2) Andererseits der Einsatz von Steuern (im Sinne von Abgaben) „zum Steuern“. Damit Steuern auch zum Steuern erfolgreich eingesetzt werden können, müssen sie so gestaltet sein, dass sie einen Lenkungseffekt haben und nicht nur einnahmenseitig als zusätzliche Einnahme für öffentliche Budgets dienen. Zu beachten sind hier sogenannte Elastizitäten. Diese geben an, um welches Ausmaß sich der Preis eines Produkts – in diesem Fall etwa eines Energiebezuges – ändern muss, damit es zu einer Veränderung des Nachfrageverhaltens kommt.

Diese Reaktionsträgheit ist bei der Bemessung von Energieabgaben, die auch einen Lenkungseffekt haben sollen, zu berücksichtigen.

Wichtiges Merkmal ist auch der Transaktionsaufwand, der mit einer Steuer verbunden ist (wie kompliziert ist sie zu berechnen, wie viele Varianten und Ausnahmen gibt es).

Eine Besonderheit stellt hier die sogenannte Energieverbrauchsumlage dar. Dieses Konzept sieht vor, eine Energieabgabe einzuheben und bei niedrigen Transaktionskosten die Einnahmen an alle Staatsbürger_innen zu gleichen Teilen auszuschütten. Der Effekt: wer unter dem Durchschnitt verbraucht, profitiert, darüber wird es teuer. Ein Anreiz zu Energieverbrauchsreduktion wird geschaffen und ein Wettlauf in Gang gesetzt. Eine solche Maßnahme muss allerdings insofern sozial abgefedert werden, als dafür Sorge getragen werden muss, dass sozial Schwache mit geringer Liquidität auch die Energiesparinvestitionen (die sich selbst finanzieren) tätigen können (z.B. per sogenannter Drittfinanzierung „Contracting“).

De facto verläuft die Energiesteuerdiskussion weniger kreativ und insofern zyklisch, als sie sich gewissermaßen im Kreis bewegt. Bereits in den 1990er-Jahren gab es eine Debatte. Das WIFO erstellte eine umfangreiche Studie (WIFO 1995) mit verschiedenen Varianten. Heraus kam eine Energiesteuer auf Strom, Gas und Kohle für das Budget, die keinen Lenkungseffekt hatte.

Im Lichte der Wirtschaftskrise 2010 (wo vom Finanzminister „Ökosteuern“ in die Diskussion eingeworfen werden – mit der klar erkennbaren Absicht, zusätzliche Mittel für das angespannte Budget aufzutreiben) zeichnet sich eine Wiederholung dieses Musters ab.

Die Frage, ob jetzt eine Energiesteuer, eine CO2-Abgabe bzw. weitere Erhöhungen der Mineralölsteuer das Mittel der Wahl sind, wird kontroversiell diskutiert. Aus Sicht der Autor_innen empfiehlt sich hier ein pragmatischer Zugang nach dem Motto „mit Gürtel und Hosenträgern“, also ein Kombinationspaket, dass dadurch besser wirkt als eine Einzelmaßnahme, die sich als nicht so zielführend erweist.

An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass Energiesteuern wichtige Maßnahmen energiepolitischen Handelns sein können, als Einzelmaßnahme ohne Begleitaktivitäten jedoch nicht sinnvoll erscheinen.

Auf die besondere Bedeutung einer Mineralölsteuer im Lichte der Kyoto-Ziele wird hingewiesen (auch wenn sie hinsichtlich anderer Gesichtspunkte suboptimal sein sollte). Jede Bilanz wird nach bestimmten Konventionen erstellt. Die österreichische Kyoto-Bilanz wird durch den sogenannten Tanktourismus verzerrt. (Treibstoff, der in Österreich getankt und damit Österreich zugerechnet wird, aber nicht hier verfahren wird.) Nun ist es zwar grundsätzlich egal, in welchem Land Treibhausgase emittiert werden, dennoch ist es unzulässig, die Emissionen aus dem Tanktourismus nicht einzurechnen, weil sie auch kein anderes Land einrechnet, aber im Rahmen der bestehenden Abgrenzungskonvention vorzugehen ist. Dieses Paket ist auch in Österreich gut aufgehoben, weil die Republik auch von den Einnahmen der günstigen Mineralölsteuer profitiert und davon nicht abrücken will, um diese Zusatzeinnahmen durch im Vergleich günstigere Treibstoffpreise nicht zu verlieren. Würde die Mineralölsteuer soweit erhöht, dass der Tanktourismus weitgehend zum Erliegen kommt, wäre dies auch eine Entlastung für die Treibhausgasbilanz.

Bei der Frage der Ausgewogenheit und Treffsicherheit besteht oft das Problem, dass z.B. Haushalte stark belastet werden, während für Großverbraucher_inneb Deckelungen eingerichtet werden bzw. Mehrverbrauch steuerlich begünstigt und damit ein Lenkungseffekt erzielt wird – siehe weiter unten (bzw. Petrovic 2009).

Auf der anderen Seite ist auch die Gefahr des Abwanderns von Produktionen (die wiederum durch die per Subvention niedrig gehaltenen Transportkosten erleichtert wird) zu berücksichtigen. Wenn Produktionen nicht einfach aufgegeben, sondern verlagert werden, und dann hohe Umweltstandards durch niedrige ersetzt werden, ist das unter Umständen global betrachtet kontraproduktiv.

Um diesem Effekt der Unausgewogenheit entgegenzuwirken, werden CO2-Einfuhrsteuern diskutiert.

Wichtig bei der Energiebesteuerung ist die Frage der Aufkommensneutralität und die Berücksichtigung von sozialen Komponenten (z.B. von hohen Energiepreisen berührten sozial Schwächeren). Um die Steuerbelastung nicht in schwindelnde Höhen zu treiben, soll gleichzeitig mit der Erhöhung der Belastung auf Energie der Faktor Arbeit entlastet werden (Senkung der Mehrwertsteuer). Eine grundsätzliche Zusammenstellung der hier gegebenen Wirkmechanismen hat der deutsche Solarenergie-Förderverein erstellt, auf die an dieser Stelle verwiesen werden soll.

Exemplarisch wird in dieser Quelle auch die Frage der Verlagerung von energieintensiven Produktionen insofern in einen neuen Kontext gestellt, als die Betonung dieses Faktors durch den berechtigten Verweis auf arbeitsplatzintensive Produktionen, die laufend wegverlagert werden, relativiert wird.

Zusätzliche Beschreibungen und Erläuterungen zur Energiebesteuerung

Sektorale Unausgewogenheit

Im Ist-Zustand kann eine steuerliche Bevorzugung energieintensiver Betriebe festgestellt werden. Die Tatsache, dass es für diese eine Deckelung der Steuern gibt, führt wenig überraschend zu einer Ungleichbehandlung und unausgewogenen Verteilung der Steuerlast. Petrovic (2009) führt dazu aus:

„Die Zusammenführung der einzelnen Öko-Steuern in der Gliederung nach den Wirtschaftsklassen zeigt auch 2008 eine ausgeprägte Dominanz der privaten Haushalte, die wie ein eigener Wirtschaftsbereich behandelt werden. Diese Dominanz ist im Energieabgabenvergütungsgesetz, begründet, in dem eine Obergrenze der Steuerlast von 0,5% (vor 2004 0,35%) des Nettoproduktionswertes für energieintensive Betriebe vorgesehen ist.“ Petrovic 2009

Aus Sicht einer Lenkung in Richtung nachhaltigen und sparsamen Umgangs mit begrenzten (Energie-)Ressourcen sind solche „Markt“-Verzerrungen nachteilig zu bewerten.

Energiebesteuerung

Zu charakteristischen Formen von Energiesteuern zählen:

  • Energiebesteuerung als zusätzliche Einkommensquelle (ohne Lenkungseffekt, da zu niedrig)

  • zweckgebundene Energiebesteuerung (z.B. was bei Mineralölsteuer eingenommen wird, muss in Technikfolgekostenbeseitigung und Forschung für Erneuerbare Energie investiert werden.)

  • Energiebesteuerung als Ersatz für Lohnbesteuerung (eine Form der Aufkommensneutralität).

Ein Beispiel für Letzteres: das Energiesteuermodell des „Solarenergie-Fördervereins“ Deutschland (SFV)

Zusammenfassung des SFV-Energiesteuermodells:

Der Status quo wird wie folgt beschrieben:

Der Produktionsfaktor Energie ist leistungsfähiger und billiger als menschliche Arbeit. „Arbeit“ wird deshalb durch „Energie“ substituiert. Dies geschieht

  1. durch klassische Rationalisierung (Arbeitserleichterung)

  2. durch Eröffnung energieintensiver Unternehmen (mit weniger Arbeitsplätzen) im Produktionsbereich. Im Gegenzug Schließung oder Verkleinerung personalintensiver Unternehmen im Instandsetzungs- und Dienstleistungsbereich (auch Ausbildung, Forschung, Wissenschaft, etc.), deren Aufgaben (häufig der Zukunftssicherung) dann unerledigt bleiben.

Lösungsvorschlag des SFV:

Erhöhung der Energiesteuern zur Finanzierung des Arbeitgeber_innenanteils für die Sozialversicherung unterbindet die Arbeitsplatzvernichtung nach Punkt 2. Zum Ausgleich der Steuererhöhung im privaten Bereich ist ein Energiegeld für alle Einwohner_innen vorzusehen, für dessen Refinanzierung ein Drittel der Energiesteuer verwendet werden soll.

In diesem Punkt ähnelt dieses Modell der oben beschriebenen Energieverbrauchs-Umlage.

Mehr zum SFV-Energiesteuermodell:

Wolf von Fabeck: Arbeitsplätze und Soziale Gerechtigkeit - Aber wie?

http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/arbeitun.htm

Literatur und Weblinks

Harald Payer (1988), „Energieabgabe und Steuerreform“, Österreichische Gesellschaft für Ökologie

Petrovic (2009) „Projektbericht Ökosteuern 1995 bis 2008“ in Umweltgesamtrechnungen, Statistik Austria Direktion Raumwirtschaft

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_und_umwelt/umwelt/oeko-steuern/index.html (Stand 8.5.2010)

WIFO (1995) Köppl A., K.Kratena et.al 1995 „Makroökonomische und sektorale Auswirkungen einer umweltorientierten Energiebesteuerung in Österreich“ Studie des österreichischen Instituts für Wirtschaftsfrschung im Auftrag der Bundesministerien für Umwelt, Jugend und Familie, Für Wissenschaft und Forschung sowie für Land und Forstwirtschaft, Wien, Februar 1995

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (2008), Abteilung IV/2 - Energie-Grundsatzangelegenheiten, Daten zur Entwicklung der Energiewirtschaft im Jahr 2008: http://www.bmwfj.gv.at/EnergieUndBergbau/Energieversorgung/Documents/Daten zur Entwicklung der Energiewirtschaft 2008.pdf (Stand 11.5.2010)

Rettl H. (2008), Das Bismarck-System am Beispiel des österreichischen Gesundheitssystems. Text zur Sozialversicherung:

http://www.care-consult.info/Osterreichische_Gesundheitssystem.pdf (Stand 11.05.2010)

Statistik Austria:

http://www.statistik.at/web_de/static/jahresdurchschnittspreise_und_-steuern_2008_fuer_die_wichtigsten_energietr_042357.xls (Stand 11.05.2010)

http://www.statistik.at/web_de/static/steuerpflichtige_bruttobezuege_und_lohnsteueraufkommen_2008_nach_bundeslae_021854.xls (Stand 11.05.2010)

SFV 2010:

http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/arbeitun.htm (Stand 13.1.2010): Solarförderverein Deutschland. Sehr guter Grundlagentext zur Energiebesteuerung. Der Text beleuchtet das Thema aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive und scheut auch nicht vor Zahlen zurück.

http://www.hm-treasury.gov.uk/independent_reviews/stern_review_economics_climate_change/sternreview_index.cfm . (veröffentlicht am 22. August 2008; Stand 06.02.2010) Stern, Nicholas (2006): Stern-Review on the Economics of Climate Change, Her Majesty´s Treasury. Government of the United Kingdom.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlepfennig (Stand 06.02.2010), Information zum sogenannten Kohlepfennig in Deutschland

http://www.focus.de/finanzen/news/emissionshandel-ablass-fuers-abgas_aid_219535.html (Stand 08.02.2010) Ablass für Abgas, Martin Kunz, FOCUS, Nr.9, 2007

Greenpeace zu „sozialen Ökosteuern“:

http://www.greenpeace.at/klima_news_100416.html?&0=&type=98 (Stand 11.05.2010)

Website der Energieberatung Niederösterreich mit verschiedenen Beratungsinhalten für Einzelpersonen bis hin zu Gemeinden:

http://www.energieberatung-noe.at/start.asp? (Stand 11.05.2010)

Artikel im Standard zu Mineralölsteuer un Energieabgabe vom März 2010:

http://derstandard.at/1268700870543/Energiestrategie-Mineraloelsteuer-und-CO2-Abgabe-im-Doppelpack (Stand 11.05.2010)

UMSOBESSER“:

http://www.oekobuero.at/start.asp?showmenu=yes&fr=&b=424&ID=231027 (Stand 13.1.2010): Broschüre UMSOBESSER. Die Broschüre ist Ergebnis der Veranstaltung UMwelt-SOzial-BESSER, die 2009 in Wien als Kooperation von Umwelt- Und Sozialpolitischen Akteuren stattgefunden hat.

Fußnoten

Solarförderverein Deutschland

Interviewpartner_innen

in der Sendung

und weitere Informationen

der Redakteur_innen


Interviewpartner_innen:


Maga (FH) Christa Greinöcker

Energieberatung NÖ
http://www.energieberatung-noe.at/
E-Mail: christa.greinoecker[at]noel.gv.at

Dr.inphil. O.Univ.Prof. Helga Kromp-Kolb
Institutsleitung des Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur
E-Mail: helga.kromp-kolb[at]boku.ac.at

DI Martin Blum
zuständig für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
http://www.vcoe.at/
E-Mail: martin.blum[at]vcoe.at

Univ.-Ass. Dipl.-Polit. Dr. Markus Wissen
*Universitätsassistent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
markus.wissen[at]univie.ac.at

Wolfgang Rehm
Umweltorganisation VIRUS
http://virus.wuk.at/

weitere Links zur Sendung:

Greenpeace Marktcheck:
http://marktcheck.greenpeace.at/8150.html

Waldviertler Regionalwährung “Waldviertler”:
http://www.waldviertler-regional.at/

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http://dynamo.o94.at/?feed=rss2&p=1325
28 Geothermie und Wärmepumpen http://dynamo.o94.at/?p=1306 http://dynamo.o94.at/?p=1306#comments Sun, 15 Aug 2010 14:57:58 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1306 Unsere Erde ist ein gewaltiger Wärmespeicher. Geothermische Anlagen können diese Wärme zum Heizen, Kühlen und mitunter auch zur Stromerzeugung nutzbar machen. Nicht immer erweist sich dies aber als wirtschaftlich und technisch realisierbar oder energetisch effizient. Die Ausgabe Geothermie der Sendereihe Dynamo-Effekt versucht, einen Überblick zu verschaffen.

Die Radiosendung

Eine Sendung von Jutta Matysek und Christa Reitermayr.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74569

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Geothermie und Wärmepumpen

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Kurzbeschreibung

Allgemeines Geothermie

Der Wärmestrom aus dem Erdinneren stammt zum Teil noch aus der Zeit der Erdentstehung. Die Abkühlung der Erde wird durch andauernde radioaktive Zerfallsprozesse im flüssigen Erdkern wesentlich verlangsamt. Die Sonneneinstrahlung spielt nur oberflächennah eine – für Wärmepumpen bedeutende – Rolle.

Bei der Nutzung von Erdwärme sind primär oberflächennahe Nutzungen (Wärmepumpen, Erdwärmeheizungen und -kühlungen) von Nutzungen tiefer Vorkommen (Tiefengeothermie) zu unterscheiden. Letztere können neben der direkten Nutzung von Temperaturgradienten (Der Temperaturgradient ist hier sehr vereinfacht gesagt, die Temperaturänderung in der Tiefe ausgedrückt in Kelvin pro 100m; Anm. d. Korrekturleser_in) zusätzlich auch zur Stromproduktion verwendet werden.

Im Energiemix der erneuerbaren Energie ist die tiefe Geothermie das kleinste Leistungssegment, gleichzeitig dasjenige mit dem stärksten Ausbaupotenzial im Vergleich zum Bestand.

Stromerzeugung durch Nutzung von Tiefengeothermie wird in Österreich nach dem Ökostromgesetz tariflich gefördert.

Wärmepumpen

In Wärmepumpenanwendungen wird die relativ niedrige Temperatur der oberflächennahen Erdschichten bzw. des oberflächennahen Grundwassers mithilfe einer – in Privathäusern meist elektrisch betriebenen – Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Technisches Wirkprinzip ist das eines Kühlschranks.

Wärmepumpen arbeiten nur bei – nur in seltenen Fällen und unter günstigen Randbedingungen der Anwendung erreichtem – hohem Wirkungsgrad ökologisch, energetisch und wirtschaftlich effizient. In den weitaus überwiegenden Fällen ist es sinnvoller, ein gut gedämmtes Passivhaus mit Sonne und Holz zu beheizen und bloß dessen Abwärme durch Wärmepumpen zu regenerieren.

Die verstärkte Nutzung von Wärmepumpen ist also kritisch zu sehen. Vielfach ist die Primär-Energiebilanz nicht positiv. Mehr Wärmepumpen benötigen auch mehr Strom, was im Widerspruch zu Stromeffizienz sowie Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung und aus erneuerbaren Energien steht.

Im Gegensatz zur Fernwärme wird kein Leitungsnetz zum Wärmetransport über große Distanzen benötigt, allerdings wird der benötigte Strom nicht dezentral produziert. Zudem stammt dieser v.a. in der Hauptheizperiode Winter überwiegend aus kalorischen (bzw. Atom-) Kraftwerken mit vergleichsweise geringem Wirkungsgrad (im Vergleich zu z.B. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen).

Die ökologischen Folgen der Erwärmung von Grundwasser durch den Einsatz von Wärmepumpen im Sommer (zur Kühlung von Gebäuden) wurde bislang ohne Ergebnisse und nicht ausreichend (über längere Zeit) untersucht (Bakterienpopulationen, Selbstreinigungsvermögen des Grundwassers; erste Forschungen erst seit 2006, Langzeitforschung nötig).

Tiefe Geothermie

Das Wärmevorkommen in der Erdkruste ist enorm. In der Literatur sind diesbezüglich verschiedene Hochrechnungen zu finden, z.B. könnte mit den Wärmevorräten, die in den oberen drei Kilometern der Erdkruste gespeichert sind, rechnerisch und rein theoretisch der derzeitige weltweite Energiebedarf für über 100.000 Jahre gedeckt werden.

Allerdings verführen solche Hochrechnungen zu Vorstellungen eines tatsächlich nutzbaren, unbegrenzten Potenzials. Tatsächlich ist nur ein sehr kleiner Teil dieser Energie technisch nutzbar und die Auswirkungen auf die Erdkruste bei umfangreichem Wärmeabbau sind ungewiss.

Die Nutzung von Erdwärme in tieferen Schichten ist bevorzugt in Gebieten mit überdurchschnittlich hoher Wärmestromdichte sinnvoll, kann prinzipiell aber auch abseits davon geschehen.

Erdwärme kann als langfristig nutzbare Energiequelle gelten, die grundsätzlich unabhängig von Jahres- und Tageszeit stetig zur Verfügung steht. Die Bezeichnung von Erdwärme als regenerativer Energieträger ist hingegen nur bedingt korrekt.

Die Nutzung von Tiefengeothermie – abseits von Heißwasservorkommen im Bereich geothermischer Anomalien – führt zu einem regionalen Abbau des Wärmevorrats im Tiefengestein der Erdkruste. Die Nachlieferung der Wärme aus weiter entfernten Schichten braucht je nach geologischer Beschaffenheit – zumindest bei den meisten Standorten in Mitteleuropa – sehr lange Zeiträume. Nach etlichen Jahrzehnten ist der lokale Wärmevorrat erschöpft, und die Kraftwerke müssen ihren Standort wechseln und zum nächsten Vorkommen übersiedelt werden.

Island hat hier besonders gute Voraussetzungen, die so allerdings auf kaum ein anderes Land übertragbar sind.

Das gedankliche Spielen mit nach menschlichen Maßstäben „unerschöpflichen“ Energiequellen hat einen folgenschweren psychologischen Effekt: Die Zurkenntnisnahme der Grenzen irdischen Lebens und Wirtschaftens wird nicht vollzogen, das Konsum- und Versorgungsdenken, die Ausbeutung „der Natur“ werden fortgeschrieben (vgl. Anmerkung in Kurzbeschreibung und Kapitel 4 – „grundsätzliche Problematiken, Fortsetzung des Konsum- und Versorgungsdenkens, der allgemeinen Wachstumsideologie und des Steuerungsgedankens“ – im Text zum Ökostromgesetz). Dabei kann sehr schnell die Begrenzung der Lebensgrundlagen aus dem Blick geraten, welche mit bislang weitgehend auch materiell ausuferndem Wirtschaftswachstum nicht verträglich sind. Zu große Technikgläubigkeit kann hier kontraproduktiv sein, wenn damit die grundsätzliche Wachstumsproblematik der Industriegesellschaften überdeckt wird.

Allerdings wird die Nutzung von Tiefengeothermie z.B. vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland als wichtiger Pfeiler im Ausstiegsprozess aus fossilen Energieträgern gesehen.

Tiefe Geothermieprojekte bergen zudem technische (geologische, seismische), wirtschaftliche und ökologische Risiken.

Für ökologische und wirtschaftliche Effizienz bei der Stromproduktion ist die gleichzeitige Nutzung der Wärme über Fernwärmenetze erforderlich, daher sind große Siedlungsräume in der Nähe Voraussetzung.

Prinzipielle und weitgehende ungeklärte Risiken sind das Aufheizen von Grundwasser zur Kühlung (nötig wie bei konventionellen Dampfkraftwerken auch), das Zusammenführen unterschiedlicher Grundwasserhorizonte bzw. das Risiko der Verseuchung von Grundwasser mit Chemikalien aus der Anlage (Trinkwasserschutz, biologische Selbstreinigungskraft des Grundwassers).

Weiters ist nicht definitiv feststellbar, welche Auswirkungen das Abkühlen von (großen) Teilen der Erdkruste – für mehrere tausend Jahre – auf die Geosphäre haben würde.

Die großtechnische energetische Nutzung der Tiefengeothermie erfordert also einen sehr hohen technischen Aufwand und bringt v.a. bei verstärktem Ausbau – grundsätzlich ähnlich wie bei der Nutzung der Kernenergie oder Gentechnik auch – nicht restlos kontrollierbare und abschätzbare Risiken mit sich.

Nutzungskonflikte mit anderen Nutzern sind weiters zu beachten.

Ausführlicherer Text zu Geothermie und Wärmepumpen von VIRUS:

>>Geothermie und Wärmepumpen

Literatur / Weblinks

Einspeisetarife für Strom aus EE-Anlagen

http://www.e-control.at/de/industrie/oeko-energie/einspeisetarife (Stand 22.05.2010)

Gronemeyer M. (2008): „Genug ist genug. Von der Kunst des Aufhörens“. Primus Verlag, Darmstadt.

Gronemeyer M. (2002): Die Macht der Bedürfnisse. Überfluss und Knappheit. Primus Verlag, Darmstadt.

Dietmar Adam (2008), Effizienzsteigerung durch Nutzung der Bodenspeicherung, Präsentationsslides der Ringvorlesung Ökologie der Technischen Universität Wien, Institut für Grundbau und Bodenmechanik, aus 2008:

http://www.bpi.tuwien.ac.at/english/teaching/2008-04-17_Geothermie-TU-Wien.pdf (Stand 21.04.2010)

BRÜCK, Jürgen (2008): Neue Energiekonzepte für Haus- und Wohnungsbesitzer. [mit Checklisten, Spar-Tipps und Förderprogrammen]. Deutsches Institut für Normung. Berlin: Beuth

LOOSE, Peter (2007): Erdwärmenutzung. Versorgungstechnische Planung und Berechnung (2., überarb. und erg. Aufl.). - Heidelberg: Müller

umfassender und guter Wikipedia-Artikel zu Geothermie

http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie (Stand 28.03.2010)

Einspeisetarife, u.a. Geothermie, in Österreich:

http://www.e-control.at/de/industrie/oeko-energie/einspeisetarife (Stand 22.05.2010)

Gronemeyer M. (2008): „Genug ist genug. Von der Kunst des Aufhörens“. Primus Verlag, Darmstadt.

Gronemeyer M. (2002): Die Macht der Bedürfnisse. Überfluss und Knappheit. Primus Verlag, Darmstadt.

Erklärung Fachbegriff Jahresarbeitszahl, JAZ:

http://www.energiesparhaus.at/Fachbegriffe/arbeitszahl.htm (Stand 30.05.2010)

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND, Hrsg,), Neumann W., Schönauer S. (2007): „Strom und Wärmeerzeugung aus Geothermie“. Kapitel 3. Reihe BUND-Postionen, Berlin.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) (2007), Dr. Werner Neumann, Sebastian Schönauer, Strom und Wärmeerzeugung aus der Geothermie, Anforderungen an die Produktionsprozesse aus ökologischer Sicht, Broschüre BUNDpositionen, 2007, in:

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/energie/20070300_energie_geothermie_position.pdf (Stand 26.05.2010)

Beschreibung von Artesern, im Zusammenhang mit Erdwärme:

http://www.erdenergie.ch/?p=24 (Stand 23.05.2010)

Karte mit Erdtemperaturen und Kraftwerken aus: Geo-Atlas Österreich - Die Vielfalt des geologischen Untergrundes, T. Hofmann & H.P. Schönlaub (Hrsg.), Böhlau Verlag Wien; Quelle: http://science.orf.at/science/news/154441 (Stand 11.02.2009)

Geothermie Potential in Österreich, Österreichischen Energieagentur:

http://www.energyprojects.at/waermeinfo.php, (Stand 9.4.2010)

Bestand und Potenzialgebiete der hydrothermalen Geothermie in Österreich:

http://www.regioenergy.at/geothermie (Stand 02.04.2010)

Umweltministerium Baden-Württemberg (2005), Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden, 4. überarbeitete Neuauflage, Mai 2005

Herbert Paschen, Dagmar Oertel, Reinhard Grünwald (2003), Möglichkeiten geothermischer

Stromerzeugung in Deutschland, Sachstandsbericht, Büro für Technikfolgen Abschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag, Arbeitsbericht Nr. 84, Februar 2003.

Interviewpartner_innen

in der Sendung

und weitere Informationen

der Redakteur_innen

Diplomarbeit „Oberflächennahe Erdwärmenutzung in Österreich“ von DI Andrea Zauner
Herausgeber: Zement und Beton Handels- und Werbeges.m.b.H
Bezugsquelle:
zement[at]zement-beton.co.at
bzw.
Zement+Beton Handels- u. Werbeges.m.b.H, A-1030 Wien, Reisnerstraße 53

“die Umweltberatung” über Geothermie:
http://www.umweltberatung.at/start.asp?ID=9987&b=2516

Interviewpartner_innen:

DI (FH) Hannes Obereder
Fachberater für Bauen, Renovieren, Wohnen und Energie
in der Beratungsstelle St. Pölten der Umweltberatung Niederösterreich-Mitte
E-Mail: noe-mitte[at]umweltberatung.at
http://umweltberatung.at

DI Andrea Zauner

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27 Heizen und Kühlen http://dynamo.o94.at/?p=1286 http://dynamo.o94.at/?p=1286#comments Fri, 06 Aug 2010 07:56:44 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1286 Warm ums Herz - kühlen Kopf bewahren. Angenehm temperierte Räume verbessern die Wohn- oder Arbeitsqualität. Wie kann dies energiesparend erreicht werden?

Die Radiosendung

Eine Sendung von Mira Kapfinger und Christina Röll.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74555

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Heizen und Kühlen

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

„Warm ums Herz, kühlen Kopf bewahren“

Heizen und Kühlen

Grundsätzliches

Der Titel „Warm ums Herz, kühlen Kopf bewahren“ steht in blumiger Ausdrucksweise für den Themenkreis Heizen und Kühlen. Dahinter steht das Bedürfnis, sich allgemein wohlzufühlen, in diesem Fall geht es um angenehm temperierte Räume und damit einen wesentlichen Teil von Wohn- und Lebensqualität. Das hat unter anderem eine physiologische Komponente: was empfinden wir als angenehm? Kann andererseits aber auch zu einem Teil als Ausdruck von Gewohnheit, Zeitgeist und gesellschaftlichen Konventionen bzw. Akzeptanz aufgefasst werden (ist das Tragen warmer Kleidung chic bzw. en vogue, werden Erleichterungen bei der „Bürouniform“ toleriert oder wird strengem Dresscode der Vorzug gegeben und stattdessen stärker gekühlt). In diesem Zusammenhang kann nicht oft genug betont werden (siehe auch Sendung Grundlagen), dass Energiedienstleistung das nachgefragte eigentliche Bedürfnis beschreibt, und es verschiedene Möglichkeiten gibt, Bedürfnisse und deren Deckung in Einklang zu bringen. Wenn es dann letztendlich auch um technischen Energieeinsatz geht, um per Heizung oder Kühlung die nachgefragte Energiedienstleistung zu erbringen/zur Verfügung zu stellen, dann lässt sich dies – je nachdem wie intelligent diese technischen Lösungen geplant bzw ausgeführt sind – mit unterschiedlichem Einsatz von Endenergie bzw. Nutzenergie erreichen.

In beiden Fällen ist es das Gebäude, das mitbestimmt, in welchem Ausmaß es gelingt, die Energiedienstleistung überhaupt zu erfüllen (oder im ungünstigen Fall auch beträchtlicher Energieeinsatz nicht ausreicht, als angenehm empfundene Bedingungen herzustellen). Eine gute Wärmedämmung bzw. entsprechende Orientierung samt Nutzung der Sonneneinstrahlung im Winter bzw Abschirmung im Sommer ist maßgeblich mitbeteiligt, ob und in welchem Ausmaß Heiz- und Kühlsysteme erforderlich sind. Den Gebäuden ist eine eigene Sendung gewidmet, hier liegt der Schwerpunkt auf dem zusätzlichen Aspekt der Heiz- bzw. Kühltechnik.

Heizen

Grundsätzlich gilt das Prinzip „Zuerst dämmen – statt heizen“, was bedeutet, dass intelligente Erhaltung/Herstellung von Raumwärme immer mit der Wärmedämmung des betreffenden Gebäudes beginnen sollte, da – egal mit welchem Heizsystem – ansonsten Energie vergeudet wird. Erst dann ist es sinnvoll, sich über die Art des Energieeinsatzes zu Heizzwecken Gedanken zu machen.

Im Zusammenhang mit intelligentem Energieeinsatz zu Heizzwecken bzw. besonders angenehmer Raumatmosphäre zählen z.B. folgende Technologien zu den „Highlights“:

  • Warmwasserbereitung und (teil-)solare Raumheizung,

  • Biomassefeuerungen, vor allem Pelletsheizungen (wo die Herstellung des Brennstoffes zwar mit zusätzlichem Energieinput verbunden ist, der erhöhte mit Gasheizungen vergleichbare Bedienungskomfort aber zu zusätzlicher Attraktivität führt; Brennwertkessel gewinnen durch Kondensation des Abgases zusätzlich Energie zurück und erreichen damit einen höheren Nutzungsgrad der eingesetzen Energie).

  • Kachelofen (hoher Strahlungsanteil – besonders angenehme Wärme).

Nicht immer ist eine Einzelanlage optimal, Fern- bzw. Nahwärme ist hier zu erwähnen. Insbesondere in Ballungsräumen sorgt verdichtete Bauweise im Vergleich zum alleinstehenden Einfamilienhaus für Vorteile beim Heizaufwand. Auch die Wahl des Brennstoffes spielt bei Feuerungen (falls es sich beim Heizsystem um solche handelt) natürliche eine Rolle.

Biomasse hat unter bestimmten Voraussetzungen den Vorteil der Nachhaltigkeit (nachwachsender Rohstoff – klimaneutral), aber im Bereich Staubemissionen gibt es immer noch Verbesserungsbedarf. Erdgasbetriebene Feuerungen haben den Vorteil, dass der Wasserstoff-Anteil im Erdgas zu Wasser verbrennt (für diesen Anteil daher kein Kohlendioxid), weniger Staubemissionen, dafür durch höhere Verbrennungstemperaturen mehr Stickoxide.

Trotz gewisser Vorteile handelt es sich aber immer noch um einen fossilen Brennstoff mit allen damit verbundenen Nachteilen. Gas ist auch exergetisch (vom Standpunkt der Energiequalität – siehe Grundlagen) als Heizmaterial nicht optimal, auch wenn es de facto trotzdem hauptsächlich dafür eingesetzt wird. Überlegungen dieser Art gelten in besonderer Form für Elektroheizungen, die exergetisch besonders nachteilig sind.

Auf die Möglichkeit zusätzlicher Wärmeenergienutzung durch kontrollierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung über Wärmetauscher wird hingewiesen. Dafür gibt es verschiedene Bauformen. Am einfachsten stellt man sich das am Beispiel des Gegenstrom-Wärmetauschers so vor, dass ein ein kalter Zuluftstrom und ein gegenläufiger warmer Abluftstrom mit gutem Wärmekontakt (z.B Kupferrohr) über eine längere Strecke aneinander vorbeigeleitet werden, sodass immer eine leichte Temperaturdifferenz besteht. Am Ende ist die Abluft abgekühlt und hat die zugeführte Frischluft erwärmt. Wärmeverluste wie beim Öffnen von Fenstern werden so vermieden und trotzdem der Raum permanent mit frischer Luft versorgt.

Kühlen

Auch hier ist die Frage nach dem grundsätzlichen Bedarf zu stellen: wo ist Kühlen unter Energieeinsatz überhaupt notwendig, sind Gebäude ausreichend abgeschattet bzw. mit entsprechenden Fassadenelementen versehen (bzw. ist dies nachträglich möglich). Ebenso wichtig ist auch hier (wie beim Heizen) die Frage nach der ausreichenden Wärmedämmung vorrangig – zuerst ist der Kühlbedarf zu reduzieren bzw. die aktive Kühlung möglichst zu vermeiden. Klimawandel mit prognostizierten Veränderungen des Klimas in Richtung Erwärmung sorgt für höheren Handlungsbedarf, der ebenfalls zu berücksichtigen ist und den Trend zur Klimatisierung von Gebäuden noch verstärkt. Laut einer Studie, in der der Nutz- und Endenergiebedarf sowohl auf regionaler Ebene als auch für ganz Österreich berechnet wurden, hat der Klimawandel für Österreich deutliche Änderungen im Bereich des Energiebedarfs zur Herstellung angenehmer Raumtemperaturen in Gebäuden zur Folge, die auch deutliche Auswirkungen auf eine klimaschonende Bereitstellung dieser Energiedienstleistungen hat. Dem Rückgang des Brennstoffbedarfes im Winter steht ein gesteigerter Strombedarf zur Raumkühlung im Sommer gegenüber (F. Prettenthaler, A. Gobiet, 2008 – siehe Literaturliste)

Sollte sich Klimatisierung von Gebäuden zukünftig in einzelnen Fällen nicht vermeiden lassen, dann ist gut geplanter gebäudeintegrierter Klimatisierung der Vorzug zu geben gegenüber improvisiert aufgestellten elektrischen Klimageräten.

Solarthermische Kühlung bzw. Fernkälte (Solarwärme bzw. Fernwärme wird über Absorptionskältemaschinen oder alternativ Adsorptionskältemaschinen (siehe Glossar) zur Kühlung verwendet – mit diesen lässt sich Wärme zur Kühlung verwenden) sind interessante Optionen. Sonnenenergie (thermisch bzw. photovoltaisch) zum Betrieb von Kühlanlagen bietet Vorzüge, weil erhöhtes Energiedargebot bei stärkerer Sonneneinstrahlung exakt mit erhöhtem Kühlbedarf korrespondiert.

Weitere Anmerkungen

Baubiologie ist mit ein bestimmender Faktor, wenn es darum geht, Heizen und Kühlen zu bewerten. Wikipedia beschreibt Baubiologie als die umfassende Lehre der Beziehung zwischen den Menschen und ihrer gebauten Umwelt und weist auf das Ziel eines „gesunden Bauens und Wohnens“ hin, das durch die ganzheitliche Betrachtung physiologischer, psychologischer, architektonischer und physikalisch-technischer Zusammenhänge und der Wechselwirkung zwischen Bauwerk, Nutzer_in (Bewohner_in) und dessen Umwelt erreicht werden soll, hin. Im konkreten Fall ist das gefühlte Temperaturempfinden nicht nur von der Heiz- bzw Kühlenergie sondern eben auch von den Eigenschaften des zu temperierenden Gebäudes abhängig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Baubiologie (Stand 25.5.2010)

Hoher Strahlungswärmeanteil wird beim Einsatz von Heizwärme als angenehmer empfunden. Das ist etwa beim Kachelofen der Fall (siehe oben). Auch Wandheizung bzw. Fußbodenheizung liegen hier sehr gut. Konventionelle Heizkörper haben zur Wärmestrahlung bereits einen höheren Anteil von Wärmeströmung (Konvektion). Beim Heizlüftergebläse wie sie als Zusatzheizung erhältlich ist geschieht die Wärmeabgabe dann vorwiegend über Konvektion.

Heiztemperatur ist natürlich ein Indikator, nicht immer aber das Maß aller Dinge. So kann eine niedrigere Raumtemperatur bei geeigneten Randbedingungen als angenehmer und wärmer empfunden werden. Der Dämmstandard eines Hauses ist dafür bestimmend, ob sich etwa die Wände wärmer oder kälter anfühlen.

Heizgradtage: Der Energieverbrauch ist von meteorologischen Gegebenheiten gekennzeichnet und schwankt von Jahr zu Jahr. Um Vergleichbarkeit zu gewährleisten werden die sogenannten Heizgradtage definiert.

Die sogenannte Heizgrenztemperatur (12 bzw. 15 Grad) definiert den Eintritt des Heizfalls bei Unterschreitung. Die Zahl der Tage an denen die HGT unterschritten wird, multipliziert mit der jeweiligen Temperaturdifferenz zwischen Außentemperatur und HGT gemessen in Grad ergeben die Heizgradtage. Damit wird ein standardisiertes Maß für die unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen (strenge bzw. milde Winter) etabliert, mit dem dann die Schwankungen im Heizenergiebedarf verglichen werden können. So ist es möglich festzustellen, inwieweit Veränderungen im Heizenergiebedarf Folge natürlicher Schwankungen sind, oder darüber hinaus ein Trend in Richtung Zu- bzw. Abnahme erkennbar ist.

Kühlgradtage werden analog als Maß verwendet.

Effiziente Heizungspumpen sind ein in letzter Zeit wichtigeres Randthema geworden. Sie sind meistens überdimensioniert und ineffizient. Deshalb bieten sie ein wichtiges Optimierungspotenzial zur Reduktion des Energieaufwandes.

Glossar

Endenergie: Energie, die bei den Endverbraucher_innen eingesetzt wird.

Exergetisch (von Exergie): Maß für die Umwandelbarkeit von Energie und damit für Energiequalität. Energie setzt sich aus einem umwandelbaren, also nutzbaren Anteil (Exergie) und dem nicht nutzbaren Anteil (Anergie) zusammen. Elektrizität ist ein sehr hochwertiger/hochexergetischer Energieträger. Bei Elektroheizungen wird der exergetisch hochwertige Strom für ein niederexergetisches Nachfrageprofil verwendert (mehr siehe Sendung Grundlagen/Thermodynamo).

Nutzenergie: Die Endenergie wird zur Erreichung des Nutzungszweckes bei den Verbraucher_innen energetisch umgewandelt, dabei entstehen Verluste. Die tatsächlich für den gewünschten Zweck zur Verfügung stehende Energie ist die Nutzenergie (Endenergie minus Verluste).

Energiedienstleistung: beschreibt das eigentliche Bedürfnis, das nachgefragt wird, und zu dessen Befriedigung Energie eingesetzt wird.

Heizgradtage: Maß für den Heizenergiebedarf in meteorologisch unterschiedlichen Jahren (siehe oben).

Absorptions- bzw Adsorptionskältemaschine: zum Unterschied von Kompressionskältemaschinen, die mechanische Energie dazu verwenden ein Kühlmittel zu komprimieren, wird hier Wärmeenergie dazu eingesetzt, um ein Kühlmittel zu verdampfen, das die benötigte Verdampfungswärme der Umgebung enzieht und diese damit kühlt.

Siehe auch

http://de.wikipedia.org/wiki/Absorptionskältemaschine (Stand: 25.05.2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/Adsorptionskältemaschine (Stand: 25.05.2010)

Literatur und Weblinks

Broschüren / Infomaterialien der Energieberatung Niederösterreich:

Als Einstieg z.B. zum Thema „Welches Heizsystem passt zu mir?“

http://www.energieberatung-noe.at/start.asp?b=6206 (Stand: 25.05.2010)

http://www.energieberatung-noe.at/start.asp?ID=13095 (Stand: 25.05.2010):

  • Ratgeber 27: Die optimale Heizung [PDF 300kB]

  • Ratgeber 34: Moderne Holzheizungen [PDF 300kB]

  • Ratgeber 12: Thermische Solaranlagen [PDF 300kB]

  • Thermische Solaranlagen für WW, aber auch zur Heizungsunterstützung

  • Ratgeber 18: Wärmepumpen [PDF 300kB]

  • Ratgeber 20: Nahwärme aus Biomasse [PDF 400kB]

  • Ratgeber 28: Optimierung der Heizanlage

  • Ratgeber 29: Effiziente Heizungspumpen

Zum Thema Reduktion des Kühlbedarfs ein Ratgeber zur Sommertauglichkeit:

  • Ratgeber 10: Sommerliche Überwärmung

Zu Auswirkungen des Klimawandels auf Heizen und Kühlen gibt es eine relativ aktuelle Studie: von F. Prettenthaler, A. Gobiet;

Studien zum Klimawandel in Österreich, Band 2. Heizen und Kühlen im Klimawandel – Teil 1. 2008

http://epub.oeaw.ac.at/4001-6 (Stand: 25.05.2010)

Die relativ umfangreiche „Modern Heizen“-Broschüre der Umweltberatung ist zu finden unter

http://images.umweltberatung.at/htm/modern_heizen_broschuere_energieberatung.pdf (Stand: 25.05.2010)

Auch von Wien Energie gibt es einige Tipps, um Raumkühlung vermeiden zu helfen:

http://www.wienenergie.at/we/ep/contentView.do/contentTypeId/1001/channelId/-27898/programId/19339/pageTypeId/11892/contentId/20581 (Stand: 25.05.2010)

Es gibt dort auch Hinweise zu Kühlen mit Erdgas und Fernkälte:

http://www.wienenergie.at/we/ep/channelView.do/channelId/-22449/pageTypeId/11893 (Stand: 25.05.2010)

Einige Links zu „Haus der Zukunft“ Projekten:

  • Benutzer_innenfreundliche Heizungssysteme für Niedrigenergie- und Passivhäuser

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id1733?active= (Stand: 25.05.2010)

  • Passive Kühlungskonzepte für Büro- und Verwaltungsgebäude mittels luft- bzw. wasserdurchströmten Erdreichwärmetauschern

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id3127?active= (Stand: 25.05.2010)

  • Solare Adsorptionskühlung von Wohn- und Bürogebäuden (SunSorber)

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id3135?active= (Stand: 25.05.2010)

  • SolarCooling Monitor – Evaluierung Energieeffizienz und Betriebsverhalten von solar-thermischen Kühlanlagen zur Gebäudekühlung in Österreich

http://www.hausderzukunft.at/results.html/id5973?active= (Stand: 25.05.2010)

Interviewpartner_innen

in der Sendung

und weitere Informationen

der Redakteur_innen

„Brennpunkt° - Museum der Heizkultur Wien“
http://www.wien.gv.at/ma53/museen/brennpunkt/index.htm

Interviewpartner_innen:

Reinhard Indrak
Leiter von Brennpunkt° - Museum der Heizkultur Wien
http://www.wien.gv.at/ma53/museen/brennpunkt/index.htm

Magistra (FH) Christa Greinöcker
Energieberatung NÖ
http://www.energieberatung-noe.at/
christa.greinoecker[at]noel.gv.at
Telefonnummer der Energieberatung NÖ: 02742 22144

Dipl.-Ing. Alexander Wallisch
Projektleiter Fernkälte
Informationen über die Fernkälte Wien: http://www.wienenergie.at/media/files/2010/fernkaelte_9402_12773.pdf
Internetseite der Fernwärme Wien: http://www.wienenergie.at/we/ep/channelView.do/channelId/-22038/pageTypeId/11894

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http://dynamo.o94.at/?feed=rss2&p=1286
26 Güterverkehr http://dynamo.o94.at/?p=1245 http://dynamo.o94.at/?p=1245#comments Mon, 02 Aug 2010 10:26:52 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1245 Von 1990 bis 2005 stiegen die Emissionen des Güterverkehrs um 224 Prozent. Umweltfreundliche und energieeffiziente Verkehrsträger wie die Bahn verlieren zugunsten von LKW und Flugverkehr immer mehr Marktanteile. Vermeidbare Transporte erweisen sich zunehmend kostengünstiger als regionale Wirtschaftskreisläufe. Und der Primat der Freiheit des Warenverkehrs verhindert wirksame Regulierungsmaßnahmen.

Die Radiosendung

Eine Sendung von Jutta Matysek, Christa Reitermayr und Gerhard Kettler.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74539

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Güterverkehr

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Kurzbeschreibung

Auf den ersten Blick wird Güterverkehr nicht unbedingt mit Energie assoziiert. Und dennoch ist die Art wie die Produktion und Verteilung von Gütern organisiert bzw. nachgefragt wird, ein sehr wesentlicher Einflussfaktor für den Energieverbrauch.

Handel und Austausch von Gütern haben immer schon eine Rolle in der Menschheitsgeschichte gespielt. Die Verfügbarkeit von billigen Treibstoffen hat es ermöglicht, das Transportaufkommen zu erhöhen und so verteilte Produktionssysteme zu schaffen, die es Betrieben ermöglichen, Standort und Kostenvorteile zu nutzen. Dabei wird häufig übersehen, dass dieser Bereich (insbesondere der Straßengüterverkehr) hochsubventioniert und daher von Verzerrungen geprägt ist und in hohen Ausmaß Kosten externalisiert. Diese Entwicklung passiert nicht einfach nur, sondern wird sogar bewusst forciert, indem unter dem Stichwort „freier Warenverkehr“ Wegekosten niedrig gehalten werden.

Die Schattenseiten dieser solcherart subventionierten, verteilten Produktion: nachhaltige regionale Wirtschaftskreisläufe werden unterbunden, sinnlose Transporte gefördert, die vielzitierten Erdäpfel zum Waschen „nach Süden“ und anschließend zur Weiterverarbeitung wieder retour transportiert. Lagerhaltung wird zugunsten der rollenden Lager aufgegeben. Auch Lohndumping und Ausnützung niedriger Umweltstandards zählen zu den Auswirkungen, die dadurch gefördert werden.

Ein großer Teil der Verkehrsprobleme werden nicht vom Personen- sondern vom Güterverkehr verursacht. Das ölbasierte Verkehrssystem ist in dieser Form nicht mehr aufrechterhaltbar, und nicht durch einen anderen Energieträger substituierbar – in dieser Form einfach nicht „nachhaltig“. Sowohl die Wasserstoffwirtschaft mit brennstoffbetriebenen Fahrzeugen als auch Elektrofahrzeuge sind neben der Tatsache, dass sie den Aufbau einer eigenen Infrastruktur erfordern (und im Falle des Wasserstoffes technisch noch nicht soweit sind) dadurch gekennzeichnet, dass sie zwar auf andere Energieumwandlungs- und Speicherprinzipien basieren, jedoch keinen neuen Primärenergieträger ins Spiel bringen. Schwere LKW auf Elektrobasis sind nicht verfügbar.

Wie bereits in Sendung 1 angedeutet, ist der Verkehr ein Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen und insbesondere dessen ungebremste Entwicklung wesentliche Ursache für die Verfehlung der Klimaziele. Die Wirtschaftskrise hat diesem Trend vorübergehend einen Dämpfer versetzt, doch eine nachhaltige Trendwende ist solange nicht zu erwarten, als alle Anstrengungen unternommen werden, so schnell wie möglich zum „Business as usual“, dem Normalzustand einer „Wachstumspolitik“ und dem hier als erwünscht geltenden Verkehrswachstum zurückzukehren.

Wie groß dieses Problem ist, zeigt sich an der Entwicklung der Treibhausgasemissionen. So sind die entsprechenden Emissionen des Güterverkehrs bis 2005 um rund 224% gestiegen (PKW im Vergleichszeitraum „nur“ um rund 46%)

Verschiedene Verkehrsmodi (Straße, Schiene, Binnenschiff, Hochseeschiff, Flugzeug) haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich Umweltfreundlichkeit, Energiebedarf und Treibhausgasaustoß sowie der Nachfrage, die sie bedienen können (z.B. zeitkritische Transporte) und Affinitäten zu bestimmten Gütern. Letztendlich sind gesamte Logistikketten zu betrachten, weil gerade alternative Transportmodi wie Schiene oder Schiff auch zusätzlich die Straße benötigen, um ein Ziel zu erreichen. Es ist im Übrigen nicht nur der Betrieb zu berücksichtigen, sondern auch die Tatsache dass Infrastrukturausbau (etwa auch bei Wasserstraßen) vielfach mit Umweltzerstörung verbunden ist.

Die bisherige Praxis hat gezeigt, dass ohne weitere Adaptionen, die Verkehrsverlagerung nicht funktioniert, und Konzepte ,die allein darauf aufbauen, hinsichtlich der Erreichung energie- und klimapolitischer Ziele zum Scheitern verurteilt sind. Bereits mit konventionellen Bilanzierungsmethoden ist die Bilanz unbefriedigend genug. Die alternative CO2-Bilanz (s.u.) zeigt eindrucksvoll auf, dass eine am Konsumverhalten orientierte Aufstellung noch ungünstigere Ergebnisse liefert. Gerade deshalb kommt gerade individuellem Handeln und einer Steuerung von Produktionsweisen und der dazugehörigen Logistik über Konsumverhalten große Bedeutung zu

Ausführlichere Beschreibungen und Erläuterungen

Alternative CO2-Bilanz

Für Aufsehen sorgte das Grazer Wegner-Zentrum für Klima und Globalen Wandel 2010 mit einer „Alternativen CO2-Bilanz“: Anstatt die gesamte Belastung innerhalb der Staatsgrenzen abzubilden, wie dies bei den Kyoto-Bilanzen standardisiert ist, wird unabhängig vom Erzeugungsort die Treibhausgasbelastung jener Waren, die in Österreich konsumiert werden (abzüglich der Exportgüter) ermittelt. Dadurch ergibt sich eine weit höhere Belastung. Für 2004 sind das mit 110 Mio Tonnen CO2-Äquivalenten um 30 Mio t mehr als die 79 Mio in der offiziellen Bilanz !

(Bednar-Friedl B. et al., 2010) Bei dieser Betrachtungsweise gewinnt das Konsumverhalten an Bedeutung

Konsumverhalten

Mit dem Konsumverhalten kann grundsätzlich Einfluss auf die Produktions- und Transportweise ausgeübt werden. Gerade hier bietet sich eine Möglichkeit, durch individuelles Handeln einzugreifen und zu steuern. Also ein Grund mehr, bewusst zu konsumieren! Was kann ich tun? Regionale Produkte kaufen!

Freier Warenverkehr

Innerhalb der EU gibt es das auf die „Römischen Verträge“ von 1957 (die Gründung der heutigen EU als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) zurückgehendes und immer noch in Kraft befindliches Grundprinzip des sogenannten „Freien Warenverkehrs“ (neben Kapital-, Personen- und Dienstleistungs-Verkehr). Das klingt zunächst unauffällig. So leuchtet ein, dass in einer Wirtschaftsunion, die einen Binnenmarkt einrichten will, Unternehmen (in diesem Fall Transportunternehmen) in allen Mitgliedsstaaten tätig werden können, unabhängig davon, in welchem Mitgliedsstaat sie ihren Sitz haben. Die Bevorzugung „eigener“ Unternehmen und eine Diskriminierung solcher, die aus anderen Mitgliedsstaaten kommen, können in einem solchen System keinen Platz haben.

Problematisch wird das dann, wenn auch auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene diese Regelung von alleiniger Dominanz ist. Das uneingeschränkte Diktat vor allen anderen Zielen ist nicht gerechtfertigt. Gar schnell werden Umweltauflagen oder Versuche, Wegekosten in adäquater Form einzuheben (Stichwort Kostenwahrheit), als „Handelshemmnisse“ unterbunden, weil der Wettbewerb gefördert werden soll und dies besser funktioniert, wenn die Kosten (monetär, energetisch) unterschiedlicher Transportentfernungen nicht adäquat spürbar werden. (Dass gerade in Österreich in den seit den 1990er-Jahren im Brennpunkt der Öffentlichkeit stehenden Transitkonflikte solche Regelungen – etwa sektorale Fahrverbote – durchaus „patschert“ und unter dem Deckmantel der Umwelt sehr wohl in diskriminierender Form umgesetzt wurden, hat den Weg in Richtung Kostenwahrheit und Berücksichtigung von energie- und umweltpolitischen Zielen nicht leichter gemacht)

Transit

Bei der Diskussion um Güterverkehr spielt in Österreich das „Transitproblem“ eine große Rolle. Hier ist zu beachten, dass es verschiedene Transitbegriffe gibt. „Transit“ im engeren Sinn wird im Verkehrswesen für Transporte verwendet, die sowohl Quelle als auch Ziel außerhalb der Staatsgrenzen von (in diesem Fall) Österreich haben. In Zeiten der europäischen Integration verliert dieser Aspekt an Bedeutung. Transit befindet sich nicht mehr in der alleinigen Definionsmacht von Verkehrspolitik. Die Diskussion von Verkehrsproblemen in der Bevölkerung hat einen weitergefassten Transitbegriff entstehen lassen der mehr auf den Durchzugsverkehr abstellt, für den es ohne Bedeutung ist, ob es sich jetzt um Quell-Ziel-Verkehr oder um Transitverkehr im engeren Sinn handelt. Es erscheint sinnvoll, verstärkt auf Güterfernverkehr zu fokussieren. Im Verkehrswesen wird im Allgemeinen ab einer Transportentfernung von etwa 70 km von Güterfernverkehr gesprochen

Kostenwahrheit

Der Güterverkehrsmarkt ist insofern verzerrt, als die Kosten nicht selbst getragen werden, sondern externalisiert werden. Dies gilt sowohl für Errichtung und Erhaltung der entsprechenden Infrastruktur als auch für auf die Allgemeinheit überwälzte Umweltkosten.

Eine Aufstellung der externalisierten Kosten gibt der Verkehrsclub Österreich:

LKW für Allgemeinheit viermal so teuer wie der Güterzug, Grafik: VCÖ 2005

LKW für Allgemeinheit viermal so teuer wie der Güterzug, Grafik: VCÖ 2005

Transportwürdigkeitskritierien

Bei Betrachtung des Geschehens im Gütertransport ist schnell feststellbar, dass hier eine Menge Güter unnötig transportiert werden, etwa Mülltourismus oder extrem arbeitsteilige Produktionsabläufe (die angesprochenen Erdäpfel). Das mag eben unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, es ist jedoch unmittelbar einsichtig, dass es dies gesamtgesellschaftlich nicht ist, und dazu noch mit hohem Energieverbrauch und Umweltbelastung verbunden ist. Der Gedanke an der Einführung von Transportwürdigkeitskriterien im Gütertransport ist naheliegend, innerhalb der EU-Rahmenbedingungen jedoch schwierig umzusetzen. Das Land Tirol hat im Jahr 2005 mit sogenannten „sektoralen Fahrverboten“ für LKW, die etwa Schutt oder Altmetall transportieren, einen Vorstoß unternommen (der allerdings wiederum heimische Frächter_innen bevorzugt hätte). Der Europäische Gerichtshof sah diese Maßnahme als „nicht verhältnismäßig“ an.

Unterschiedlich umweltfreundliche Verkehrsträger

Transportleistung wird im Allgemeinen in Tonnenkilometern (tkm) angegeben. Dieses Maß berücksichtigt sowohl die transportierte Gütermenge als auch die Transportentfernung. Um dies zu veranschaulichen: 10 Tonnenkilometer bedeutet dabei entweder, dass 1 Tonne 10 Kilometer weit transportiert werden oder eben 10 Tonnen über eine Distanz von 1 Kilometer.

Um eine bestimmte Transportleistung in Tonnenkilometern zu erbringen, benötigen verschiedene Verkehrsträger einen spezifischen Primärenergieeinsatz von unterschiedlicher Höhe. Damit gekoppelt ist der Ausstoß von nicht filterbaren CO2-Emissionen (sonstige in einer Umweltbilanz zu berücksichtigende Schadstoffe z.B aus schwefelhältigen Treibstoffen beim Schiff werden hier nicht weiter diskutiert). Schiffe haben etwa den Vorteil, sehr große Gütermengen transportieren zu können, die Umwandlung in wirksame Antriebsenergie über Schiffsschrauben ist allerdings deutlich ineffizienter als die Kraftübertragung über Räder auf Schiene bzw. Straße. Wie gut die verschiedenen Verkehrsträger genau liegen, hängt von vielen Annahmen ab. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Welche Fahrzeugtypen werden als Grundlage der Untersuchung herangezogen und wie effizient sind diese? Welche mittlere Auslastung wird unterstellt? Welches Bahnsystem wird zugrundegelegt? Wie ist hier das Verhältnis elektrische Traktion zu Dieselbetrieb, ist beim bereitgestellten Bahnstrom (in Österreich im Allgemeinen ein eigenes Wechselstromnetz, das zumeist mit einer Frequenz von 16,7 Hz betrieben wird) ein Wasserkraftanteil in Rechnung zu stellen? (usw.) Dementsprechend ist bei entsprechenden Publikationen die unvermeidliche Schwankungsbreite zu berücksichtigen. Generell lässt sich sagen, dass das Seeschiff, die Nase vorn hat, gefolgt von Bahn bzw. Binnenschiff, die in etwa gleichauf liegen, dann mit deutlichem Abstand die Straße und als mit Abstand umweltschädlichstes Transportmittel das Flugzeug. Auch beim Pipeline-Transport handelt es sich um eine sehr effiziente Transportform, hier liegen keine verallgemeinerbaren Werte vor, sie erfordern einen hohen Errichtungsaufwand.

Hiess und Korab (1992) geben für österreichische Bedingungen einen Primärenergieeinsatz von 90 Wh/tkm (Bahn), 155 Wh/tkm (Binnenschiff) und 780 Wh/tkm (Straße) an.

Die folgende Grafik zeigt die Treibhausgasbilanz von fünf Verkehrsmodi:

Güterverkehr mit dem Flugzeug emittiert am meisten CO2, Grafik: VCÖ 2009

Güterverkehr mit dem Flugzeug emittiert am meisten CO2, Grafik: VCÖ 2009

Hier ist zu berücksichtigen, dass für das reale Transportgeschehen nicht Einzeltransporte gleicher Distanz unter jeweils idealen Bedingungen zu berücksichtigen sind, sondern Logistikketten mit häufig kombinierten Verkehren und unterschiedlichen Transportdistanzen für den realen Gesamtenergieinput und die Treibhausgasbilanz des Güterverkehr verantwortlich sind.

Modal Split

Der Modal Split gibt an, wie sich die erbrachte Gesamttransportleistung auf die verschiedenen Verkehrsträger (Straße, Schiene, Binnenschiff, Seeschiff, Flugzeug – manchmal wird nur eine Teilmenge davon angegeben) verteilt. Der Entwicklungstrend zeigt sowohl in Österreich als auch auf Ebene der EU in Richtung eines größeren Anteils der Straße zuungunsten umweltfreundlicher Verkehrsträger.

Beachtlich ist die über Pipelines (die sich im Allgemeinen im Windschatten der Aufmerksamkeit befinden) abgewickelte Transportleistung.

Die folgenden Abbildungen zeigen den Modal-Split in der EU bzw seine zeitliche Entwicklung:

LKW-Verkehr wächst auf Kosten der Schiene, Grafik: VCÖ 2005

LKW-Verkehr wächst auf Kosten der Schiene, Grafik: VCÖ 2005

Straßengüterverkehr hat größten Anteil am "Modal Split" in der EU27, Grafik: VCÖ 2009

Straßengüterverkehr hat größten Anteil am "Modal Split" in der EU27, Grafik: VCÖ 2009

Abschließend für diesen Abschnitt noch die globale Dimension unter Einbeziehung der Seeschifffahrt:

Seeschifffahrt wichtigstes Güterverkehrsmittel für China, Grafik: VCÖ 2009

Seeschifffahrt wichtigstes Güterverkehrsmittel für China, Grafik: VCÖ 2009

Für den Flugverkehr sagt der mengenmäßig vernachlässigbare Anteil nichts über die Bedeutung aus, die Transporte per Flugzeug als Rädchen im Getriebe der weltweit vernetzten Güterproduktion haben.

Einer beliebigen Verschiebung des Modal Splits in Richtung höheren Anteils relativ umweltfreundlicher Verkehrsträger hat neben unterschiedlicher Kostenstrukturen (auch in unterschiedlichem Ausmaß externalisierte Kosten), die die Konkurrenzfähigkeit mit beeinflussen, strukturelle Gründe. So haben verschiedene Güter bestimmte Affinitäten zu verschiedenen Verkehrsträgern. Zeitunkritische Massengüter werden vorwiegend oder sogar ausschließich mit dem Schiff transportiert, das dann Probleme bekommt, wenn der Zeitfaktor und „Just in time“ eine größere Bedeutung erlangt. Bahn und noch in viel stärkerem Ausmaß das Schiff haben kein derart in der Fläche wirksames Netz wie die Straße und benötigen diese vielfach für den sogenannten „Vor- bzw. Nachlauf“. Im Falle von Ausfällen sind diese Verkehrsträger verwundbar (so war wegen des Jugoslawienkrieges die Donau in Serbien für drei Jahre ohne Ausweichmöglichkeit nicht für Schiffe passierbar.) Für den Emissionszuwachs ist hauptsächlich die gestiegene Transportleistung verantwortlich (in Österreich von 37,2 Mrd. tkm 1990 auf 58,8 Mrd. im Jahr 2005, vgl. Umweltbundesamt 2007) . Insofern ist einleuchtend, dass bei Wiederaufnahme dieses Trends nach Ende der Wirtschaftskrise etwa das Binnenschiff auch bei sehr günstiger Entwicklung schon wegen seines geringen Ausgangswerts nicht das Gesamtverkehrsproblem lösen kann.

Tanktourismus- und Headquarter-Problematik

Vergleichsweise günstigere Besteuerung führen dazu, dass LKW ihre bis zu 1400 Liter fassenden Tanks bevorzugt in Österreich tanken. Die „Headquarter-Problematik“ (Konzerne haben ihren Sitz in Wien; über diese Büros läuft verrechnungstechnisch auch der Sprit, der gar nicht in Österreich verfahren wird) wirkt in die gleiche Richtung und beeinflusst die güterverkehrsbedingte Treibhausgasbilanz Österreichs negativ. Argumentationen, dass ein Teil der damit assoziierten Emissionen ja gar nicht in Österreich ausgestossen werden, haben zwar einerseits ihre Richtigkeit, andererseits muss ein Bilanzierungssystem notwendigerweise so ausgelegt sein, dass es lückenlos ist, dass solche Emissionen nicht einfach aus einer Bilanz gestrichen werden können, ohne dass sie in die eines anderen Staates aufgenommen werden. Denjenigen, die das für ungerecht halten, ist zu entgegnen, dass Österreich von den Headquarters profitiert und es in Sachen Mineralölbesteuerung durchaus in der Hand hätte, durch Anhebung auf ein mit den Nachbarstaaten vergleichbares Niveau die Attraktivität für Tanktourismus zu reduzieren. Eine solche Gegenmaßnahme wurde trotz verheerender Kyoto-Bilanz bisher nicht in Angriff genommen, auch weil die Bundesregierung die Zusatzeinnahmen aus dem Tanktourismus nicht verlieren möchte.

Literatur und Weblinks

Bednar-Friedl B. et al., 2010 , “The Carbon Content of Austrian Trade Flows in the European and International Trade Context“ Policy Notes FIW Research Reports 2009/10 N° 05 January 2010

http://www.fiw.ac.at/fileadmin/Documents/Publikationen/Studien_II/SI05.Policy_Note.Carbon_Content.pdf

http://oe1.orf.at/artikel/243242

http://www.wegcenter.at/

Hiess H. , R. Korab 1992 „Güterverkehr auf der Donau“ – eine ökologisch verkehrwirtschaftliche Untersuchung, im Auftrag des WWF, Wien im Mai 2010

Rehm W. 2010 „Wasserstraße Donau? – Mythen und Fakten“ In: Rettet die Donau, Hrsg. Umweltdachverband, Wien

Umweltbundesamt 2007. „Kyoto Fortschrittsbericht 1995-2005 , Datenstand 2007“, REP 081, Wien

VCÖ 2005 „Effizienter Güterverkehr – Profit für Wirtschaft und Umwelt“,

VCÖ-Schriftenreihe „Mobilität mit Zukunft“, Ausgabe 2/2005 Wien

VCÖ 2009 „Globaler Güterverkehr – Herausforderung für Europa“, Verkehrsclub Österreich VCÖ Schriftenreihe Mobilität mit Zukunft 4/2009, Wien

Interviewpartner_innen

in der Sendung

Wolfgang Rehm

Umweltorganisation VIRUS
http://virus.wuk.at

Dr. Heinz Högelsberger

Verkehrspolitischer Sprecher der Gewerkschaft VIDA
ehemals Verkehrsreferent von GLOBAL 2000

E-Mail: heinz.hoegelsberger[at]vida.at

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25 Energiesparpotenziale Industrie http://dynamo.o94.at/?p=1132 http://dynamo.o94.at/?p=1132#comments Fri, 23 Jul 2010 21:36:53 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1132 Die Industrie ist für 29% des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Auch die Energieverbrauchszuwächse sind beachtlich. Wo kann da gespart werden? Wie sieht die Fabrik der Zukunft aus?

Die Radiosendung

Eine Sendung von Gerhard Kettler.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74529

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Energie und Gesellschaft

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Energiesparpotenziale in der Industrie

Die Industrie (statistische Kategorie „Produzierender Bereich“) war im Jahr 2007 in Österreich für 29% des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Sowohl der industrielle Verbrauch an Strom als auch der an Erdgas ist etwa doppelt so hoch wie bei den privaten Haushalten. Auch die Energieverbrauchszuwächse der Industrie (zwischen 1990 und 2007) sind beachtlich. Insbesondere im Bereich elektrisch betriebener Standmotoren könnten nennenswerte Einsparpotenziale erschlossen werden.

Status Quo Energieverbrauch Industrie, Verbrauchstrends

Die Industrie war im Jahr 2007 mit 314 PJ (PetaJoule) für 29% des Endenergieverbrauchs in Österreich verantwortlich.

(Vergleich: Haushalte 24,2%, Verkehr 35%, Dienstleistungen 9,4%, Landwirtschaft 2,4%, gesamter Endenergieverbauch 2007: 1.083 PJ)

Die beiden wichtigsten Endenergieträger in der Industrie sind Strom und Erdgas. Zwischen 1990 und 2007 kam es zu markanten Zuwächsen beim Verbrauch dieser Energieträger für industrielle Zwecke. So stieg der Stromverbrauch der Industrie zwischen 1990 und 2007 um 54%: von 17,98 TWh (Terawattstunden) auf 27,7 TWh; der Erdgasverbrauch im selben Zeitraum um ca. 43% (von 69 auf 99 PJ).

Zum Vergleich dazu die Verbrauchsentwicklung bei den privaten Haushalten:

Der Stromverbrauch stieg in diesem Sektor zwischen 1990 und 2007 um 23,6 Prozent (von 11,46 TWh auf 14,16 TWh);

der Erdgasverbrauch der privaten Haushalte stieg zwischen 1990 und 2007 um 66 Prozent (von 32,3 auf 53,9 PJ)

Die Industrie (statistische Kategorie „Produzierender Bereich“) in Österreich verbraucht also sowohl fast doppelt so viel Strom als auch doppelt so viel Erdgas wie private Haushalte.

(Quelle für alle oben genannten Zahlen: Statistik Austria, Energiebilanzen Österreich 1970 – 2007, www.statistik.at)

Aufspaltung des industriellen Energieverbrauchs

Die drei wichtigsten Bereiche, für die in Industriebetrieben Energie verbraucht wird, sind Standmotoren, Industrieöfen und Dampferzeugung (siehe Abb. 1). Alle anderen Bereiche wie Raumheizung, Beleuchtung, EDV, elektrochemische Zwecke spielen dagegen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle (siehe ebenfalls Abb. 1).

Im Jahr 2004 betrug der Anteil von Standmotoren 34%, von Industrieöfen 28%, der Dampferzeugung 26% am gesamten industriellen Energieverbrauch.

Bei den stromverbrauchenden Anwendungen dominieren ganz klar Standmotoren mit einem Anteil von 68%, gefolgt von Industrieöfen mit 21,5%.

Abb. 1: Industrieller Strom- und Energieverbrauch nach Nutzenergiekategorien. Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. (2008), S. 154, basierend auf Statistik Austria, Nutzenergieanalyse 2004

Abb. 1: Industrieller Strom- und Energieverbrauch nach Nutzenergiekategorien. Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. (2008), S. 154, basierend auf Statistik Austria, Nutzenergieanalyse 2004

Einsparpotenziale bei Standmotoren

Während theoretisch Elektromotoren in der Lage sind, elektrischen Strom mit Effizienzen von über 90% in mechanische Energie umzuwandeln, liegen in der Praxis erzielte Wirkungsgrade vielfach nur bei 20-40% (Haas, Müller, Kranzl et al. 2008, S. 155).

Die Gründe dafür sind:

  • ineffiziente Motoren (meist aus Kostengründen in kleinen Leistungsklassen)

  • schlechte Anlagen- und Systemdimensionierung (sowohl auf der elektrischen als auch auf der mechanischen Seite)

  • verbesserungsfähige Anlagenwartung

  • Benutzer_innenverhalten

Tab. 1 zeigt, wie hoch diese Einsparpotenziale für die verschiedenen industriellen Anwendungen wie Pumpen, Gebläse, Druckluftsysteme, Kühlung, Förderbänder und andere Anwendungen eingeschätzt werden. Innerhalb der Anwendungen sind die Einsparpotenziale noch in die Bereiche hocheffiziente Motoren, Steuerung, Motorenauslegung und Anlagenoptimierung und Benutzer_innen- und Betriebsoptimierung gegliedert.

Tab. 1: Einsparpotenziale bei elektrischen Standmotoren nach Anwendungen, Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. 2008, S. 160

Tab. 1: Einsparpotenziale bei elektrischen Standmotoren nach Anwendungen, Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. 2008, S. 160

Das höchste Einsparpotenzial besteht bei Druckluftsystemen, hier insbesondere in den Bereichen Motorenauslegung und Anlagenoptimierung sowie Benutzer- und Betriebsoptimierung. Es zeigt sich also, dass neben den rein technologischen Einsparpotenzialen (durch hocheffiziente Motoren und optimierte Steuerung) vor allem auch Aspekte der Anlagenplanung und der Betriebsweise eine erhebliche Rolle bei der Realisierung von Einsparpotenzialen spielen.

Abb. 2 zeigt die technischen Stromsparpotenziale und den verbleibenden Stromverbrauch verschiedener Industriezweige in Österreich. Die relativen Einsparpotenziale liegen meist in einer Bandbreite von 15 – 20 Prozent.

Abb. 2: Technische Einsparpotenziale durch Effizienzverbesserungen bei Standmotoren, Industrieöfen und Beleuchtung in verschiedenen Industriebranchen. Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. (2008), S. 162

Abb. 2: Technische Einsparpotenziale durch Effizienzverbesserungen bei Standmotoren, Industrieöfen und Beleuchtung in verschiedenen Industriebranchen. Quelle: Haas, Müller, Kranzl et al. (2008), S. 162

Das gesamte hier abgeschätzte Stromsparpotenzial liegt bei fast 4 TWh und entspricht damit etwa dem Vierfachen des Regelarbeitsvermögens des Donaukraftwerks Freudenau. Selbst wenn nur die wirtschaftlichen Maßnahmen einbezogen werden, entspricht das Stromsparpotenzial noch immer etwa dem Dreifachen des Regelarbeitsvermögens des Donaukraftwerks Freudenau (Haas, Müller, Kranzl et al. 2008, S. 162).

Ausgewählte Projekte aus dem Programm „Fabrik der Zukunft“

Im österreichischen Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Fabrik der Zukunft“ werden sehr hochgesteckte Zielsetzungen verfolgt:

In der Fabrik der Zukunft werden

  • Nachwachsende Rohstoffe - die “Ressourcen von Morgen” - genutzt

  • Innovative Produktionsmethoden und neue Technologien für einen effizienten Ressourceneinsatz angewandt

  • Produkte und Dienstleistungen mit konsequenter Orientierung am Produktnutzen (im Gegensatz zum Produktbesitz) angeboten

Einen Teilaspekt dieser Gesamtzielsetzung stellt die Erhöhung der Energieeffizienz und die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien in produzierenden Betrieben dar.

Zwei „Fabrik der Zukunft“-Projekte, die sich mit diesem Aspekt beschäftigen, seien hier erwähnt:

1. Das Projekt „Abschaltbare Fabrik“ beschäftigt sich mit der Frage, wie der Energieverbrauch im Stand-by-Betrieb von Industriebetrieben reduziert werden kann. Der Energieverbrauch im Stand-by-Betrieb (also in Zeiten, wo nicht produziert wird) von Industriebetrieben kann erheblich sein. In einem deutschen Automobilfertigungsbetrieb beispielsweise wird während Verbrauchsspitzen eine elektrische Leistung von 54 MW (Megawatt) benötigt, in der produktionsfreien Zeit 9 MW (das ist immerhin ein Sechstel der Spitzenlast). Das Projekt „Abschaltbare Fabrik“ hat sich zum Ziel gesetzt, IT-Lösungen zu entwickeln, die diese Stillstandsverluste um 30 Prozent reduzieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, durch entsprechende Messtechnik den zeitlichen Energieverbrauch transparent darzustellen. Nach einer verursachergerechten Darstellung folgt ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess der Prozess- und Betriebsoptimierung.

2. Im Projekt „PROMISE (Produzieren mit Solarenergie)“ wurde untersucht, welcher Anteil von industriell benötigter Niedertemperaturwärme (bis 400 °C) mit Hilfe des Einsatzes von solarthermischen Anlagen in Österreich gedeckt werden könnte.

Die Einschätzung der kurz- und mittelfristigen solaren Deckungsgrade fällt eher ernüchternd aus: 3,3 PJ / Jahr (kurzfristiges Potenzial) bzw. 5,4 PJ / Jahr (mittelfristiges Potenzial) bei einem gesamten Niedertemperaturwärmebedarf von 85 PJ / Jahr.

Weiters wurden Systemanalysen für eine Prozessintegration von Solarwärme in Produktionsprozesse und Fallstudien, die die Umsetzbarkeit demonstrieren sollen, durchgeführt.

Mögliche Anwendungsbereiche für solarthermische Anlagen im produzierenden Bereich sind Wasch- und Trocknungsprozesse, Molkereien, Brauereien, Galvanikindustrie oder Heizung von Industriehallen.

Literatur / Weblinks

Haas Reinhard, Kranzl Lukas, Müller Andreas et al. (2008): Szenarien der gesamtwirtschaftlichen Marktchancen verschiedener Technologielinien im Energiebereich, Endbericht, Programm „Energiesysteme der Zukunft“

www.fabrikderzukunft.at (Stand 21.05.2010)

http://www.klimaaktiv.at/article/archive/12030/ (Stand 21.05.2010)

(klima:aktiv Energieeffiziente Betriebe)

Interviewpartner_innen

in der Sendung

und in der Sendung

erwähnte Links

Interviewpartner:

Dr. DI Ernst Schriefl

Studierte Technischer Umweltschutz (1994 – 2000) und Informatik (1987 – 1994). Von 1999 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (Energy Economics Group) und am Wiener Zentrum für Energie, Umwelt und Klima. Arbeitsschwerpunkte: Energieeffizienz in Gebäuden, Nutzer_innenverhalte, Rebound-Effekte, Simulationsmodelle. Abschluss der Diplomarbeit im Jahr 2000 zum Thema „Lebensstil und Energieverbrauchsverhalten“. Abschluss der Dissertation im Jahr 2007 (Titel: „Modellierung der Entwicklung von Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser im österreichischen Wohngebäudebestand unter der Annahme verschiedener Optimierungsziele“).
Seit 2007 Mitarbeiter bei „energieautark consulting gmbh“. Arbeitsschwerpunkte: Projektleitungen (Powerdown, TRAENER, SOS - Save Our Surface, Feasible Futures), Schulungen im Bereich Energieausweiserstellung (im Auftrag des AMS).
>>Mehr über Ernst Schriefl

E-Mail: ernst.schriefl[at]energieautark.at

Weitere Links:

energieautark consulting gmbh
http://www.energieautark.at

Reparaturnetzwerk

http://www.reparaturnetzwerk.at

Die Umweltberatung
http://www.umweltberatung.at

Marktcheck.at
http://marktcheck.greenpeace.at/

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24 Elektromobilität http://dynamo.o94.at/?p=1207 http://dynamo.o94.at/?p=1207#comments Fri, 09 Jul 2010 19:06:49 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1207 Was im öffentlichen Verkehr längst Standard ist, hält langsam auch im Individualverkehr Einzug: das Elektrofahrzeug. E-Motoren sind effizienter als Verbrennungsmotoren. Doch woher kommt der Strom? Wie wird der gespeichert? Ist Elektromobilität sauberer? Liegt im Elektroauto und -moped die Zukunft oder handelt es sich bloß um ein Plazebo im Kampf gegen den Klimawandel?

Die Radiosendung

Eine Sendung von Stefan Mayer und Christina Röll.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74501

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Elektromobilität

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Elektromobilität

Eckpunkte und Grundsatzfragen

Nachdem im Hinblick auf umweltfreundliche Verkehrsabwicklung Handlungsbedarf besteht, bekommen Elektromobile und Hybridfahrzeuge steigende Bedeutung. Damit hält die Elektromobilität, die bisher im Öffentlichen Verkehr bei leitungsgebundenen Verkehrsträgern (Bahn, Straßenbahn, O-Bus, …) ihre Domäne hatte, auch Einzug im Individualverkehr. Wo liegen nun die Chancen und Risken dieser Technologien?

Elektromobile sind leise und setzen keine Abgase frei. Es ist auch möglich, Bremsenergie zurückzugewinnen. Allerdings haben sie (noch) kurze Reichweiten. Dies lässt sie vor allem für den Stadtverkehr prädestiniert erscheinen (der nicht notwendigerweise Individualverkehr sein muss). Ein Großteil der Wege, die mit dem PKW zurückgelegt werden, liegt übrigens im Bereich von wenigen Kilometern, mehr als 95% der Wege liegen laut VCÖ unter 50 km, also innerhalb der Reichweite, die sich mit Elektrofahrzeugen bewältigen lässt. Das Stadtauto muss jedoch nicht die einzige Anwendung bedeuten. Auch Bewohner_innen des Stadtumlands, die etwa zu Park-&-Ride-Anlagen (idealerweise dann mit Ladestation) pendeln und anschließend ins Öffentliche Verkehrsnetz umsteigen, sind denkbar.

Während leitungsgebundene Elektrofahrzeuge wie Bahn und O-Bus keine Probleme mit der Mitführung von Energievorrrat haben, weil sie ständig an der Oberleitung hängen, muss das Elektroauto die benötigte Energie selbst mitführen. Handicap dabei ist das nicht unbeträchtliche Gewicht der Batterien. Bei der Energiespeicherung in der Batterie und beim Abrufen entstehen Verluste, die in die Gesamteffizienz einzubeziehen sind.

(Andere Konzepte versuchten es vergeblich mit Druckluftspeichern bzw. forcierten Brennstoffzellen, die den Einstieg in eine Wasserstoffwirtschaft mit den damit verbundenen Technologien für Verteilung, Lagerung sicheren Betrieb erfordert. Der benötigte Wasserstoff ist keine Primärenergie, sondern muss unter Energieeinsatz gewonnen werden). Aufgrund mangelnder technologischer Reife der Alternativen wird erwartet, dass batteriebetriebene E-Fahrzeuge im Vergleich zur genannten Konkurrenz eher marktreif werden. Die Qualität des Energiespeichers (möglichst hohe Kapazität bei geringem Gewicht, Effizienz des Lade- und Entnahmevorgangs, geringe Selbstentladung, lange Lebensdauer, Zahl der Ladezyklen) ist ein wesentliches Kriterium. Elektrofahrzeug wird meist als Elektroauto verstanden – dies muss aber nicht sein. Zweispurige Fahrzeuge, die in Konkurrenz zu den bei Jugendlichen sehr beliebten (nicht selten auch noch mit Zweitaktmotoren ausgestatteten) Kleinfahrzeugen treten können, haben insbesondere, wenn es dazu auch noch Förderungen gibt, Potenzial. Der Vollständigkeit halber werden Gefährte wie Segways bzw. Elektrofahrräder erwähnt. Letztere sind dann zielführend, wenn sie Personen die Fahrt ermöglichen, die keine Fahrräder benützen können, werden aber dann energetisch kontraproduktiv, wenn sie das muskelbetriebene Fahrrad auch bei jenen Benützer_innen ablöst, denen es sehr wohl möglich wäre, weiterhin muskelgetrieben mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

Während Autohersteller bisher relativ vergeblich an erfolgreichen Elektrofahrzeugen herumentwickeln (auch von der Motivation her profitieren sie nicht nur, sondern verlieren auch), eröffnet sich ein Markt für Quereinsteiger. So sorgte „Tesla“ mit „crossover“-Technologie aus der Notebook-Branche (gestackte Lithium-Akkus mit optimiertem Temperatur- und Lademanagement) für Furore. Trotz Akkuverlusten sind Elektrofahrzeuge effizienter als die speziell ineffizienteren Verbrennungsmotoren. Es kann also mit deutlich weniger Endenergieeinsatz dieselbe Nutzenergie erzeugt werden (zur Gesamteffizienz siehe Zusatzerläuterungen).

Neben der Frage der Batterien ist auch die Frage zu stellen, wo die benötigte Elektrizität gewonnen wird. Sie ist essentiell dafür, ob Elektrofahrzeuge wirklich als umweltfreundlich gelten können, und ob diese dann mit erneuerbaren Energieträgern gespeist werden. Auch durch Verwendung mit fossilen Brennstoffen erzeugter Elektrizität entsteht ein Effizienzgewinn, dies wirkt aber strukturkonservierend und ist im Sinne der vielbeschworenen Energiewende kontraproduktiv.

Innerhalb von kurzer Zeit (mit angemessener Verzögerung) ist die E-Wirtschaft aufgesprungen und sieht Elektrofahrzeuge vermehrt als neuen Absatzmarkt. Damit verbunden ist die Gefahr, dass bei einem Elektroautoboom die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieformen eben nicht mithalten kann.

Ob und bis wann mit welcher Geschwindigkeit welcher Marktanteil erreicht werden kann, ist derzeit unklar. Ebenso unklar ist, wie das System von Stromtankstellen aussehen wird. Welche Technologie (Steckdosen), wer kontrolliert das System, wie benutzer_innenfreundlich ist es, auf welche Nachfrage ist es ausgelegt (wie leicht ist es, einen Anschluss zu bekommen)?

Höhere Ladegeschwindigkeit bedeutet hier mehr Ampere und damit stärkere Belastung für das Netz (Leistung).

Überlegungen, stillstehende Elektrofahrzeuge als Speicher zu nützen und damit als Bestandteil eines (erneuerbaren) Energiesystems zu nutzen, klingen vielversprechend, müssten sich aber erst bewähren und gehen auf Kosten der Ladezyklen, die für den eigentlichen Zweck des Fahrzeuges zur Verfügung stehen.

Probleme mit Parkraumbeanspruchung wie bei herkömmlichen Fahrzeugen bleiben bestehen (wird durch kleinere leichtere Fahrzeuge etwas gemildert).

Anmerkung: Die Verfügbarkeit von Elektrofahrzeugen für den Individualverkehr bedeutet keinesfalls, dass die Bahn oder andere öffentliche Verkehrsmittel überflüssig werden.

Es sollte nicht die Illusion genährt werden, dass das fossilbasierte Verkehrssystem in seiner bisherigen Größe und Wachstumsdynamik (und auch seinen negativen Auswüchsen – z.B. Raumentwicklung, Zersiedelung) unter Ersparung sämtlicher Anpassungen einfach durch technische Verbesserung durch Umstellung auf andere Treibstoffe oder eben Technologien wie das Elektrofahrzeug beibehalten werden kann. Auch sollte nicht vergessen werden, dass im Bereich der Elektrofahrzeuge ausschließlich Lösungen im Bereich des Personentransports bzw. der Kleintransporter auf dem Tapet stehen, während es für den Schwerverkehr, insbesondere Güterfernverkehr – der Hauptemittent und Hauptantriebskraft für Zuwächse bei den Treibhausgasemissionen ist –, kein Angebot gibt.

ausführlichere Beschreibungen und Erläuterungen

Allgemeiner Hinweis

Im Grunde geht es um Elektrofahrzeuge, auch wenn gern von Elektromobilität die Rede ist. Der Begriff der Mobilität wird in vielfältiger und auch unterschiedlicher Weise verwendet, und ist nicht nur ein verkehrstechnischer Parameter. Dem Unterschied zwischen Mobilität und Verkehr ist eine eigene Sendung gewidmet.

Gesamteffizienz des Verkehrssektors

Österreich hat einen Endenergieeinsatz von 353,7 Petajoule (PJ = 1015 J) für den Verkehr. Davon werden nur 123 PJ in Nutzenergie umgewandelt, der Rest ist Verlustenergie. Das ergibt also eine Gesamteffizienz von 35% – darin sind leitungsgebundene Elektrofahrzeuge, v.a die Bahn, die deutlich effizienter ist, bereits enthalten. Der elektrische Endenergieeinsatz im Verkehrsbereich beträgt allerdings insgesamt nur 12 PJ! Netto verbleiben für Verbrennungsmotoren (ÖV und IV) also ca. 342 PJ Endenergie und ca. 113PJ Nutzenergie, also 33% Effizienz in diesem Bereich. Bei einem angenommenen Wirkungsgrad von 70% für Elektrofahrzeuge bräuchte nur 161,5 PJ für Elektrofahrzeuge eingesetzt werden, wenn der gesamte auf Verbrennungskraftmaschinen gestützte Verkehr in Österreich auf elektrische Basis umgestellt werden würde. (Anm.: Das ist ein Gedankenexperiment – z.B. Groß-LKW auf elektrischer Basis sind nicht in Sicht). Dies entspricht umgerechnet etwa 45 TWh. Der gesamte Stromverbrauch in Österreich beträgt dzt. etwa 66 TWh (Jahr 2009 www.e-control.at)

Marktchancen

Hier sind Aussagen des Verbands der Elektrizitätswerke (VEÖ 2010), mit 15% des jetzigen Strombedarfs könnten alle Fahrzeuge umgestellt werden, mit Vorsicht zu genießen. Ohne dies explizit anzugeben, werden nur PKW gemeint, und auch hier wird offensichtlich von sehr optimistischen Werten ausgegangen.

Laut Statistik Austria waren mit 31.12.2009 in Österreich 4,3 Millionen PKW zugelassen.

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/verkehr/strasse/kraftfahrzeuge_-_bestand/index.html

Ausbauziele bewegen sich im Bereich von 200.000 bis 250.000 Fahrzeugen bis zum Jahr 2020 (VEÖ 2010 bzw. Die Presse 4.10.2010). Auch diese Zielvorgaben werden vielfach als unrealistisch kritisiert. Als Ausgangswert können die Angaben in der Presse http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/570895/index.do gelten: diese gibt einen derzeitigen Bestand von 223 zugelassenen Elektroautos und 3559 Hybridautos (April 2010) an; dies deckt sich mit obigen Werten der Statistik Austria von Ende 2009, die ebenfalls 223 Elektroautos auswiesen und offensichtlich die Primärquelle darstellt. Laut Bundesverband nachhaltige Mobilität sind mehr als 400 Elektroautobesitzer_innen registriert. Bestimmte Modelle scheinen von der Statistik Austria gar nicht berücksichtigt worden zu sein. Diese Unterschiede ändern allerdings nichts an den großen Diskrepanzen zu obigen Zielwerten.

Primärenergieeffizienz und Herkunft der Elektrizität

Das Elektrofahrzeug wandelt seinen Batteriestrom deutlich effizienter in Fahrenergie um, als ein Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor dies mit dem Energieinhalt seines Treibstoffs tut. Für eine vollständige Betrachtung ist auch maßgeblich die Gesamteffizienz zu betrachten, wo für einen Vergleich noch zusätzliche Faktoren zu berücksichtigen sind. Zusätzlich ist auf die energieträgerabhängige unterschiedliche Relevanz von Energieeffizienz hinzuweisen. Beim Einsatz fossiler Energieträger bedeutet geringere Effizienz immer auch Schaden. Wird erneuerbare Energie eingesetzt, sieht die Sache etwas anders aus, hier ist Effizienz nicht von gleicherweise maßgeblicher Bedeutung. Hinsichtlich der Bedeutung der Gesamteffizienz wird im folgenden Vergleich von jeweils fossilem Energieeinsatz bei der Primärenergie ausgegangen. Hier kommt beim Verbrennungsmotor direkt Primärenergie zum Einsatz, während diese beim Elektrofahrzeug im Falle des Umwegs über Elektrizität im Kraftwerk verbrannt wird, dann über das Stromleitungsnetz übertragen und verteilt werden muss. Mit dem Ladestrom wird dann wieder jeweils unter Verlusten der Akku geladen und beim Betrieb des Fahrzeuges die chemische Energie wieder in Strom rückumgewandelt.

Welcher Prozess nun günstiger ist, hängt im Wesentlichen von der Effizienz des Kraftwerks und der Batterietechnologie ab. Bei neuen Kraftwerks- und Batterietechnologien (Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken bzw. Lithium-Ionen-Akkus) hat auch in diesem Vergleich das Elektroauto die Nase vorn, was nicht als Aufforderung missverstanden werden soll, ein Elektroauto mit Strom aus fossil befeuerten Wärmekraftwerken anstatt mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Derzeit reicht allerdings der Zuwachs an erneuerbarer Stromerzeugung nicht aus, um auch nur den bestehenden Anteil zu halten bzw. mit dem Stromverbrauchszuwachs (auch ohne Elektroauto) Schritt zu halten. Ausbaupläne der E-Wirtschaft für erneuerbare Stromerzeugungsanlagen sind optimistisch auf 15 TWh bis 2020 gepeilt (Energiepaket in Rot-Weiss-rot- vgl. mit 45TWh oben)

VCÖ-Einschätzung zur Elektromobilität

Das Ergebnis der Analyse des VCÖ ist einfach und klar: Elektro-Mobilität verschafft im wahrsten Sinne des Wortes in ein paar Jahren für ein paar Jahre ein wenig Luft. Elektro-Mobilität entbindet nicht von der Entscheidung, die verkehrspolitischen Weichen weg vom Auto und hin zum Öffentlichen Verkehr, Gehen und Radfahren zu stellen.“ VCÖ 2009

Fahrdistanzen

„Die meisten mit dem Auto gefahrenen Strecken sind nur wenige Kilometer lang. Die Reichweite moderner Elektro-Autos reicht für nahezu alle Fahrten aus.“ (VCÖ 2009)

Der überwiegende Teil aller Autofahrten ist kürzer als 20 Kilometer - Grafik: VCÖ 2009

Der überwiegende Teil aller Autofahrten ist kürzer als 20 Kilometer - Grafik: VCÖ 2009

Grafik: VCÖ 2009

Problem der Schlüsselrohstoffe

Hier ist aus jetziger Sicht vor allem Lithium für Batterietechnologie relevant, auch dieser Rohstoff („peak everything“) ist begrenzt verfügbar (vor allem in leicht gewinnbarer Form). Hier ist nicht nur die Grenze der Reichweite maßgeblich, sondern auch mögliche Engpässe bei der Förderung, die auftreten können, auch wenn an und für sich genug Vorräte da wären. Rückgewinnung von Lithium aus verbrauchten Batterien kann die Situation entschärfen, löst aber das Grundsatzproblem nicht.

Anmerkung zum Tesla Roadster

Leistungsstarker E-Sportwagen, eigentlich für die Breitenanwendung die falsche Design-Richtung. Manche kritisieren das, andererseits sorgte dieses auch vom Preis nicht alltägliche Fahrzeug aber mit durchaus beeindruckenden Fahrparametern für Furore, und damit für Image und Interesse für die Elektrofahrzeugtechnologie insgesamt.

Vlotte

Eine von fünf vom Klima und Energiefonds geförderten Modellregionen für Elektromobilität in Vorarlberg. (VEÖ 2010) – http://www.Vlotte.at unter Federführung der Illwerke-Vkw.

Pfandsysteme für Akkus

Ebenfalls diskutierte Option ist es, Fahrzeug und Akku getrennt zu betrachten, bzw. zu verkaufen, für letztere ein Pfandsystem einzurichten und den Akku nicht im Gerät zu laden, sondern zu tauschen.

Zusammenfassend gibt es eine Vielzahl von Ideen und Überlegungen über verschiedene Systeme und Zugänge, die einander teilweise widersprechen bzw. auch mit unterschiedlichen Profiteur_innen.

Kleintransport

Elektrofahrzeuge kommen derzeit nicht für den Güterschwerverkehr in Betracht. Zulieferfahrzeuge wie von Post oder Bäckerein haben durchaus Potenzial. In Deutschland gibt es mit Spiekeroog eine Nordseeinsel, die konventionell betriebene Kraftfahrzeuge gänzlich verbannt hat und den Transport von Gütern bzw. auch Gepäck zur Gänze mit Elektro-Kleinlastfahrzeugen abwickelt. Aus den USA liegen Berichte über ersten Einsatz mit einer Flotte mit Teslatechnik-Schnellladung und starker Batterie – außerdem Range-Expander mit Wasserstoff, Benzin, Diesel, PÖL (Pflanzenöl) – vor. Fahrzeuge werden in größeren Flotten in den USA in bereits zwei Häfen eingesetzt, nichtsdestotrotz bleibt der Eingangssatz des Absatzes gültig.

Glossar

Hybridfahrzeug: Fahrzeug mit 2 Antriebssystemen (Verbrennungskraftmaschine, E-Motor) die alternierend bzw. kombiniert betrieben werden können. Akku für E-Motor wird bei Motorbetrieb bzw. beim Bremsen geladen. Betriebsmodus Stadtverkehr elektrisch, Überland konventionell

Nachteil: zusätzliches Gewicht für zwei Systeme mitzuführen.

Petajoule entspricht 1015 Joule. Das Joule ist die Einheit für Energie, wird oft auch als Wattsekunde angegeben und dann durch Division durch 3600 in die üblichen Wattstunden umgerechnet. Entsprechend dem internationalen Einheitensystem werden für 3 Größenordnungen/Zehnerpotenzen bestimmte Vorsilben der Einheit vorangestellt. Also Kilo, Mega, Giga, Tera, Peta und Exa für 103, 106, 109, 1012, 1015, 1018

GuD Gas und Dampfkraftwerk Kombination einer Gas und einer Dampfturbine in kaskadierender Nutzung zur Effizienzsteigerung

Literatur, Weblinks

VCÖ 2009 „Potenziale von Elektromobilität“ downloadbar unter www.vcoe.at (Stand 21.05.2010)

VEÖ 2010 „ E-Wirtschaft macht E-mobil VEÖ Journal“ Ausgabe Februar 2010)

Energieagentur Energieflussbild 2005 basierend auf Daten der Statistik Austria

www.vlotte.at (Stand 21.05.2010)

http://www.teslamotors.com/ (Stand 21.05.2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/Elektroauto (Stand 21.05.2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/Elektromobilität (Stand 21.05.2010)

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/verkehr/strasse/kraftfahrzeuge_-_bestand/index.html (Stand 21.05.2010)

Fußnote

Notebook-Batterien auf Lithium-Basis halten 3 Jahre bei 300 Ladezyklen und vorher sichtbarem Leistungsabfall

Interviewpartner_innen

in der Sendung

Gerd Sammer, o.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.
Leiter des Instituts für Verkehrswesen an der Universität für Bodenkultur Wien
gerd.sammer[at]boku.ac.at
http://www.rali.boku.ac.at/2656.html

und

DI Martin Blum
zuständig für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
martin.blum[at]vcoe.at
http://www.vcoe.at/

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http://dynamo.o94.at/?feed=rss2&p=1207
23 Energie und Gesellschaft http://dynamo.o94.at/?p=1175 http://dynamo.o94.at/?p=1175#comments Sat, 03 Jul 2010 12:16:39 +0000 admin http://dynamo.o94.at/?p=1175 “Unser” Lebensstil drückt sich in zunehmendem Verbrauch von Energie aus. Ist eine Änderung in Sicht? Bedroht Energiesparen unseren Wohlstand? Was kann mit individueller Verhaltensänderung erreicht werden? Hat es Sinn, Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben? Wie kann das alles weitergehen? Um diese Fragen dreht sich die Sendung “Energie und Gesellschaft” aus der Reihe Dynamo-Effekt.

Die Radiosendung

Eine Sendung von Isabella Gusenbauer, Marlene Pühringer, Bernd Schweeger und Ines Strasser.

Anhören:

>>http://cba.fro.at/74474

Weiterlesen:

>>Hintergrundinformation zu Energie und Gesellschaft

>>Interviewpartner_innen in dieser Sendung und weitere Links der Redakteur_innen

Hintergrundinformation

(Virus-Umweltbureau)

Grundlegende Zusammenhänge

Gesellschaft und Energie sind eng verknüpft - Energie ist einer der wesentlichen „Produktionsfaktoren“. Energie bzw. Energiesysteme sind nicht nur Ausdruck von technischen Abläufen und Prozessen, gesellschaftliches Handeln beeinflusst massiv die Umwandlung und Handhabung von Energie. Die Energieflüsse umgekehrt sind die Spezifika, nach denen Energie genutzt wird und entscheidend für die Entwicklungsrichtung und Optionen der Gesellschaft.

In dieser Sendung werden gesellschaftliche Trends von Energierelevanz analysiert und Ansatzpunkte für eine Veränderungen dieser Trends erarbeitet. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf das Spannungsfeld individuelles privates Handeln im Vergleich zu Aufmerksamkeit für und Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft gelegt, das sich als Metathema durch die gesamte Sendereihe „Dynamo Effekt“ zieht. „Wasser predigen und Wein trinken“ ist ohne Zweifel nicht das Modell auf dem eine nachhaltige Energiezukunft aufgebaut werden kann. Wenn allerdings die Konzentration auf das eigene Handeln zum Ausschließlichkeitsprinzip wird, eröffnet es gleichzeitig ein politisches Vakuum. Das wird dann nur zu gerne von Entscheidungsträger_innen dazu benützt, ohne Druck Weichenstellungen zu treffen, die die individuellen Erfolge konterkarieren. Deshalb ist die Balance wichtig, um beide Bereiche abzudecken – die Individualisierung gesellschaftlicher Probleme darf nicht als willkommenes Ablenkungsmanöver von politischer Verantwortung missbraucht werden. Es braucht eben auch öffentlichen Druck (für den letztendlich wiederum das Individuum verantwortlich ist) um energie- bzw. klimapolitische Ziele zu erreichen bzw. einzuhalten. Dabei sind folgende Fragen relevant:

Zum einen sind wir mit der Tatsache konfrontiert, dass eine Konzentration auf die Lösung „des Energieproblems der Menschheit“ zu beobachten ist. Davon ist zwar seit Jahrzehnten in einer Vielzahl von Publikationen die Rede, aber es bleibt dennoch unklar, was das genau sein soll, und ob es sich überhaupt um ein Problem und nicht vielmehr um ein Bündel von Problemstellungen handelt.

Letztendlich greift die vorrangige oder sogar ausschließliche Konzentration auf technische Lösungsansätze zu kurz. Im Gegensatz dazu herrscht immer noch das Paradigma, dass energiesystemare Probleme vorwiegend oder sogar auschließlich mit technischen Mitteln gelöst werden können (müssen). Gesellschaftliche Trends hängen eng mit dem Lebensstil und der Wirtschaftsweise zusammen, Beeinflussungen und Veränderungen des „Zeitgeistes“ sind in beide Richtungen möglich und ein entscheidender Faktor, von dem der Umgang mit Energie abhängt.

Nicht unwesentliche Einflussfaktoren sind auch demographische Entwicklungen und die (stark ideologisch überformte) Art, wie die Gesellschaft damit umgeht, sowie die Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und sich daraus ergebende Konsequenzen (s.u.).

Dies ist ein besonders heikler und stark missbrauchter Themenbereich. Ein Ansatz, der alle wesentlichen Faktoren zu berücksichtigen versucht, tut gut daran, sich dennoch damit zu beschäftigen und einen Mittelweg zwischen (teils abstrusen) Demographieideologien und einem kompletten Ignorieren diese Bereichs zu finden.

Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit „Energie und Gesellschaft“ ist auch die Frage der Entscheidungsfreiheit: Randbedingungen wie Verfügbarkeit von Energie entziehen sich der demokratischen Entscheidung, nur Reaktionen darauf sind möglich. Auch der Klimawandel ist nicht abwählbar, ob und in welchem Ausmaß darauf reagiert wird, ist aber sehr wohl eine Frage politischer Prozesse.

Auf der anderen Seite wäre es bei aller zentraler Wichtigkeit und Bedeutung des Klimawandels und der Resourcenbegrenztheit eine Verarmung von Werten, alles darauf zu reduzieren, und den scheinbar einfachen Weg einer quasi-diktatorischen Festlegung zu gehen Ein Eingreifen in individuelle Lebensentscheidungen kann mit den Menschenrechten in Konflikt geraten. Auch die Frage, inwieweit „ausbeuterischer“ Lebensstil die Menschenrechte zukünftiger Generationen einschränkt, wäre zu berücksichtigen.

Politische Regulierungsmöglichkeiten sind immer auch eine Frage der Machtverteilung und des Vorhandenseins demokratischer Strukturen:

  • Wer kontrolliert die Politik und die Wirtschaft?

  • Wie demokratisch bzw. elitär sind Energiesysteme (vgl. z.B. Kernenergie und ihre Implikationen).

  • Wie interagiert die Absicherung von Rohenergie bzw. technischen Anlagen mit Menschenrechten und demokratischen Grundfreiheiten?

Existierende Strukturen und Paradigmen schaffen Zwänge für das Individuum. „Self-empowerment“ ist das Mittel des Ausgleichs um diesen Zwängen auch etwas entgegenzusetzen. Investitionsentscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen (privaten, „öffentlichen“, …) erzeugen Sachzwänge, seien sie nun positiv oder negativ. Partizipation der sogenannten Zivilgesellschaft und ihre rechtliche Verankerung ist daher ein essentieller Erfolgsfaktor.

Erläuterungen ausgewählter Fragen

Grundsatzüberlegungen von VIRUS zu den Ansatzpunkten für Weichenstellungen:

Verringerung der Energieintensität / Steigerung der Effizienz ist ein wichtiges Hilfsmittel, jedoch ist das Effizienzsteigerungspotenzial innerhalb einer bestimmten Technologie begrenzt. Eine Nichtberücksichtigung dieser Zusammenhänge verschiebt vielleicht das akute Problem um einige Jahre, ein Ausschöpfen aller Effizienzsteigerungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Energieverbrauchssteigerung minimiert aber die Freiheitsgrade für die Zukunft.

Verteilungsgerechtigkeit ist insofern wesentlich, als erst über den Lebensstil nachgedacht werden kann, wenn das Überleben gesichert ist.

Lebensstil: Vorausgesetzt, Grundbedürfnisse sind gesichert, ist Wohlbefinden nicht eine direkte Funktion von Konsum. Ein besserer Umgang mit Gier ist auch Bestandteil eines notwendigen menschlichen und gesellschaftlichen Reifungsprozesses.

Demographische Rahmenbedingungen: In Analysen ist nicht nur zu beachten, wo sich die Bevölkerung gerade dynamisch entwickelt, sondern auch, wo sich die Entwicklung bereits abgespielt hat und mit hohem Pro/Kopf-Ressourcenverbrauch gekoppelt wurde (also ausschließlich in den Industriestaaten). Hier geht es vor allem darum, günstige Entwicklungen (Abnahme der Bevölkerungszahl in den industrialisierten Staaten) zu nützen (bzw. über Verteilungsgerechtigkeit und Lebenstil auch indirekt Einfluss zu nehmen), anstatt angesichts rückläufiger Geburten in Europa in Panik zu verfallen, keinesfalls aber Maßnahmen zu propagieren, die ethisch nicht vertretbar, diskriminierend und mit den grundlegenden Menschenrechten unvereinbar sind! Aus gegebenem historischem und aktuellem Anlass wird hier im Speziellen auf die Unantastbarkeit von Frauenrechten hingewiesen!

Wir sind der Überzeugung, dass eine lebenswerte Welt, mit der wir sorgsam umgehen, weder über eine „Ökodiktatur“ angestrebt werden kann und darf, noch eine solche erfordert.

Zusatzanmerkung:

Wie in der Kurzbeschreibung erwähnt, ist es angebracht, einen Mittelweg zwischen einerseits völligem Ignorieren und abstrusen politischen Aussagen zu finden. Zu letzteren gehören in jüngster Zeit politische Aussagen, die nur Xenophobie fördern und demographische „Probleme“ auf Zuwanderung reduzieren.

Zur Demographie- und Verteilungsdiskussion:

Das Land, dessen Menschen 2006 am wenigsten Energie pro Kopf verbraucht haben, ist Eritrea am Horn von Afrika. Ein Österreicher oder eine Österreicherin verbraucht 27-mal so viel Energie, wie ein Bewohner oder eine Bewohnerin dieses Landes.

Auch zwischen den einzelnen Weltregionen zeigen sich große Unterschiede: Den höchsten Energieverbrauch haben die Industriestaaten. Mit deutlich weniger Energie kommen Afrika, Lateinamerika oder Asien aus. (http://www.risikodialog.at/risikothemen/ressourcen-im-risikodialog/themenbeitraege-energie/energieverbrauch-im-internationalen-vergleich/ (Stand: 29.5.2010)

Ein Positivbeispiel der demokratischen Einflussnahme:

Die Kampagne „Zürich spart 10 Millionen Watt“ hatte zum Ziel, die Bevölkerung zu freiwilligen Energiesparversprechen in der Höhe von 10 Millionen Watt Dauerleistung zu motivieren. Am 23. November ist sie zu Ende gegangen. In der 7 Wochen dauernden Aktion haben 2520 Menschen ein oder mehrere Versprechen abgegeben, und sparen so gemeinsam 4 Millionen Watt. „Es ist toll, dass über 2500 Menschen ihren Beitrag zum Energiesparen geleistet haben. Ihnen gebührt ein großes Dankeschön“, so Stadtrat Robert Neukomm, Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements.

Die Aktion fand im Rahmen des Legislaturschwerpunktes “Nachhaltige Stadt Zürich – auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft” des Stadtrates von Zürich statt. Die Stadt Zürich hat das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft dank einer Volksabstimmung vor einem Jahr in der Gemeindeordnung verankert.

(http://www.stadt-zuerich.ch/gud/de/index/das_departement/strategie_und_politik/2000_watt_gesellschaft/mein_energieverbrauch.html)

Verhaltensänderung hat größtes Potenzial

Das Sustainable Energy Resarch Institut (SERI) hat eine Studie veröffentlicht, die die Erreichbarkeit der Klimaziele bzw. weiterer energiepolitischer Ziele in Österreich untersucht und Szenarien mit verschiedenen Handlungsschwerpunkten entwickelt. Der Fokus dieser Szenarien liegt hier entweder bei den bekannten Ansatzpunkten, Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu verstärken, oder andererseits bei Verhaltensänderungen. Die Studie zeigt, dass Letztere das meiste Potenzial für eine erfolgreiche „Energiewende“ bergen.

Wie SERI in Reaktion auf Missverständnisse in Medien betont, wurde die Studie nicht im Rahmen der Energiestrategie Österreichs durchgeführt und hat damit nichts zu tun. Im Vergleich ist dennoch interessant, dass die wirksamste Maßnahmengruppe in der strategischen Ausrichtung der Energiestrategie untergeordnete Bedeutung einnimmt.

http://seri.at/de/allgemeines/2010/05/20/kann-osterreich-die-aktuellen-energie-und-klimapolitischen-ziele-bis-2020-erreichen/

http://seri.at/wp-content/uploads/2010/05/szenarien.pdf

http://seri.at/wp-content/uploads/2010/05/pressetext-eco.pdf

Zitiert nach WBGU Reusswig et al 2003 (siehe Literaturangabe unten) zu Lebensstile und Energieverbrauch:

„Ohne steigenden Energieverbrauch kein Wohlstand, ohne Wohlstand keine Energienachfrage. Von daher wurde der vergleichsweise geringe Pro-Kopf-Verbrauch an Energie der Entwicklungsländer (z.B. gemessen an Primärenergieträgern oder Elektrizität) als weiterer Ausdruck ihrer Unterentwicklung verstanden.

Für ein Brot (1 kg) musste 1960 20 Minuten lang gearbeitet werden, heute (2003) sind es nur noch 11 Minuten. Der Arbeitsaufwand für ein Liter Normalbenzin ist noch stärker gesunken:1960 waren es noch 14 Minuten, heute sind es nur noch 4 Minuten. Wäre der Benzinpreis seit 1960 mit der allgemeinen Preisentwicklung gestiegen, würde der Liter heute 2,70 DM kosten. Gemessen an der Kaufkraft von 1960 müsste das Benzin heute sogar 5,70 DM kosten. Von 1960 bis heute stieg der Benzinpreis um 240 Prozent. Die Preise für Brot stiegen aber um rund 500 und im öffentlichen Nahverkehr um ca. 1000 Prozent.“

Noch mehr als Treibstoff-Hunger muss Energie-Überfluss zur Ausbeutung führen. Nur wenn eine Gesellschaft den Energieverbrauch selbst ihres mächtigsten Bürgers begrenzt, kann sie soziale Beziehungen ermöglichen, die sich durch ein hohes Maß an Gerechtigkeit auszeichnen. Karg bemessene Technik ist Bedingung, wenn auch keine Garantie für soziale Gerechtigkeit.“ (Illich 1978 […], in Reusswig 2003)

Zwischen den Emissionen der Spitzengruppe (knapp 14.000 Btu) und denen der untersten Gruppe (ca. 2.000 Btu) liegt eine Differenz von Faktor 6. Legt man die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionswerte der Länder zugrunde, dann entspricht dies dem Verhältnis zwischen den USA und Ländern wie Argentinien, Jamaika, Libanon, Mexiko oder Syrien. Die Verteilungswirkungen von internationalen und nationalen Klimapolitiken sollte von daher im Auge behalten werden.“

Literatur und Weblinks

SERI Sustainable Energy research Institute:

http://seri.at/de/allgemeines/2010/05/20/kann-osterreich-die-aktuellen-energie-und-klimapolitischen-ziele-bis-2020-erreichen/ (Stand: 08.06.2010)

http://seri.at/wp-content/uploads/2010/05/szenarien.pdf (Stand: 08.06.2010)

http://seri.at/wp-content/uploads/2010/05/pressetext-eco.pdf (Stand: 08.06.2010)

Dennis Meadows/Donella Meadows et al. 1972 “Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart

Globale Umweltveränderungen: Lebensstile und globaler Energieverbrauch, Dr. Fritz Reusswig et al. Externe Expertise für das WBGU-Hauptgutachten 2003 “Welt im Wandel: Energiewende zur Nachhaltigkeit”, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung (Deutschland), Heidelberg 2003: http://www.wbgu.de/wbgu_jg2003_ex08.pdf (Stand: 08.06.2010)

Energieverbrauch im inernationalen Vergleich, Mark Hammer, 2009:

http://www.risikodialog.at/risikothemen/ressourcen-im-risikodialog/themenbeitraege-energie/energieverbrauch-im-internationalen-vergleich/ (Stand: 29.5.2010)

Die 2000-Watt-Gesellschaft und mein Energieverbrauch, Stadt Zürich:

http://www.stadt-zuerich.ch/gud/de/index/das_departement/strategie_und_politik/2000_watt_gesellschaft/mein_energieverbrauch.html (Stand: 29.05.2010)

Fußnoten

für die inhaltliche Konzeption der Sendereihe verantwortliche Umweltorganisation

BTU British Thermal Units: Energieeinheit; 1 BTU entspricht 0,293 Wattstunden; zwischen Energieeinsatz und Emissionen gibt es eine Korrelation;

Interviewpartner_innen

in der Sendung

Univ. Doz. Dr. Peter Weish
Peter Weish wurde 1936 geboren, hat Chemie, Physik und Zoologie studiert und 1966 zum Doktor der Philosophie promoviert. Bis 1979 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Biomedizin am Institut für Strahlenschutz der Österreichischen Studiengesellschaft für Atomenergie im Reaktorzentrum Seibersdorf. Anschließend war er Assistent am Institut für Zoologie der BOKU Wien, dann wissenschaftlicher Beamter am Institut für Umweltwissenschaften und Naturschutz, seit 1984 ist Weish Lehrbeauftragter am Institut für Humanökologie an der BOKU, 1992 habilitierte er sich an der Universität Wien für Humanökologie. Peter Weish war Sprecher des Gentechnik-Volksbegehrens 1997, ist Präsident des Forums Österreichischer Wissenschafter für den Umweltschutz und Träger etlicher Umweltpreise.

peter.weish[at]univie.ac.at

Univ.-Prof.in Dr.in Marina Fischer-Kowalski
Institutsleiterin, Professorin für Soziale Ökologie an der Universität Klagenfurt, Dozentin für Soziologie an der Universität Wien
(habilitiert für das Fach Soziologie, Universität Graz 1985; Dr. in Soziologie,  Universität Wien 1971)
“Als ausgebildete Sozialwissenschaftlerin fasziniert mich die interdisziplinäre Kooperation mit den Naturwissenschaften. Sie zwingt mich zur Auseinandersetzung mit sehr unterschiedlichen Perspektiven und Methoden, und zur radikalen Neuformulierung von Problemstellungen. Ich bin auf leidenschaftlicher Suche nach theoretischer Klarheit, und mich interessieren sehr fundamentale Fragen: Wie vermitteln sich soziale und natürliche Systeme? Wie vermitteln sie sich in der Erkenntnis und im Bewusstsein von Menschen, wie in der biophysischen Realität, und wie haben sich ihre Beziehungen historisch entwickelt? Die Neugier treibt mich, immer wieder neue Fragen zu stellen und meine Vorurteile dem Risiko des Scheiterns an der empirischen Wirklichkeit auszusetzen. Jenseits dieser Neugier fühle ich mich mitverantwortlich dafür, die Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen auch praktisch in Richtung einer nachhaltigeren Entwicklung umzugestalten. Ich freue mich, ein interdisziplinäres Team leiten zu dürfen und hoffe, Impulse auch für die Sozialwissenschaften zu setzen, deren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung dringend gefordert ist.”
Forschungsfelder:
Soziale Ökologie
Social Theory
Nachhaltige Entwicklung
Umweltsoziologie
Gesellschaftlicher Stoffwechsel
Umweltpolitik
Umweltinformationssysteme

marina.fischer-kowalski[at]uni-klu.ac.at

Dr. Friedrich Hinterberger
Friedrich Hinterberger, born in 1959, is the founding President of SERI. Studies of national economics at the Johannes-Kepler University Linz. 1985-1991 scientific member at the Justus-Liebig University Gießen. Since 1985 he has been teaching at universities both in Austria and abroad. 1993-2000 leader of the working group Ecological Economics and Ecological Economical Policy at the Wuppertal Institute for Climate, Environment and Energy. Since 1999 founding president of the Sustainable Europe Research Institute. Board member of the Austrian Chapter of the Club of Rome. Work focus: Ecological Economics, Scenarios for sustainable economies and societies, Quality of Life Research.
Garnisongasse 7/21
A -1090 Vienna/Austria
office[at]seri.at

Mag.a Lisa Bohunovsky


Univ. Prof.in Helga Kromp-Kolb

Universitätsprofessorin der Universität für Bodenkultur in Wien.
http://www.wau.boku.ac.at/iwhw.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Helga_Kromp-Kolb

Mag.a Tatjana Tölly
Pressesprecherin Kinderuniversität
www.kinderuni.at, http://kinder.univie.ac.at/

Mag.a Marte Huainig
Leitung der Abteilung Grundlagen und Sozalpolitik der Caritas Österreich,
www.caritas.at

weitere Angaben folgen.

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